Aachen: Ein Preisträger mit klaren Positionen

Aachen: Ein Preisträger mit klaren Positionen

Nein, eigentlich wollte er den Preis ja gar nicht haben. Aber dann hat Wolfgang „Tim“ Hammer doch zugesagt. Am Mittwochabend wurde ihm im festlichen Rahmen im Krönungssaal des Rathauses der Preis „Aachen Sozial“ der Familienunternehmer und Jungen Unternehmer überreicht. Der Spediteur Hammer sei ein Unternehmer, der sich sozial engagiere, hieß es in der Begründung.

„Sozial heißt für mich, ein Auge auf die Mitarbeiter zu halten“, definierte der siebte Träger des nun schon zur Tradition gewordenen Preises. „Heutzutage sieht man junge Menschen in dunklen Anzügen, sehr wichtige Leute, ein Laptop unterm Arm, die aber keine Ahnung vom Leben haben. Das Gegenprodukt steht vor Ihnen“, sagte Hammer und heimste damit großen Applaus ein.

Stolz überreichte Gabriele Mohné, die Chefin der Familienunternehmer, den Preis an Tim Hammer, Lothar Friedrich (l.) verlas die Urkunde.

Er sei als junger Mann in die weite Welt geschickt worden, habe bei Familien im englischen Camebridge, in New York, in der Normandie und in Lausanne („Das war der langweiligste Aufenthalt“) gelebt. Hammer erzählte einige Anekdötchen von den zweieinhalbjährigen Auslandsaufenthalten, ausgesprochen gut gelaunt und unterhaltsam, aber durchaus mit ernstem Hintergrund.

Eine Laudatio, die ankam: NRW-CDU-Chef Armin Laschet zog alle humoristischen Register.

Er stieß in England auf Menschen, die die Deutschen „für das Letzte“ hielten, in den USA viele Deutsche als Antisemiten ansahen, in der Normandie aber, „einem wunderschönen Gebiet, das seit dem D-Day kein Deutscher mehr betreten hatte, auf Vorurteilslosigkeit und Herzlichkeit“. So habe er fürs Leben gelernt.

Scharfer Angriff

Trotz guter Laune, trotz so mancher humoristischer Einlage — als Mann der klaren Worte griff der Preisträger scharf die Positionen der Grünen und Sozialdemokraten in Richtung Steuererhöhung an. „Die Politik hat den Offenbarungseid geleistet, sie ist nicht mehr in der Lage, ausgeglichene Haushalte zu präsentieren“, machte er auch die anderen Farben verantwortlich. „Als Unternehmer verdient man mehr als die Arbeitnehmer, wenn alles gut läuft, wenn es schlecht läuft, verdient man weniger bis gar nichts mehr und setzt auch seine Altersversorgung aufs Spiel.“ Hammer weiter: „Aber es geht zu weit, dass Rot-Grün, wenn sie an die Regierung kämen, die Besserverdienenden schröpfen will. Da wird Leistung bestraft.“ Die Politik solle vielmehr aufhören, Steuermittel zu verschwenden. Der 52-jährige Unternehmer beklagte sich: „Wenn Familienunternehmer schlecht wirtschaften, werden sie zur Verantwortung gezogen, Politiker haben da nichts zu befürchten.“

Hammer, der sich unter anderem für das Caritas-Suchthilfe-Projekt „Feuervogel“, fürs Syrien-Hilfsprojekt von Markus Reissen, die Kita Rokoko in der Robert-Koch-Straße und als Schirmherr der Hospizstiftung Region Aachen einsetzt, nahm auch Stellung zu seiner näheren Umgebung: „Karl der Große lebt nicht mehr, damit müssen wir klarkommen“, schrieb er den Öchern ins Stammbuch und forderte: „Wir dürfen den Anschluss an andere Regionen nicht verlieren.“ Die Campus-Projekte in Aachen seien eine Chance, „die werden viel bringen“, zeigte er sich überzeugt.

Als Laudatoren hatten die Familienunternehmer um die Vorsitzende Gabriele Mohné, die wieder mit ihrer Moderation überzeugte, den NRW-Landesvorsitzenden der CDU, Armin Laschet, gewinnen können. Seit Kindheit an kennen sich Laschet und Hammer, sie haben ein paar Jahre gemeinsam die Schulbank gedrückt.

Was hilft der Barbarossaleuchter?

Laschet zog eine Linie — Rathaus, Dom, CHIO, Robert-Koch-Straße und OT Josefshaus: „Das ist alles Aachen, und dort engagiert sich Tim, ganz nach dem Motto, ‚was hilft der schönste Barbarossaleuchter, wenn im Ostviertel Kinder hungrig zur Schule gehen müssen‘.“ Der Preisträger setze sich auch bei den „Bonneploeckern“ ein, weil sich dort viele seiner 750 Mitarbeiter engagieren würden.

Laschet berichtete vom Humor Hammers: „Als ich das erste Mal in den Bundestag gewählt wurde, nannte er mich Berlusconi.“ Hammers Leben sei zielgerichtet. „Als er Vizepräsident der Alemannia war, hat er mich und viele andere davon überzeugt, eine Dauerkarte zu kaufen. Wenn die Alemannia nur solche Leute in ihrer Führungsetage gehabt hätte, spielten wir heute in der Bundesliga und nicht in der Regionalliga.“ Da war dem Christdemokraten und Freund brausender Applaus sicher. Überhaupt: Laschet sorgte mit seiner Laudatio für viel Heiterkeit, sie war ausgesprochen locker und humorvoll, wenn auch ein wenig zu schnell vorgetragen.

Als Festredner hatten die Familienunternehmen den Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, gewinnen können. Der oberste Chef aller 7500 Benediktiner-Mönche und 17.000 Benediktiner- Nonnen weltweit redete zum Thema „Sozial“. Über mehr als Allgemeinplätze kam der intellektuelle Obermönch, der seinen Sitz in Rom hat, aber nicht hinaus. Pflichtgemäß geißelte er die zu hohen Einkommen der Manager von Dax-Unternehmen und lobte das soziale Engagement vieler Familienunternehmer „die ja dafür sorgen müssen, dass ihre Firmen auch in weiteren Generationen noch am Ort produzieren“. Allerdings: „Armut wie Papst Franziskus predige ich heute nicht.“ Der Abtprimas kam ins Philosophieren: „Wenn ich einen unglücklich machen wollte, würde ich ihn reich machen.“

Oberbürgermeister Marcel Phi­lipp hatte die Schirmherrschaft für die Preisverleihung übernommen, die Schülerinnen und Schüler der Musikschule Aachen, Dana Fröhlich und Esra Mutlo (beide Harfe) und Frasan Rahvari, boten hervorragende klassische Musik auf ihren Instrumenten.

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