Aachen: Ein niederländischer Knick soll Aachener Radlern mehr Sicherheit bringen

Aachen : Ein niederländischer Knick soll Aachener Radlern mehr Sicherheit bringen

Sicherer für Radler, weniger stressig für Autofahrer, ohne wesentlich größeren Platzbedarf — es scheint fast, als hätten die Aachener Grünen für die Planung von großen Straßenkreuzungen den Stein der Weisen gefunden. Lange suchen mussten sie ihn nicht: „Man muss nur mal über die Grenze gucken“, meint Wilfried Fischer, der mobilitätspolitische Sprecher der Grünen.

In den nahen Niederlanden entdeckten sie den Trick mit dem Knick: Die Spuren für den Radverkehr schwenken vor großen Kreuzungen ein Stückchen nach rechts, wodurch etwas Abstand zum Autoverkehr geschaffen wird. Rechts abbiegende Autofahrer übersehen Radler dann nicht, auch wenn sie den Blick über die Schulter oder in den rechten Außenspiegel vergessen. Sie sehen sie statt dessen vor sich, wenn sie schon um die Ecke gebogen sind. Denn durch die Verschwenkung der Radspur werden die Radler aus dem toten Winkel der Autofahrer herausgeführt und an einer übersichtlicheren Stelle über die Querstraße gelotst.

„Das ist kein Zauberwerk“, meint Relindis Becker, die als sachkundige Bürgerin für die Grünen im Mobilitätsausschuss sitzt, Diese Art der Planung sei „nur noch nicht bei uns angekommen“. Dabei wären solche Maßnahmen aus Sicht der Grünen geeignet, das Radfahren in Aachen sicherer zu machen und letztlich den Anteil der Radler am Straßenverkehr zu erhöhen.

Mehr Radverkehr

„Der dümpelt seit Jahrzehnten bei etwa zehn Prozent herum“, sagt Fischer. Eine Steigerung auf 20 Prozent hält er für möglich, wenn viele Aachener nicht mehr vorsichtshalber mit dem „Stadtpanzer“ unterwegs seien, weil ihnen das Radeln zu gefährlich erscheint. Schuld daran ist nach seiner Ansicht eine Verkehrsplanung nach Leitsätzen aus den 1970er Jahren, die vorwiegend auf einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss für Kraftfahrer ausgerichtet sei. Die Stadt müsse aber auch für Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen attraktiv sein.

Dafür wollen die Grünen nach eigenem Bekunden aber keineswegs dem motorisierten Individualverkehr Hindernisse in den Weg schieben. „Wir wollen nicht den Stau“, betont Fischer, „wir wollen nur ein klares Signal.“ Es müsse deutlich gemacht werden, dass nicht durch eine autofreundliche Planung noch mehr Kfz-Verkehr in die Stadt gelockt werden soll.

Entspannung für Autofahrer

Und überhaupt würde eine Kreuzung nach niederländischem Modell auch bei Autofahrern für mehr Entspannung sorgen. Sie müssten sich nicht dauernd panisch fragen, ob sie im toten Winkel etwas übersehen haben. Zudem könnten etwa bei einem entsprechenden Umbau des Hansemannplatzes die bestehenden Fahrbahnen erhalten bleiben. „Es geht nur um die bauliche Trennung“, beton Relindis Becker, niemandem würde etwas weggenommen.

Lediglich die Ampelschaltungen müssten etwas angepasst werden, meint Fischer. Dabei gehe es aber um wenige Sekunden, die den Rückstau vor der Kreuzung nicht wesentlich verlängern dürften.

Der Hansemannplatz steht ganz oben auf der Liste der Kreuzungen, deren Umplanung die Grünen in einem Ratsantrag fordern. Handlungsbedarf sehen sie aber auch am Kaiserplatz, der in ihren Augen auch für Fußgänger inzwischen arg unübersichtlich geworden ist. Und generell sollten mal alle großen Kreuzungen auf dem Alleenring in den Blick genommen werden.

Mit den Planungen für den Hansemannplatz und den Kaiserplatz sollte nach dem Willen der Grünen in diesem Jahr schon begonnen werden. Geld sollte keine Rolle spielen. Es gebe etliche Förderprogramme, sagt Becker.

Und Fischer verweist auf die beim Dieselgipfel ausgehandelten Mittel, die dafür verwendet werden könnten.