Aachen: Ein neuer Zugang zum Hauptbahnhof für Burtscheid

Aachen: Ein neuer Zugang zum Hauptbahnhof für Burtscheid

In den 90er Jahren wurde die Idee ad acta gelegt, nun ist sie wieder aktuell: Der Hauptbahnhof soll einen weiteren Zugang von Burtscheid aus bekommen. Die Verwaltung arbeitet gerade an der Vorplanung, die sich aber in einem wesentlichen Punkt von den Überlegungen vor rund 20 Jahren unterscheidet.

Damals dachte man an eine Brücke über die Gleise. Die wäre sehr teuer geworden. Heute steht fest: Es wird ein Tunnel. Der bestehende unterirdische Zugang zu den einzelnen Bahnsteigen soll unter Gleis 9 hindurch verlängert, die dicke Mauer, die den Bahnhof nach Süden abschließt, durchbrochen werden.

Der Tunnel könnte laut Machbarkeitsstudie etwa 3,5 Millionen Euro kosten. Das Projekt hat nach derzeitigem Planungsstand ein Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 6,64 Millionen Euro, mehr als 4,1 Millionen davon würde der Verkehrsverband „Nahverkehr Rheinland“ (NVR) zuschießen — so steht es in dessen Investitionsprogramm.

„Wenn alle Räder ineinandergreifen, könnten wir 2020 mit dem Bau beginnen“, sagt Kai Mohnen, bei der Stadt zuständig für ÖPNV-Planung und Planer des Projekts.

Durch Bunker zur Kasinostraße

Aus Richtung Bahnhof kommend soll gleich hinter der Mauer eine breite Treppe von einer kleinen Fläche nach rechts abknicken und auf einen Platz hinter dem dort ansässigen städtischen Rechnungsprüfungsamt an der Kasinostraße führen. Dort wären, erzählt Mohnen, eine Velocity-Station denkbar, Kiss-and-Ride- sowie andere Kurzzeitparkplätze. Das sei in der Detailplanung später auszuarbeiten und von der Politik zu beschließen.

Der Weg auf die Kasinostraße soll Fußgänger wie Autos durch den Luftschutzbunker ein paar Häuser weiter führen — für Fußgänger ist bereits ein Durchgang vorhanden, für Autos müsste einer geschaffen werden. Parallel zur und gleich neben der Bahnstrecke soll ein Rad- und Fußweg weitergeführt werden, der von der Kamperstraße neben der Burtscheider Brücke an der Burtscheider Straße herauskommt. Der Weg soll von dort etwa bis Höhe Pfeilstraße führen — dort, wo sich derzeit eine Fußgängerunterführung befindet.

Diese Unterführung ist eine der Möglichkeiten, die Fußgängern jetzt zur Verfügung steht, wenn sie den Bahnhof erreichen wollen. „Wenn sie denn durch diese fiese Pinkelrinne gehen wollen. Ansonsten müssen sie über die Brücke oder einen Umweg zur Hackländerstraße gehen“, sagt Mohnen.

Fast alle nötigen Grundstücke befinden sich bereits im städtischen Besitz. Lediglich für zwei kleine Stücke, über die der Radweg führen soll, befinde man sich derzeit noch in Gesprächen, sagt Mohnen.

Aktuell befindet sich das Projekt wie gesagt in der Vorplanung, man sei mit sogenannter „Grundlagenermittlung“ beschäftigt, erklärt der Planer. Das Alter einiger Teile des Bahnhofs (das Hauptgebäude ist Baujahr 1905) habe neben der Recherche in Archiven der Bahn auch Nachvermessungen etwa zur genauen Lage von Gleisen und Mauern nötig gemacht.

„Die Vorplanung“, sagt Mohnen, „könnte bis Herbst abgeschlossen sein.“ Dann könne sie der Lokalpolitik vorgelegt werden, die ihrerseits einen Planungsbeschluss fasst. Anschließend geht es in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, mit der die Pläne detailliert ausgearbeitet werden, weitere Gutachten werden eingeholt (beispielsweise Lärmgutachten).

Wenn alles glattläuft: 2021

Mohnen rechnet mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. Wenn alles glattläuft, könnte 2021 der neue Südzugang zum Hauptbahnhof einsatzbereit sein. Das wäre der früheste Zeitpunkt. Allerdings kann bei der zum Teil komplizierten und langwierigen Abstimmung mit anderen städtischen Fachabteilungen (zum Beispiel Umweltamt, Verkehrsmanagement), der Bahn, AVV und NVR noch Zeit auf der Strecke bleiben. Wenn dann aber alles mal fertig ist, soll auch die „fiese Pinkelrinne“ dichtgemacht werden.

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