Aachen: Ein Museum lässt sich ganz prima auch ertasten

Aachen : Ein Museum lässt sich ganz prima auch ertasten

Alte Schriften, Rüstungen hinter Glas, eine große Karlsfigur, an der ein Schild hängt: „Bitte nicht berühren!“ Es klingt nach einem ganz normalen Museumsbesuch. Man schaut, man liest, man staunt. Doch wie können blinde und sehbehinderte Menschen Museen erleben, wenn diese oft dunkel, still und nicht zu ertasten sind? Anlässlich des bundesweiten Sehbehindertentages stellte der Museumsdienst Aachen ein neues Vermittlungsangebot im Centre Charlemagne vor.

Konzeptionell begleitet und beratend unterstützt wurden Pia vom Dorp, Leiterin des Museumsdienstes Aachen, und Prof. Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, von Bernd Neuefeind. Der zweite Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins der Städteregion Aachen betonte, dass es zwar schon Angebote für sehgeschädigte Museumsbesucher gebe, diese aber noch weiter ausgebaut werden müssten: „Das neue Angebot im Centre Charlemagne ist dabei ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung!“

Konkret bedeutet das, ausgewählte Exponate anfassen und ertasten zu können, mit Lupen alte Schriften besser lesbar zu machen und bei Bedarf mehr Licht zur Verfügung zu stellen. So ist es im Geschichtslabor des Centre Charlemagne möglich, verschiedene Gegenstände wie eine Ritterrüstung, ein Schwert oder mittelalterliche Kleidung zu ertasten.

„Wir möchten öffentliche Führungen für Blinde und Sehbehinderte in unser Standardprogramm aufnehmen, so dass diese regelmäßig stattfinden. Interessierte brauchen sich dafür nur bei uns, also beim Museumsdienst anmelden, damit wir anhand der Gruppengröße und der individuellen Anliegen der Besucher die Führungen gut und sinnvoll planen können“, erklärte vom Dorp.

Auch Interessierte, die keiner Sehbeeinträchtigung unterliegen, können auf Anfrage mit verbundenen Augen eine begleitete Führung als Akt der Selbsterfahrung mitmachen. „Es ist erstaunlich, wie viele Details durch das Ertasten von Gegenständen wahrgenommen werden, die man beim bloßen Betrachten nicht bewusst sieht“, verriet Uta Hellendoorn-Werths, Mitarbeiterin der Museumspädagogik im Centre Charlemagne.

Es dürfen zwar nach wie vor nicht alle Ausstellungsstücke angefasst werden, die Nachbildung weiterer Exponate sei aber ein nächster Schritt, der diskutiert werde, erklärte sie. Auch die Funktionen und Inhalte der Audioguides sollen in Zukunft weiter ausgebaut werden, damit das Angebot für Blinde und Sehbehinderte weiter wächst.

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