Aachen: Ein märchenhaftes Aachen-Szenario in Grautönen

Aachen : Ein märchenhaftes Aachen-Szenario in Grautönen

Wie selbstverständlich fangen die Bilderwelten der Ausstellung mit der Magnolie am Dom an. Magnetisch zieht die abstrakte Blüte die Blicke auf sich, um sie dann auf dann auf den mit Tusche und Ölfarbe erschaffenen Dom in seiner jahrhundertealten Pracht zu lenken.

Leicht erdige Nuancen im Gestein erinnern an das warme Gefühl von Heimat und Zuhause sein, und ein in Poesie geübter Blick von der Dombrücke auf den Münsterplatz schafft ein märchenhaftes Aachen-Szenario in Grautönen. Elena Starostina aus Moskau ist die Malerin der Altstadt-Poesie, die wie die anderen acht Künstler-Kollegen der Ausstellung in Aachen eine neue Heimat gefunden haben.

Nach der Hommage an Aachen öffnet sich der Blick in das große Foyer der Anwaltskanzlei am Rotter Bruch. Hier präsentieren sich alle neun Künstler bei der Ausstellung „Siebenpluszwei“ mit einigen Arbeiten, vor allem aber die beiden Bildhauer Alexander Göttmann, der aus Kasachstan stammt und der Rumäne George Pavel. Während Göttmann fantasievoll aufwändige Fabelwesen in den unterschiedlichsten Techniken, Materialien, Anmutungen und Größen herstellt, setzt Pavel auf die Schönheit der Abstraktion in Edelstahl und Bronze.

Für ihn erreicht Materie geistige Dimensionen im Dialog der Skulptur mit dem Raum. Entsprechend gleiten die Blicke durch das zum Kunstraum gewordene Foyer und erschließen allmählich die Gemälde und Fotografien, die die weißen Wände beleben. Ins Auge fallen zunächst die feurig-temperamentvollen Kunstfotografien des aus Rom stammenden Wahl-Aacheners Sandro Mugavero, der mit Farben und abstrahierten Formen die Gewalt an den Metallzäunen, die die Flüchtlinge zurückhalten sollten, zum Thema macht.

Olivia Janku, geboren in Bukarest, hingegen schafft Ruhe, Gelassenheit, Frieden. Sie malt das Meer und den Strand immer wieder neu, Blautöne, Grautöne, Sandfarben ziehen sich über die Wände. Die gebürtige Brasilianerin Vera Maria Genta-Renschhausen setzt auf die Kraft von Farbe, energetisch leuchtet ein rotes Gemäldes in den Raum und überstrahlt sogar die roten Sofas und Sessel.

Humoristisch angehaucht

Während Zitta Ring-Pavel mit ihrer Applikationsmalerei und byzantinischen Ikonentechnik deutlich an die Formen- und Symbolsprache ihrer rumänischen Herkunft erinnert, setzt Marjam König aus Afghanistan auf klares, modernes Schwarz-Weiß. Streng grafisch setzt sie sich mit Mensch und Natur auseinander und schafft äußerst durchdachte wie humoristisch angehauchte Werke, die sich erst auf den zweiten und dritten Blick erschließen.

Tatsuo Shoji schließlich ist ein japanischer Wissenschaftler in Aachen, der die „Essenz der Natur durch Wissenschaft und Kunst“ erforschen möchte. Er schafft rätselhafte kleine Skulpturen mit mobilen Elementen, die sich nicht nur mit dem Gesetz der Schwerkraft nach unten bewegen, sondern auch aufwärts.

Mit den Arbeiten im Foyer ist die Ausstellung keinesfalls abgeschlossen — sie setzt sich auf den langen Fluren im Obergeschoss der großen Kanzlei fort und lässt viel Gelegenheit, auch andere Arbeiten der Künstler kennenzulernen.

Die Anwälte Norbert Kanand und Matthias Rummler, die die internationale Ausstellung in ihrer Kanzlei betreuen, freuen sich über den kunstvollen Beitrag zur Integration von Menschen verschiedener Länder in Deutschland und wollen damit ein Zeichen gegen Nationalismus und Europafeindlichkeit setzen.

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