Aachen: Ein Luxushotel für das Minoritenviertel?

Aachen : Ein Luxushotel für das Minoritenviertel?

Noch vor etwa zehn Jahren führten die Verantwortlichen in Aachen, egal wo man sie antraf, intensive Klage über den Mangel an Hotels mit einer ordentlichen Bettenzahl in Aachen. Inzwischen könnte manch einem ein bisschen Bange werden, weil anscheinend an jeder Ecke der Stadt ein Hotel entstehen soll.

Das „Innside Melia“ an der Sandkaulstraße ist gerade fertig, der im Bau befindliche Komplex am Alten Tivoli (Hampton by Hilton) hatte sein Richtfest, geplant sind weitere Ableger großer Hotelketten am Kapuzinergraben (Motel One) und an der Borngasse (Hilton). Auch das Bauvorhaben „Blue Gate“ am Bahnhof plant mit einem Hotel, ebenso soll an der Eissporthalle ein neue Herberge entstehen.

Bald wird es womöglich einen weiteren Übernachtungsbetrieb in unmittelbarer Nähe zu Dom und Rathaus geben. Eine entsprechende Bauvoranfrage liegt auf dem Tisch der Verwaltung. Sie sieht einen Hotelbau an der Großkölnstraße unterhalb der Citykirche St. Nikolaus vor. Zweifellos ist das ehemalige Pfeiffer-Grundstück gegenüber der Drogeriekette, die ebenfalls ein Grundstück des ehemaligen Aachener Oberbekleidungs-Magnaten Pfeiffer bebaut hatte, ein attraktives Areal für luxuriöse Übernachtungsmöglichkeiten. Seit dem Jahr 1999, als die Röcke, Blusen und Kostüme des Pfeiffer-Damenhauses ausverkauft waren, hat sich dort nichts mehr in Sachen Stadtentwicklung getan.

Die Mitverursacher der jahrelangen Ödnis, die Düsseldorfer Modekette Peek & Cloppenburg als Eigentümer des Grundstücks, scheinen sich nach ihrer aktuellen Entscheidung, mit ihren Modeartikeln in das alte Wehmeyer-Haus an der Adalbertstraße zu gehen, nun von dem zentralen Grundstück an der Großköln­straße trennen zu wollen.

Offen formuliert

Es gebe, so hieß es im Umfeld des städtischen Planungsausschusses, einen auswärtigen Investor, der eine Bauvoranfrage gestellt habe. Zunächst war auch von Seiten der Verwaltung befürchtet worden, die politischen Entscheider hätten bei der erst kürzlich beschlossenen Aufstellung eines Bebauungsplans für das Minoritenviertel eine Hotelnutzung ausgeschlossen.

Doch Bürgermeister und Planungsfachmann Norbert Plum (SPD) stellte zum Thema fest: „Wir haben wegen der nicht guten Lage rund um die Großköln- und Minoritenstraße gerade die Anforderung so offen formuliert, dass neben dem eingeforderten Wohnen auch eine Hotelnutzung vorstellbar ist.“

Ähnlich äußerte sich für die Opposition auch der Grüne Michael Rau, der ebenso wie die regierende große Koalition letztes Jahr bereits ein Ende der Agonie in dem einst lebendigen Innenstadtbereich gefordert und den Bebauungsplan mit auf den Weg gebracht hat.

Für einen Erfolg ist entscheidend, ob sich das Projekt auch rechnet. Allerdings war nach Informationen der „Nachrichten“ die Bauvoranfrage mit ihren Höhenvorstellungen für einen Neubau über die denkbar möglichen Grenzen hinausgeschossen.

Das ist ein immer wiederkehrendes Kräftemessen zwischen renditeorientierten Bauherren und städtischen Planern, die für das Gesamtbild verantwortlich zeichnen. Bezahlen müsste der Investor auch den Umbau für die Hotelvorfahrt auf der Seilgrabenseite, die unmittelbar gegenüber dem Capitol-Kino liegen würde.

Tauziehen

So wird es weiterhin ein Tauziehen geben, da der anscheinend aufgerufene Preis für das Grundstück ein ganz dicker Brocken ist, wie ein Insider der Branche berichtet. Demnach müssten die künftigen Hotelbetreiber eine Bettenzahl anbieten, die auf keinen Fall unter die Marge von 120 Doppelzimmern fallen dürfe.

Das ist die magische Grenze für Aachens „Break Even Point“ bei Hotelketten, jenem Punkt, an dem voraussichtlich dem Betreiber keine Verluste mehr entstehen würden.

Zu massig darf das Ganze jedoch nicht werden, auch weil das komplette Nachbarviertel rund um die Antoniusstraße überplant und neu gebaut werden wird. Auch dort hat es nach ersten Entwurfszeichnungen für den Wohnungsneubau Vorbehalte wegen zu massiver und zu hoher Bauten gegeben.

Eine Art Luxus-Stadthotel mit einem feudalen Spa-Bereich jedoch könnte sich womöglich in unmittelbarer Nähe des Bäderbezirks rechnen — die heißen Quellen sprudeln ja direkt nebenan, quasi kostenfrei...

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