Aachen: Ein „Lebensraum zum Wohlfühlen”

Aachen: Ein „Lebensraum zum Wohlfühlen”

Wie das Leben im Alter trotz Demenz erfüllend sein kann, zeigt der Seniorenwohnsitz der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Morillenhang. Seit fünf Jahren wird hier ein engagiertes Demenzkonzept umgesetzt. Die Mitarbeiter haben das Konzept im Rahmen eines Aktionstages unter dem Motto „Lebensqualität trotz Demenz” noch einmal vorgestellt.

Rund 70 Prozent der 121 Bewohner sind leicht bis schwer dementiell erkrankt. 25 von ihnen wohnen im neuen Wohnbereich C. Mit diesem „Demenzreich” hat die AWO seit Mai 2006 ein Angebot zur Pflege und Betreuung demenzerkrankter Menschen geschaffen. „Hier bieten wir Menschen mit Demenz einen geschützten Lebensraum an, in dem sie sich wohlfühlen können”, erklärt Pflegedienstleiter Stefan Schreiber.

Hell eingerichtete Räume, eine familiäre Atmosphäre, eine feste Tagesstruktur und verschiedene Betreuungsangebote bieten Sicherheit und Orientierung. „Neben der Pflege steht die Betreuung im Vordergrund. Unser Ziel ist es, Misserfolge zu verringern. Dadurch werden Selbstwertgefühl und Wohlbefinden gesteigert”, betont Schreiber.

Statt Raumnummern gibt es Fotos von Marktplatz, Dom und Rathaus. „Bei Demenzerkrankten setzt das Kurzzeitgedächtnis aus, das Langzeitgedächtnis aber ist intakt”, beschreibt Einrichtungsleiterin Gaby Lang. Anhand von alten Fotos könnten sich die Bewohner so gut orientieren und ihr Zimmer finden.

„Ich freue mich, dass seit 2006 in allen unseren Einrichtungen die Kompetenz in Sachen Demenz-Erkrankungen deutlich verbessert werden konnte. Angesichts des demografischen Wandels, steigender Zahl von Erkrankungen und immer jünger werdender Patienten müssen wir vorbereitet sein”, sagt Karl Schultheis, Vorsitzender des AWO-Kreisverbands Aachen-Stadt.

Über die pflegerische Versorgung hinaus gibt es zahlreiche Betreuungs- und Unterhaltungsangebote. Mit einem speziellen Koordinationstraining, das Sportlehrerin Anke Schremmer einmal pro Woche anbietet, sollen etwa die Beweglichkeit erhalten und Stürze vermieden werden. „Hier ist Prävention besonders wichtig, denn ein Sturz kann schlimme Folgen haben, die die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen”, betont Lang.

Auch Logopädin Daniela Lynen gab Einblicke in ihr Kommunikationstraining mit den Senioren. Bei einem Rundgang durch den „Garten der Sinne” hörten die Besucher schließlich etwas über die Einbeziehung der demenzkranken Bewohner bei Bepflanzung und Gemüseanbau.