Aachen: Ein kleiner Karl tritt die Reise nach Dubai an

Aachen : Ein kleiner Karl tritt die Reise nach Dubai an

Einige der Karlemänner werden jetzt eine weite Reise antreten, die der wahre Frankenherrscher niemals absolviert hat, obwohl der bekanntlich einen erklecklichen Teil Kontinentaleuropas unter seine Knute gebracht hatte.

Zwei der 495 Kunststofffiguren werden nach Dubai und Oman ausgeliefert. Die Transportkosten für die rund sieben Kilogramm schweren und einen Meter großen Objekte dürften den Einstandspreis von 375 Euro noch einmal kräftig in die Höhe treiben. Doch der größte Teil der kleinen Karls dürfte im engeren Umfeld des historischen großen Karls bleiben.

Leicht zu stemmen: Prosper Brüderlin und Tochter Anne holten ihr Exemplar eigenhändig ab. Foto: Harald Krömer

Montag ging die Installation des Künstlers Ottmar Hörl zu Ende, Abschied auf dem Katschhof war angesagt. Die Kunstfiguren wurden von ihren Standorten abgehoben, zuvor wurden vier Schrauben, mit denen sie auf einer Holzplatte befestigt waren, gelöst. Einige Paten ließen es sich nicht nehmen, ihr durchnummeriertes und signiertes Exemplar aus wetterfestem und glasfaserverstärkten Kunststoff persönlich abzuholen und an den neuen Bestimmungsort zu bringen. Etwa Klaas Wolters, der gleich zwei Karlemänner erworben hat, für den Bürobedarf Weyers-Kaatzer, nur einen Steinwurf vom Dom entfernt: „Der rote kommt in den Laden, der goldene an die Fassade — mit Blick auf den Dom, damit er sieht, wo er ursprünglich hergekommen ist.“

Ein anderes Exemplar kommt in Sichtweite des Rathauses zu stehen, nämlich vor oder in der Karls-Apotheke Ecke Pontstraße/Markt. Inhaberin Gabriele Neumann: „Da wir nächstes Jahr 400 Jahre alt werden, brauchen wir einen Karl.“ Schließlich sei die älteste Pharmazie Aachens im Jahr 1615 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden, von da aus ist es ja auch nicht mehr ganz so weit zum Todesjahr Karls 814. In nächsten Jahr soll in der Apotheke ordentlich gefeiert werden, Karl wird einen Platz im Eingangsbereich bekommen, tagsüber vielleicht sogar draußen: „Ich hoffe nicht, dass die Stadt Schwierigkeiten machen wird.“

Ebenfalls ganz nah dran wird die rote Figur sein, die sich die Goldschmiedefamilie Brüderlin gesichert hat, auch hier direkt am Dom. Tochter Anne Common: „Wir freuen uns auf den kleinen Kerl. Er wird zuerst im Geschäft einen Platz bekommen und dann im Garten.“ Drei weitere werden im Schaufenster bei Sinn-Leffers an der Großkölnstraße landen, verrät Werner Schlösser, Geschäftsführer des „aachen tourist service“. Er ist ebenso zufrieden mit der Aktion wie Wolfgang Bolz und Saskia Giesen vom Märkte- und Aktionskreis City, die ihr reserviertes Exemplar für die Büroräume an der Theaterstraße abholen. Und Großbäcker Michael Nobis, als Selbstabholer einer goldenen Figur, wurde flapsig mit den Worten begrüßt: „Du müsstest eigentlich einen roten bekommen.“ Seine souveräne Antwort: „Politisch bin ich vollkommen offen.“

Dr. Jutta Bacher vom Presseamt war jedenfalls vom Erfolg der zweiwöchigen Aktion auf dem historischen Platz zwischen Dom und Rathaus ergriffen: „Ich freue mich, dass die Zustimmung so groß war. Es war immer was hier los.“ Und schon gebe es einen Plan der Fachhochschule, eine Bilddokumentation anzufertigen. Insgesamt seien rund 700 Figuren verkauft worden, eine wurde gestohlen.

Ats-Geschäftsführer Werner Schlösser verhehlt nicht, dass es auch sanfte Kritik am Wert der Aktion gegeben hat. Aber: Es sei immer gut, wenn über Kunst diskutiert werde. „Es hat keinem wehgetan, die Stadt kaum etwas gekostet und die Menschen haben Spaß gehabt. So falsch kann es also nicht gewesen sein.“ Doch nun müssen die Karlemänner weg: „Wir müssen den Platz bis Dienstagmittag besenrein verlassen. Dann kommt die Frau Bundeskanzlerin.“