Aachen: Ein „Kind”, das dem Ostviertel viel Spaß bringen soll

Aachen: Ein „Kind”, das dem Ostviertel viel Spaß bringen soll

Seit Montag haben es die drei Schulleiter Klaus Becker, Herbert Strohmayer und Manfred Paul schriftlich. Ihre drei Schulen Geschwister-Scholl-Gymnasium, Hugo-Junkers-Realschule und Hauptschule Aretzstraße gehen in einem Schulverband Aachen-Ost neuen und gesicherten Zeiten entgegen.

Ihre Unterschrift unter einem Kooperationsvertrag markiert zugleich offiziell das Ende einer erbitterten Debatte um die vierte Gesamtschule.

Nachkarten wollte bei der feierlichen Unterzeichnung im Rathaus niemand mehr. Es habe „einiges Geknirsche im Gebälk” gegeben, meinte Becker, nun aber sei nach monatelanger Vorarbeit „ein Kind” geboren worden, „das dem Ostviertel noch sehr viel Spaß bringen wird”. So sehen es auch Oberbürgermeister Marcel Philipp und der Kölner Regierungspräsident Hans Peter Lindlar, dessen Behörde maßgeblich am Zustandekommen der neuen Schulkooperation beteiligt war.

Von einem „versöhnlichen Abschluss” sprach Philipp, der damit auf den zurückliegenden schmerzhaften Streit zwischen Politik und Schulen anspielte. So hatte sich im Rat bereits eine breite politische Mehrheit für die Einrichtung einer vierten Gesamtschule im Aachener Osten ausgesprochen, ehe dann jedoch Köln signalisierte, dass es für das gewünschte Projekt kein grünes Licht geben könne.

Man hätte damals „die Kommunikation sicher besser gestalten können”, gestand Philipp am Montag zu. Wichtig sei nun jedoch, dass all die Punkte zusammengeführt würden, „die eigentlich alle von Anfang an wollten”.

Und das heißt: Die drei weiterführenden Schulen wollen künftig ganz eng zusammenrücken, ihren Schülern den Weg zur jeweils passenden Schulform mit dem gewünschten Abschluss ebnen, das Fachangebot aufeinander abstimmen und - soweit möglich - sogar einen Lehreraustausch ermöglichen. Integration, individuelle Förderung und Durchlässigkeit sind Stichworte, die ganz groß geschrieben werden sollen.

Modell für andere Städte

Philipp und Lindlar sprachen von einem Modellprojekt auch für andere Regionen mit ähnlichen Problemen. Trotz zurückgehender Schülerzahlen soll ein ausgedünntes Schulangebot in einzelnen Stadtvierteln möglichst verhindert werden. „Dieser Vertrag wird nicht ohne Folgen bleiben”, ist Lindlar überzeugt - weder für die jungen Leute in Aachen-Ost, noch für die Schulen in anderen Großstädten.

Der Regierungspräsident hob insbesondere die programmatischen Leitgedanken hervor, die dem Kooperationsvertrag vorangestellt sind: „Wir im Viertel - Wir schaffen Durchlässigkeit - Wir schaffen Perspektiven”. Dies zeige, dass der Vertrag von einem „positiven Selbstbewusstsein” getragen werde.

In den jeweiligen Schulkonferenzen hatten Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler bereits ihre Zustimmung zu dem Vertragswerk gegeben. Von einem „optimalen Weg”, die Schüler im Aachener Osten zu fördern, sprach am Montag Herbert Strohmayer. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile”, schwärmte Manfred Paul. So könne seine Hauptschule insbesondere Kompetenzen zur Berufsorientierung und zum Spracherwerb beisteuern. Klaus Becker zeigte sich zuversichtlich, künftig deutlich mehr Schüler von Real- und Hauptschule an seinem Gymnasium integrieren zu können.

Von den beiden „Paten” Stadt und Bezirksregierung erhofft er sich „viele Geschenke” zum Geburtstag der Schulkooperation. Ein erstes hat er bereits erhalten: Die drei Schulen sollen „langfristig” und „in Ruhe” arbeiten können, sagte OB Philipp. Mindestens für die nächsten fünf Jahre gilt eine Bestandsgarantie für alle drei Schulen.

Dass angesichts solcher Zusagen der Bestand anderer Schulen gefährdet sein könnte, mochte sich am Montag niemand vorstellen.

Am Anmeldeverfahren wird sich laut Kooperationsvertrag zunächst nichts ändern: Die Eltern melden ihre Kinder an den Einzelschulen an, werden aber später zu gemeinsamen Informationsveranstaltungen eingeladen.