Aachen: Ein Juweliergeschäft, das alle zehn Jahre überfallen wird

Aachen : Ein Juweliergeschäft, das alle zehn Jahre überfallen wird

Auch Täter mit dem Spezialgebiet, Juweliergeschäfte auszurauben, werden anscheinend immer jünger. So begann am Mittwoch vor der 2. Großen Jugendkammer des Aachener Landgerichts der Prozess wegen eines Überfalls auf ein Juweliergeschäft am Büchel.

Wegen der Tat am Morgen des 25. Juli 2017 müssen sich vor der Kammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme zwei 17-Jährige und ein 19-Jähriger verantworten, der Vorwurf lautet auf schweren Raub und Körperverletzung. Altersmäßig aus dem Rahmen in der vierköpfigen Tätergruppe fällt ein 62-Jähriger, der wie seine mutmaßlichen Mittäter zur Tatzeit in Litauern wohnhaft war.

Bei dem Überfall im Juli 2017 standen plötzlich vier unmaskierte Männer in dem Geschäft, sie erbeuteten bei dem Raubzug elf teure Edel-Uhren im Wert von rund 330.000 Euro, dazu einen Goldring. Die Mitarbeiterinnen des Juweliers hatten die ersten beiden der Gruppe für normale Kunden gehalten und sie hereingelassen. Der zweite der beiden Männer, so trug es am Mittwoch Staatsanwalt Jan Balthasar in der Anklageschrift vor, steckte ein Handtuch in den Spalt der geöffneten Eingangstür. Das ermöglichte, dass unmittelbar danach zwei weitere Täter hineinschlüpfen konnten. Dann nahm der Überfall seinen Lauf, die Täter setzten Reizgas ein, rangen eine Angestellte nieder und sperrten eine weitere in den Keller.

Als erster der vier Angeklagten gestand Mittwoch der 17-jährige Edgaras J. die Tat, das Geständnis ließ er über seinen Anwalt Thomas Polhammer verlesen. Demnach ist J. in der zweiten Gruppe „als Dritter oder Vierter“ in das Geschäft gekommen. Dabei habe er eine der Angestellten mit Reizgas besprüht und zur Seite gestoßen, damit er in die Auslagen greifen konnte. Aus einer der Vitrinen habe er die Uhren an sich genommen.

In der Einlassung, die der Angeklagte nach ihrer Verlesung auf Nachfrage von Richterin Böhme ausdrücklich bestätigte, schilderte J., man sei in seinem Heimatland in einer Diskothek „angeworben“ worden. Bis zuletzt sei den jungen Litauern nicht klar gewesen, dass es sich bei dem Auftrag um einen ausgewachsenen Raubüberfall handeln würde.

Dazu passt, dass die Beute nach Angaben von J. im Parkhaus Büchel an einen weiteren Unbekannten übergeben wurde. Anschließend flüchteten alle vier in verschiedene Himmelsrichtungen, die jungen Täter wurde später in Litauen verhaftetet und dann nach Deutschland ausgeliefert.

Festnahme auch in Bayreuth

Der Ältere in dem Quartett wurde etwas später in Bayreuth wegen des Verdachts auf ein weiteres Raubdelikt festgenommen. Auf seine Einlassung darf man gespannt sein, da er vermutlich mehr über die Zusammenhänge der aus Litauen nach Aachen geschickten Räuberbande berichten kann. Zum Verhängnis wurden den Tätern übrigens Bilder der Überwachungskameras in dem Juwelierladen sowie DNA-Spuren.

Für den Juwelier, der selbst nicht zugegen war, war es beileibe nicht das erste Mal, dass sein Geschäft überfallen wird. In einer gewissen Regelmäßigkeit von zehn Jahren suchen Räuber sein Ladenlokal heim. So musste er selbst ins Krankenhaus, als an einem Samstag Anfang Juni 2008 maskierte Männer in sein Geschäft, das sich damals noch am Dahmengraben befand, stürmten und Schmuck, Uhren und Wertgegenstände „im hohen sechsstelligen Bereich“, mitnahmen, wie es damals in der Presse hieß. Damals schon sagte der gezeichnete Inhaber lakonisch: „Ich habe das jetzt schon drei Mal mitmachen müssen!“

Bereits zehn Jahre zuvor, im Jahr 1998, hatten Bewaffnete das Personal gezwungen, den Tresor zu öffnen. Die Beute an Geld und Schmuck betrug laut Berichten unserer Zeitung rund 450.000 Euro.

Der Prozess wird am 14. Juni ab 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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