Aachen: Ein Jahr nach Fukushima: Kampf gegen das Vergessen

Aachen: Ein Jahr nach Fukushima: Kampf gegen das Vergessen

Es war der größte anzunehmende Unfall: Nach einem verheerenden Erdbeben kam es im japanischen Kernkraftwerk „Fukushima I” zur Kernschmelze in gleich drei Reaktoren. Radioaktives Material wurde in großen Mengen frei, die gesamte Gegend wurde verseucht und wird auf nicht absehbare Zeit unbewohnbar sein, Menschen mussten ihr zu Hause im Zuge der großflächigen Evakuierung hinter sich lassen.

Ein Jahr ist das jetzt her. Vor Ort kann von Normalität noch längst keine Rede sein - in Aachen schon eher. Denn im täglichen Gedächtnis scheint die Katastrophe nur noch bei wenigen Aachenern zu sein. Der morgige Sonntag macht da eine Ausnahme.

Denn weltweit wird am ersten Jahrestag der Katastrophe öffentlich den Opfern gedacht. Auch in Aachen: das „Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen” veranstaltet um 10.30 Uhr eine Mahnwache am Elisenbrunnen. Hier wird der Japaner Tomoyuki Takada aus erster Hand von der Situation vor Ort sprechen. Der Pathologe Alfred Böcking wird über die gesundheitlichen Schäden berichten, die auf die Bewohner des Katastrophengebiets wegen der radioaktiven Strahlung zukommen. Claus Mayr, Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland in Brüssel, wird den Stand der europäischen Energiepolitik ein Jahr nach Fukushima aufzeigen und die Forderungen der Umweltverbände nennen.

„Rolle rückwärts”

In diesem Zusammenhang wird auch der „Solarenergie-Förderverein Deutschland” einen Redebeitrag beisteuern - immerhin plant die Bundesregierung drastische Kürzungen in der Subventionierung erneuerbarer Energien. „Das wäre eine Rolle rückwärts für Deutschland”, stellt Jörg Schellenberg vom Aktionsbündnis gegen Atomenergie fest.

Zudem ist von den Organisatoren eine Menschenkette um die Filiale eines großen Kreditinstituts am Friedrich-Wilhelm-Platz vorgesehen. Das Finanzunternehmen - so sehen es die Atom-Gegner - „versorgt die Atomwirtschaft mit Geld wie keine zweite Bank in Deutschland.”

„Atom-Energie ist ein schmutziges Geschäft. Vielleicht können wir mit der Aktion bei den Verantwortlichen ein Umdenken bewirken”, so Schellenberg. Im Anschluss fahren einige Demonstranten mit Reisebussen nach Brüssel, um sich an der dortigen Großdemonstration zu beteiligen.

Von der Mahnwache erhoffen sich die Veranstalter, damit das öffentliche Bewusstsein bezüglich der Katastrophe in Fukushima und der Kernenergie im Allgemeinen wieder zu schärfen. Denn ein „Super-GAU” wie vor einem Jahr in Fukushima „darf sich niemals wiederholen”. Mit dieser Meinung dürfte Jörg Schellenberg nicht alleine sein.

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