Aachen: Ein Hoffnungsschiff segelt durch die „Nacht der offenen Kirchen“

Aachen : Ein Hoffnungsschiff segelt durch die „Nacht der offenen Kirchen“

Parallel zum Glockengeläut des Aachener Doms um 20 Uhr öffnen sich an diesem Freitagabend die Türen zur Kirche St. Foillan. Dass hier etwas Besonderes stattfinden muss, lassen die langen Warteschlangen vorm Eingang schon seit mindestens 20 Minuten erahnen.

Das Interesse an der diesjährigen Installation zur Nacht der offenen Kirchen ist riesig. Jahr für Jahr ziehen hier die Kunstprojekte die Blicke der Besucher auf sich. Diesmal hat die Zeitfenster-Gemeinde von Franziska von Aachen aus Kartons einen „Hoffnungsträger“ gebaut:

Ein großes Schiff ist aus den Hoffnungen der Aachener — sowohl von Ur-Öchern wie auch von Neu-Einwohnern — entstanden. Begriffe von „A“ wie Arbeit bis „Z“ wie Zuhause sind auf den Pappkartons zu lesen, es geht um wichtige Themen wie Gesundheit, Partnerschaft und Glauben.

Hoffnungen teilen

Zahlreich drängen sich die Besucher vor dem Hoffnungsschiff, sorgfältig werden die vielen verschiedenen Sehnsüchte studiert. Und auch die Gäste selbst können in dieser Nacht aktiv werden und ihre Hoffnungen per SMS, Twitter oder E-Mail teilen. Diese zusätzlichen Gedanken werden dann mittels Beamer in den „Kirchenhimmel“ von St. Foillan projiziert.

Dieser interaktive Charakter kommt gut an, ebenso wie die Mini-Pappkartons zum Selberbasteln, die als bleibende Erinnerung an die Besucher verteilt wurden. Auch bei einem zweiten Besuch am späten Abend zeigt sich immer noch großes Interesse. Der Strom der Besucher reißt bis zwei Uhr nachts nicht ab. Und so kann die Zeitfenster-Gemeinde mit ihrer Kunstinstallation einen großen Erfolg verbuchen.

Pfiffige Ideen

Auch in der altehrwürdigen Pilgerkirche St. Jakob zeigt man sich unter dem Motto „Heilige Nacht“ mehr als modern: Heiligen-Selfies kann man hier machen. Und Jung und Alt machen regen Gebrauch von dem witzigen Angebot in der Seitenkapelle. Pastoralassistent Tobias Kölling selbst steht hier hinter der Kamera, rückt alle Teilnehmer samt Heiligenschein ins rechte Licht. Pfarrer Andreas Mauritz freut sich, dass solch pfiffige Ideen ankommen und in der „vorgezogenen Heiligen Nacht“ auch einmal neue Leute in sein Gotteshaus locken.

Vielfach präsentiert sich Kirche an diesem Abend ganz zwanglos. In der Frei-Evangelischen Christlichen Gemeinde an der Michaelsbergstraße in Burtscheid etwa lädt man zum Spieleabend ein. Es gibt Cocktails und die Gelegenheit sich auszutauschen und kennenzulernen. Das zieht auch viele Jüngere an. Die älteren Besucher der Kirchennacht schätzen das hochkarätige Konzertprogramm. In der Citykirche St. Nikolaus ist schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Programmbeginn mit dem Chor „Carmina Mundi“ der Andrang so groß, dass kaum mehr ein Sitzplatz frei ist.

Zwischenstopp in der „ansprechBar“ von Pfarrer Hans-Georg Schornstein an der Bendel-straße 35. Der erfahrene Kirchenmann hat hier ein ansprechendes interreligiöses Beratungs- und Informationsangebot etabliert. Geht es hier sonst um tiefsinnige Gespräche, ist Schornstein zur Nacht der offenen Kirchen erste Anlaufstelle für Informationen zum Programm in der Innenstadt — oder für eine kurze Verschnaufpause bei einer Tasse Tee und Keksen.

Herzhaft lachen

In der Evangelischen Annakirche darf währenddessen herzhaft gelacht werden: Kabarettist Wolfram Behmenburg von „Klüngelbeutel“ steht hier solo und im pinken Hemd am Altar. Mit treffsicheren Pointen und Liedern sorgt er Jahr für Jahr für ein volles Gotteshaus. Auch bei den Griechisch-Orthodoxen ist etwas los. Zum ökumenischen Nachtgebet in St. Michael/Hagios Dimitrios versammeln sich gegen 22 Uhr Gläubige aller Konfessionen.

Das Sonderangebot der Aseag wird an diesem Abend gut genutzt, viele Besucher nehmen die Busse vor allem, um in den Außenbezirken von Kirche zu Kirche zu gelangen. Von der vorgezogenen „Geisterstunde“ für Kinder in Heilig Geist am frühen Nachmittag bis hin zum Segen zur Nacht um Mitternacht gibt es in den 34 teilnehmenden Kirchen insgesamt mehr als 120 Stunden spannendes Programm, das bei Jung und Alt Lust geweckt hat auf eine moderne, weltoffene Kirche.