Aachen: Ein funktionierender Haufen von positiv „Verrückten”

Aachen: Ein funktionierender Haufen von positiv „Verrückten”

„Eigentlich sind wir ein ganz langweiliger Verein”, sagt Christof Klinkenberg. Langweilig? Nein! Das schelmische Grinsen stempelt die Worte ganz schnell als plumpe Lüge ab.

Der DLC (Deutsche Leichtathletik Club) Aachen ist alles andere als langweilig. „Wir sind ein Haufen Verrückter”, wird der Vereinsvorsitzende Klinkenberg konkreter.

Der klassischen Leichtathletik hat der Verein längst den Rücken zugekehrt, die meisten DLCler sind Triathleten oder Langstreckenläufer, flitzen Marathondistanzen, 50 oder 100 Kilometer, sechs, zwölf oder auch 24 Stunden über den Asphalt.

Das Geschichtsbuch des DLC Aachen öffnet sich 1932, gegründet als klassischer Leichtathletikverein. „Damals waren die Ausdauerdistanzen ja noch vollkommen unbekannt”, erinnert Klinkenberg.

Triathlon ist längst etabliert

Mit dem ersten Laufboom Mitte der 70er entdeckten die DLCler die Ausdauerschiene. 1986 wurde dann eine Triathlonabteilung gegründet - die zweite in Deutschland überhaupt. „Das war da noch völlig verrückt”, sagt Klinkenberg, der selbst über den Triathlon zum DLC stieß.

Heute ist Triathlon natürlich etabliert, ein Trend wie der Ausdauerlaufsport. Wie sehr beide im Trend liegen, spüren die 230 Mitglieder des DLC immer dann, wenn sie die Seiten wechseln.

Zehn Veranstaltungen werden pro Jahr organisiert, Laufserien im Waldstadion, ein Abendsport fest, der Euroman-Triathlon in Hückelhoven, und, und, und.

Ja, und natürlich der Sylvesterlauf. Seit 1995 liegt die Organisation in den Händen des DLC. Geht es um Stellenwert und Erfolg des Wettbewerbs gibt sich Klinkenberg bescheiden, sagt bloß: „Wer den einmal erlebt hat, kommt wieder. Es ist total klasse.”

Und damit dies so ist, werden fast 70 DLCler zum Jahreswechsel mobilisiert. Alle ziehen an einem Strang. „Dabei sind Ausdauersportler normalerweise Individualisten. In unserem Verein gibt es aber eine gesunde Inhomogenität”, lächelt Klinkenberg. Der Zusammenhalt ist groß. „Sonst könnten wir keine Veranstaltungen ausrichten”, weiß auch Claudia Wisser.

Der Verein funktioniert, und wenns läuft, kommen auch sportliche Aha-Erlebnisse: Die Frauenmannschaft hat die 100-Kilometer-Distanz mehrfach mit Meisterehren überbrückt, die Männermannschaft belegte etliche vordere Plätze bei Marathonwettbewerben, das Triathlonteam tritt seit 1990 in den Bundesligen an.

Einzelstreiter Holger Spiegel wurde Ultraman mit Streckenrekord, und dann wäre da ja auch noch Walter Rennschuh. Ein Leichtathletik-Veteran mit einer unglaublichen Vita: Die 80 Lebensjahre überschritten wurde Rennschuh x-maliger Senioren-Weltmeister, zeigt noch so manchem „70-Jahre-Jungspund” die Hacken. „Ein Phänomen”, weiß auch Christof Klinkenberg.

Zum großen Glück fehlt dem DLC Aachen aber noch eine wichtige Kleinigkeit: ein Vereinsheim. Bislang freuten sich die Aachener Gastwirte auf die Zusammentreffen der Athleten. Eine Aufgabe für die Zukunft etwas Entsprechendes zu finden.

Doch Klinkenberg macht sich noch weitere Gedanken über die Zukunft: Die Kinder- und Jugendarbeit soll intensiviert werden, neue Sportarten wie Skating oder Mountain-Bike könnten erschlossen werden. Bis dahin gilt die Konzentration dem Sylvesterlauf.



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