Aachen: Ein einzigartiger Einblick in die Stadtgeschichte

Aachen: Ein einzigartiger Einblick in die Stadtgeschichte

Das Warten hat sich gelohnt: Die Archäologische Vitrine im Elisengarten, die am Donnerstag offiziell eröffnet wurde, ist eine echte Bereicherung für die westlichste Großstadt Deutschlands, die meist in einem Atemzug mit Karl dem Großen genannt wird.

Dass Aachen viel älter ist und schon in der jüngeren Steinzeit besiedelt war, wird in dem 160 Quadratmeter großen, ovalen Edelstahlpavillon anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Zentrales Element ist die von Glas umhüllte, 60 Quadratmeter große Grabungsstelle, die einen aufschlussreichen Einblick in 5000 Jahre Siedlungsgeschichte gewährt — ein guter Einstieg für alle Stadtführungen, aber auch viel Wissens- und Anschauenswertes für Alteingesessene.

Beim ersten Spatenstich wurde noch eine Fertigstellung im November letzten Jahres avisiert. Dass es länger gedauert hat, ist dem harten Winter und den besonderen Umständen geschuldet. So ist es schwierig, 34 Rohrpfähle im Untergrund zu platzieren, ohne die historischen Funde zu gefährden, erläuterte Architekt Gerhard Wittfeld (kadawittfeldarchitektur). Und eine der beteiligten Firma ging in die Insolvenz, auch das sorgte für Verzögerung. Doch man wollte das einzigartige Projekt sorgfältig und vernünftig zu Ende bringen, erläuterten die Verantwortlichen, und das ist nach Ansicht der mehreren 100 Interessenten, die die Eröffnung verfolgten, zweifellos gelungen. Lob für die Archäologische Vitrine, die eine Station der Route Charlemagne ist, kam von allen Seiten, von Leuchtturm, Perle und Pluspunkt, der weit über Aachen hinausstrahlt, war die Rede.

OB Marcel Philipp konnte es sich nicht verkneifen, notorische Zweifler darauf hinzuweisen, dass man mit 850 000 Euro unter dem Kostenlimit von 861.000 Euro geblieben sei, ein Beitrag zur Diskussion, dass alles teurer wird in Aachen: „Das ist nicht so, auch bei anderen Baustellen nicht.“ Der größte Teil des Geldes kommt von Bund und Land, den städtischen Anteil in Höhe von 175.000 Euro übernahm die Firma DSA (Daten- und Systemtechnik), die mit 150 Mitarbeitern zur Eröffnung gekommen war. Für den eigentlichen Bau seien der Stadt also keine Kosten entstanden, jetzt werde man dafür sorgen, dass die Vitrine ordentlich und gut nutzbar bleibe. Philipp: „Jede Einweihung ist eine Baustelle weniger.“

Petra Tutlies vom Landschaftsverband erinnerte an das Rieseninteresse, das die Aachener schon an den Ausgrabungen 2008 und 2009 gezeigt hatten, Stadtarchäologe Andreas Schaub dankte den vielen Ehrenamtlern, die damals und auch in den letzten Wochen im Elisengarten mitgeholfen hatten, die zugeschütteten Relikte wieder freizulegen: „Ich war mir nicht so sicher, ob sie das so gut überstehen.“ Und Dr. Eckhard Schulz, Geschäftsführer der DSA, zitierte die letzte Strophe von Schillers Lied von der Glocke: „Ich hoffe, dass die Stadt an dem, was hier geschaffen wurde, Freude hat.“

Größere Ansiedlung

Freude sicher auch über die Vielzahl von spannenden Auskünften über die Vorfahren, die der Blick in die Geschichte der Stadt ermöglicht. Zwar hat man schon gewusst, dass im Elisengarten Hunderte von Feuersteinsplittern gefunden wurden, das dort im 4. Jahrtausend vor Christi Geburt ein Schlagplatz existierte und Steingeräte hergestellt wurden. Oder dass das römische Aachen mit einer Ausdehnung von 20 bis 30 Hektar eine der größeren Ansiedlungen dieser Zeit gewesen ist und ein Gebäude in der Nachbarschaft der Heilthermen am Büchel aufgrund des typischen Grundrisses eine Herberge gewesen sein muss. Man wusste es, jetzt kann man es sehen.

Und lesen. Auf der Erklärtafeln auf der Glasscheibe in Deutsch und Englisch, an der Info-Säule auch in Niederländisch und Französisch. Da passt es ins Bild, dass der Elisengarten beim Wettbewerb Deutscher Landschaftsarchitektur eine Würdigung erhalten hat. Der von dem Berliner Büro Lützow 7 ehemalige geplante ehemalige Klostergarten sei modern, elegant und urban umgestaltet worden.