Aachen: Ein buntes Zeichen der Gemeinsamkeit gesetzt

Aachen: Ein buntes Zeichen der Gemeinsamkeit gesetzt

Der 9. November ist der wohl geschichtsträchtigste Tag der Deutschen. Dem Fall der Mauer, der sich zum 20. Mal jährte, wurde gedacht, außerdem der Reichspogromnacht, die 51 Jahre vor dem Mauerfall den Beginn der Judenverfolgung markierte.

Weit weniger Menschen ist jedoch der T4-Erlass bekannt. An diesen erinnerten die Lebenshilfe, der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM) sowie VIA Integration am Montag in der Innenstadt. Und setzten ein Zeichen gegen das Vergessen. Denn der Tag, an dem Adolf Hitler das Euthanasieprogramm „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” erließ, liegt 70 Jahre zurück.

Der Name des Erlasses leitet sich ab von der Postadresse, an der er gefasst wurde - der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Das hört sich harmlos an. Zugrunde lag ihm jedoch die menschenverachtende Ökonomie der Nationalsozialisten: Menschen mit Behinderung waren „lebensunwert” und gehörten aus Gründen der „Rassenhygiene” sowie aus „kriegswirtschaftlichen Erwägungen” umgebracht.

Abgeholt wurden die für die „Aktion Gnadentod” Ausgewählten damals meist von grauen Bussen. Einen solchen stellten am Montag die Initiatoren der Gedenkaktion nach. Seine graue Oberfläche jedoch wird geschmückt von bunten Handabdrücken. Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung haben sie hinterlassen. Zu unterscheiden sind sie nicht - ein Zeichen der Gemeinsamkeit, bunt auf grau. „So etwas wie damals darf nie mehr passieren”, forderte Bernd Wolter, der beim VKM dem Heimbeirat vorsteht.

Auch Marcel Philipp hinterließ seinen Handabdruck auf dem Bus. „Mit einem einfachen Briefbogen Hitlers hat ein ganz dunkles Kapitel unserer Geschichte begonnen”, macht der Oberbürgermeister darauf aufmerksam, mit welch grauenhafter Effizienz die Nationalsozialisten Bürokratie und Mordmaschinerie zu vereinen wussten.