Aachen: Ein bekannter Ur-Öcher tritt von der Geschäftsbühne ab

Aachen: Ein bekannter Ur-Öcher tritt von der Geschäftsbühne ab

An der Wand prangt ein imposantes Riesenposter des amerikanischen Jetset-Fotografen Peter Beard, vereinzelte Hosen und Hemden hängen noch an fahrbaren Kleiderständern — das Ende naht, der Countdown läuft: Nach fast 30 Jahren schließt Robert Moonen sein gleichnamiges Modegeschäft an der Peterstraße.

Nicht am 30. September, wie ursprünglich geplant, sondern schon einige Tage früher: „Vom 20. bis zum 24. September ist jeder herzlich willkommen, der sich persönlich verabschieden will.“

Dem stadtbekannten Tausendsassa fällt der Abschied nicht ganz so schwer, wie man nach einer so langen Zeit vermuten könnte: „Wenn ich einmal mit einer Sache abgeschlossen habe, dann ist sie für mich abgehakt“, sagt der viel jünger wirkende 70-Jährige.

Seine Entscheidung, von der öffentlichen Geschäftsbühne abzutreten, fiel bereits vor mehr als einem Jahr. „Der aktuelle Mietvertrag läuft aus, ich hätte mich langfristig binden müssen. Und meine Toplieferanten kamen mit Bedingungen, die mich auch noch mal viel Geld gekostet hätten“, erklärt der Ur-Öcher, der aber auch gesteht, dass ihm zum endgültigen Datum der Geschäftsaufgabe hin doch das Herz etwas schwerer wird.

Sein großzügiger, schicker Laden ist auch immer eine Art Treffpunkt in der Stadt gewesen, ein Stückchen Aachen. „Wenn ich zusammenrechne, wie viele Jahre mein Personal bei mir hier im Unternehmen gearbeitet hat, dann komme ich auf 150. Wir werden uns auch weiterhin verbunden bleiben“, betont er.

Robert Moonen hat sich nicht nur als kompetenter Geschäftsmann einen guten Namen gemacht, er ist auch ein Fußball- und Musikkenner, ein charmanter Moderator und ein absoluter Alemannia-Insider. Seit fast 44 Jahren leiht er den Schwarzgelben als Stadionsprecher seine Stimme und seit zwei Jahren engagiert er sich auch im Verwaltungsrat des Viertligisten.

„Künftig muss ich keine Rücksicht mehr auf das Geschäft nehmen und werde mir dann auch Auswärtsspiele anschauen können“, blickt die echte Alemannia-Seele nach vorne.

Beruflich will der Antialkoholiker und Nichtraucher sich noch nicht zur Ruhe setzen. „Das ist jetzt sicherlich ein Einschnitt, aber kein Abschluss“, sagt er. Gerne würde er Erfahrungen und vor allem Wissen samt seinem breit gefächerten Netzwerk im Einzelhandel weitergeben. Wichtig sei, gut geführten Einzelhandel und E-Commerce, sprich Online-Handel, optimal zu verschmelzen und an den Kunden zu bringen.

Hier würden mutige Geschäftsleute oft im Stich gelassen, mangele es an Betreuung und Informationsweitergabe. „An der Schnittstelle zwischen Handel, Immobiliengeschäft und Kommune könnte ich mir gut eine Beratertätigkeit vorstellen“, sinniert der Noch-Händler.

Ob in seinem „zweiten Zuhause“ die erfolgreiche Geschichte seines Modegeschäfts weitergeschrieben wird, ist offen. „Es wäre schön, wenn es jemand übernimmt. Sonst würde tatsächlich eine kleine Einzelhandelsgeschichte unwiderruflich zu Ende gehen.“ Jedoch gebe es aktuell einen Interessenten, das sei aber jetzt Sache des Vermieters.

Das überdimensionale Reprofoto des Künstlers Peter Beard steht in seinem Geschäft noch zum Verkauf an, die zweibändige in Buchform gepresste Werkschau will er behalten, vor allem auch wegen der einzigartigen Bilder von Mick und Bianca Jagger.

Und da Robert Moonen jetzt mehr Zeit für Ausflüge hat, wird er nicht nur zu Auswärtsspielen seiner Alemannia fahren: Sicherlich wird er sich auch noch mal die Rolling Stones anschauen, sofern sie denn irgendwann noch mal irgendwo auftreten.

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