Aachen: Ein Astronaut mitten im Aachener Dressurstadion

Aachen : Ein Astronaut mitten im Aachener Dressurstadion

Schon von weitem ist Gemurmel und Gelächter zu hören. Obwohl die Vorstellung erst in einer dreiviertel Stunde beginnt, ist die Tribüne im Dressurstadion an der Albert-Servais-Allee bereits sehr gut gefüllt. „Die Leute lieben dieses Open-Air-Feeling“, sagt Weert Zell, Präsident des Rotary Clubs Aachen-Nordkreis.

Das können Karla Palmen, Nina Breuer und Theresa Wagels nur bestätigen. Sie sind aus Baesweiler angereist, und das vor allem auch deshalb, um den Film „Wunder“ zu sehen. „Als er im Kino lief, haben wir ihn verpasst“, erzählt Karla. Und da die drei noch nie in einer Open-Air-Vorstellung waren, haben sie keinen Moment gezögert, ins Stadion zu kommen. „Und das ist hier wirklich schön gemacht“, sagt Karla noch.

Karla Palmen, Nina Breuer und Theresa Wagels (v. l.) haben zum ersten Mal ein Kino unter freiem Himmel aufgesucht — und waren ziemlich begeistert. Foto: Andreas Herrmann

Die Leinwand unten im Stadion ist gigantisch. Sie ist 18 mal 8 Meter groß und aufblasbar. Mit verschiedenen Seilen ist sie so befestigt, dass sie auch dem Wind standhält. „Das aber nur bis zu einem gewissen Grad“, erklärt Kino-Magnat Leo Stürtz. „Einen Sturm würde sie nicht überstehen“, meint er. Bleibt also zu hoffen, dass sich das Wetter in den nächsten Tagen gnädig zeigt. Insgesamt zehn Vorstellungen haben die Rotarier geplant.

Die Besucher des Open-Air-Kinos auf dem CHIO-Gelände versorgten sich vor Filmbeginn noch mit Popcorn, Softdrinks und Nachos. Foto: Andreas Herrmann

Mit dieser Benefizaktion wollen sie verschiedene soziale Einrichtungen unterstützen. Rund 20 000 Euro sind so im vergangenen Jahr zusammengekommen. Doch noch ist die Leinwand dunkel. Der Himmel verfärbt sich allmählich zu einem Gemisch aus Rosa und Blau, aber es ist noch immer hell.

Die Schlange vor dem Popcornstand wird derweil immer länger. „Das macht gar nichts“, sagt Leo Stürtz. Sein Team arbeitet die Bestellungen nach und nach ab. „Wir haben ja viel Vorlaufzeit hier“, ergänzt Stürtz. Zwar sei die goldene Faustregel von 1,5 Meter Theke pro 100 Besucher hier nicht zu schaffen, dafür hätten die Angestellten aber viel mehr Zeit, um die Gäste zu versorgen als in einem herkömmlichen Kino. Stürtz hatte in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun, um dieses Event auf die Beine zu stellen. Die Riesenleinwand wurde aus Münster angeliefert und schon am Mittwoch aufgebaut, um sicher zu sein, dass am Tag der ersten Vorstellung dann alles reibungslos funktioniert.

600 Besucher

Auch Tino Schlosser und seine Begleitung sitzen an diesem Abend zum ersten Mal in einem Open-Air-Kino. Die Wahl des Filmes war dabei eher nebensächlich. „Wir haben eher darauf geguckt, wann es zeitlich passt und nicht so sehr darauf, welcher Film uns am besten gefällt“, sagt er. Wie alle anderen auch, hat er gleich am Eingang ein rotes Sitzkissen bekommen. „Unsere Gäste sollen es ja bequem haben“, kommentiert Weert Zell.

Karla Palmen und ihre Freundinnen zweifeln inzwischen, ob sie richtig ausgestattet sind. „Wir haben schon Leute mit Decken gesehen“, sagt Karla und kramt in ihrer Tasche nach der Jacke, die sie mitgebracht hat. Noch ist es angenehm warm, „aber zu fortgeschrittener Stunde kann es ganz schön kühl werden“, weiß Weert Zell aus Erfahrung. Um Punkt neun Uhr tut sich was auf der Leinwand: Der Himmel hat sich inzwischen weiter verfärbt, aber es ist immer noch recht hell. Dennoch sind die Bilder schon jetzt gut zu erkennen.

Nach Werbung und Vorschau erscheint ein Astronaut im All. Die Kameraeinstellung ändert sich, und der Astronaut entpuppt sich als kleiner Junge, der vor einer Sternentapete auf seinem Bett auf und ab hüpft. „Wunder“ mit Julia Roberts, Jacob Tremblay und Owen Wilson in den Hauptrollen erzählt von einem Jungen mit stark entstelltem Gesicht, der schließlich trotz aller Widrigkeiten sein Leben meistert.

Auf diesen Film haben sich Karla und ihre Freundinnen ganz besonders gefreut. „Die bieten hier überhaupt ganz tolle Filme“, sagen die drei mit Blick auf das gesamte Programm. „Viele der Titel waren gerade erst im Kino, und die Auswahl ist richtig gut“, schwärmen sie.

Kinoexperte Leo Stürtz wird dieses Lob sicher freuen. Schließlich setzt er jedes Jahr aufs Neue alles daran, ein ansprechendes Programm zusammenzustellen. Heute ist er mehr als zufrieden. Rund 600 Besucher sind ins Dressurstadion auf dem CHIO-Gelände gekommen. Zum Auftakt am Freitag waren es allerdings nur um die 350. „Das ist ein bisschen wenig“, kommentiert Stürtz und hofft darauf, dass in den nächsten Tagen möglichst viele Zuschauer kommen.

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