Aachen: Ein altes Wohnmobil beherbergt jetzt eine rollende Zahnarztpraxis

Aachen : Ein altes Wohnmobil beherbergt jetzt eine rollende Zahnarztpraxis

„Grünhelme bauen an einer gerechteren Welt“ steht in grünen Buchstaben auf dem ehemaligen Wohnmobil. Das Fahrzeug wurde zu einer mobilen Zahnarztpraxis umgebaut und soll Menschen in Syrien und in den Flüchtlingslagern Hilfe leisten.

„Denn ärztliche Versorgung ist in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr“, sagt Martin Mikat, Vorstandsvorsitzender der „Grünhelme“. Gemeinsam mit der „Barada Syrienhilfe“ setzen die sich für die Menschen in Syrien ein. Und als die Familie Vanicek den „Grünhelmen“ ein Wohnmobil überließ, war schnell klar, dass daraus eine mobile Zahnarztpraxis werden könnte.

Für den Umbau konnten sie Raphael Möhrle, Absolvent der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg, gewinnen. Der machte den Umbau zum Teil seines Examens und bekam dafür ein sattes „Sehr gut“. Am 30. August soll das Fahrzeug nach Syrien überführt werden. Dann wird sich zeigen, ob Möhrles Ausstattung den harten Praxistest besteht.

Gut aussehen tut das neue Interieur allemal. Um aus dem Wohnmobil eine kleine Zahnarztpraxis machen zu können, hatte Möhrle zunächst die alten Innereien entfernt. Und als er den doppelten Boden öffnete, sah er sich einem Gewirr von Kabeln gegenüber.

Obwohl es für ihn als Schreiner eine große Herausforderung gewesen sei, bekam er auch die Elektrik in den Griff. Die kleine Praxis funktioniert jetzt mit Solarenergie und kann im Notfall auch mit einem Generator betrieben werden. Damit die technische Ausstattung den Anforderungen eines Zahnarztes gerecht wird, hat Möhrle zuvor genauestens recherchiert. Wie umfassend das Projekt ist, hat er erst im Laufe seiner Arbeit begriffen.

Strapazierfähig

Wichtig war ihm, Materialien zu verwenden, die widerstandsfähig und lange haltbar sind. Wer das Wohnmobil betritt, sieht sich sofort mit dem Behandlungsstuhl in leuchtendem Grün konfrontiert. Die LED-Leuchten streuen ihr Licht vor allem auf die Arbeitsflächen, und die gesamte Ausstattung wirkt in höchstem Maße funktionell. Dass das Ganze auch noch gut aussieht, soll den Patienten helfen, sich zu entspannen. Insgesamt 25.000 Euro hat der Umbau gekostet.

Raphael Möhrle erinnert sich an die unzähligen Details, die zu beachten waren. Dass die Praxis autark ist und mit Sonnenenergie funktioniert, war eine wichtige Voraussetzung. Denn in Syrien müssen die Ärzte unter schwierigsten Bedingungen arbeiten, und Strom aus der Steckdose ist dabei keine Selbstverständlichkeit.

Für Möhrle war der Umbau eine wichtige Erfahrung. Dass Martin Mikat gerade ihn angesprochen hat, war kein Zufall. Die beiden waren als Schreiner zusammen auf der Walz und haben auch danach Kontakt gehalten. Jetzt können sie sich gemeinsam über einen gelungenen Umbau freuen. Handwerker wie Möhrle werden laut Mikat bei den „Grünhelmen“ dringend gesucht.

Der Wohnmobil-Spender und seine Familie sind ihrerseits stolz, ein humanitäres Projekt zu unterstützen. Als das Interieur ihres Wohnmobils ausgeräumt wurde, waren sie zwar erst auch ein bisschen traurig, aber das Ergebnis hat auch sie überzeugt. Ebenso wie den TÜV. „Sieben Leute haben um das Fahrzeug herumgestanden“, erinnert sich Möhrle. Sie einigten sich schließlich auf die Bezeichnung „Sonderfahrzeug für Zahnbehandlung, dritter Stuhl für die Beförderung nicht zugelassen“.

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