Aachen: Eilendorf will endlich eine Kita im Neubaugebiet

Aachen : Eilendorf will endlich eine Kita im Neubaugebiet

Bei den Kita-Plätzen für die unter Dreijährigen erreicht Eilendorf aktuell eine Versorgungsquote von rund 46 Prozent. Klingt erst mal gut. Stimmt aber vorne und hinten nicht. Denn in die Statistik für den Stadtbezirk wird stets auch die Betriebskita „Karlinis“ im Gewerbegebiet eingerechnet.

Und diese 75 Plätze, davon immerhin 50 U3-Plätze, sind ausschließlich für Beschäftigte in den beteiligten Unternehmen bestimmt und stehen den Familien in Eilendorf überhaupt nicht zur Verfügung.

Gerade mal eine Handvoll Kinder aus Eilendorf wird derzeit bei den „Karlinis“ betreut — aber nur, weil deren Eltern in einer der angeschlossenen Firmen arbeiten. Entsprechend vergrätzt reagierten jetzt die Mitglieder der Bezirksvertretung Eilendorf, als sie den Entwurf für den neuen Kindertagesstättenbedarfsplan 2018/19 auf den Tisch bekamen — wieder mit 50 U3-Plätzen in der Kaubenden­straße, die es für Eilendorf gar nicht gibt, und aus ihrer Sicht wieder mit wenig Perspektiven.

Schlusslicht im Stadtgebiet

Die Bezirksvertreter machen nun erneut Druck. Sie wollen den Bau einer Kindertagesstätte im Neubaugebiet Breitbenden forcieren. Schon im Herbst 2016 hatte es dazu einen Beschluss der Bezirksvertretung gegeben.

SPD-Bezirksvertreter Rolf Schäfer ist mittlerweile ziemlich sauer. „Die Planzahlen haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Rechnet man die Plätze in der Betriebskita raus, dann stehen wir in der U3-Versorgung in Eilendorf gerade mal bei 35 Prozent.“ Damit sei der Sozialraum Schlusslicht im gesamten Stadtgebiet.

Auch Bezirksbürgermeisterin Elke Eschweiler (CDU) ist mit ihrer Geduld am Ende: „Im Neubaugebiet Breitbenden besitzt die Stadt seit Jahren ein Grundstück, das für eine Kita vorgesehen ist.“ Eschweiler ist überzeugt, dass sich ein Investor fände, der die Kita bauen will. Ein potenzieller Betreiber für eine neue Kita hatte bereits vor einem Jahr sein Interesse bekundet. „Einen Träger gäbe es also auch.“

Handlungsbedarf sieht auch die Verwaltung. Einen Kita-Neubau „in einem klassischen Baugebiet in Randlage“ hält sie allerdings für ungünstig und will ein Projekt an der Stelle erst mal nicht anpacken. Auch voriges Jahr stand das schon in den Erläuterungen zum Kita-Bedarfsplan für Eilendorf. Und die Bezirksvertreter hätten das auch voriges Jahr schon moniert, sagt Eschweiler.

„Die Stadt möchte ein Investorenprojekt zentral im Ort umsetzen.“ Dafür aber sei mitten im Stadtteil überhaupt kein Platz vorhanden, ist sie überzeugt. „Im Zentrum von Eilendorf gibt es kein Gelände, wo eine Kindertagesstätte unterzubringen wäre“, sagt auch Rolf Schäfer.

Aus Sicht der Bezirksbürgermeisterin spricht dagegen sehr viel für eine Kita im Neubaugebiet Breitbenden. „Wenn das Gebiet einmal komplett bebaut ist, leben dort 1200 Menschen, ein Drittel davon sind Kinder.“

„Ich mute es jedem Elternteil zu, in Eilendorf zwei Kilometer zurückzulegen, um sein Kind in die Kita zu bringen“, sagt Eschweiler. „Ich mute es Eltern dagegen ungern zu, ihr Kind in Oberforstbach betreuen zu lassen.“ Derzeit müssten manche Eltern jeden Tag bis ans andere Ende der Stadt fahren, weil sie nur dort einen U3-Platz bekommen hätten.

„Butter bei die Fische“

Die Eilendorfer SPD-Vertreter sehen ihre Genossen in den gesamtstädtischen Ausschüssen und im Rat gefordert. „Ich bin nicht so ganz überzeugt, dass da genug Druck gemacht wird“, gesteht Rolf Schäfer. „Wir werden weiter vehement für eine Kita im Neubaugebiet kämpfen“, kündigt Elke Eschweiler ran.

Das Ziel einer U3-Versorgungsquote von 50 Prozent gelte auch für die Stadtbezirke, versichert unterdessen der jugendpolitische Sprecher der CDU, Peter Tillmanns. „Die Situation in Eilendorf muss jetzt Thema werden“, sagt er. „Aber es ist noch zu früh zu sagen, was man da machen kann.“

Im Kinder- und Jugendausschuss müsse die Eilendorfer Problematik auf jeden Fall diskutiert werden, kündigt auch der Ausschussvorsitzende Bernd Krott (SPD) an. „Die Verwaltung sagt immer, sie hätte eine neue Kita lieber im Ortszentrum. Angeblich soll es auch ein Grundstück geben.“ Man werde mit Nachdruck darum bitten, dass das geklärt werde, sagt Krott. „Langsam muss da mal Butter bei die Fische.“