Aachen: „Ehrensache“: Herausforderung für Mimen und Zuschauer

Aachen: „Ehrensache“: Herausforderung für Mimen und Zuschauer

Das Theater Brand wagt sich dieses Jahr an ein besonders kontroverses Jugendstück: „Ehrensache“ von Lutz Hübner. Als Handlungsgerüst für Lutz Hübners Tragödie dient der Mädchenmord in Hagen im Jahr 2004.

Ein 14-jähriges Mädchen wurde damals auf einem Autobahnrastplatz bei Hagen von zwei jungen Männern erstochen. Sie hatte angeblich mit beiden eine sexuelle Beziehung. Aus Angst, dass sie schwanger sein könnte, brachte einer der Männer mit türkischer Herkunft sie um.

Das Jugendstück von Hübner wurde zunächst verboten. Der Grund: eine Klage der Mutter des toten Mädchens. Sie sah die Persönlichkeitsrechte ihrer Tochter verletzt. Denn die Darstellung im Stück betont vor allem die sexuellen Neigungen des Opfers. Die Darstellung sei überspitzt und verzerrt. Die Klage wurde aber 2008 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen, da es sich im Jugendstück um einen fiktiven Kunstcharakter handele. Die Übertreibung der sexuellen Ausrichtung des Opfers betone nur den fiktionalen Charakter und habe keinen Bezug zum tatsächlichen Opfer.

„So etwas darf nicht verboten werden“, findet auch Wilma Gier vom Theater Brand. „Wir als Theater haben ein Recht darauf, Botschaften zu erarbeiten und das Stück spielen zu dürfen, damit der Zuschauer sich sein eigenes Bild machen kann.“ Wilma Gier und die Jugendtheatergruppe wollen mit dem „Ehrensache“ vor einem oberflächlichen Schwarz-Weiß-Denken warnen: „Bei solchen Tragödien muss man tiefer denken und sich fragen, wie so etwas passieren kann“, erklärt Gier.

Im Stück wird das komplexe Thema Ehrenmord Schritt für Schritt aufgearbeitet und der Zuschauer wird herausgefordert. Für Maik Schulte, eine der Darstellerinnen, ist das Ziel der Inszenierung: „Das mit der verletzten Eitelkeit in den Griff zu bekommen und gar nicht erst Schlimmeres durch dummes Verhalten herauszufordern. Seid gewarnt und geht der Gefahr aus dem Weg. Lernt durch diese wahre Geschichte.“ Auch dem Darsteller Leon Eckervogt ist es wichtig, den Zuschauer zum Weiterdenken anzuregen: „Dieser Konflikt betrifft jeden, aber wichtig ist es, klar zu machen, dass nicht jeder Immigrant sich so verhält.“

Nicht abschrecken lassen

Sechs Wochen arbeiteten die Jugendtheatergruppe am Stück. „Das Stück verlangte viel von ihnen ab. Sie mussten sich in Rollen hineinversetzen, die ihnen völlig fremd sind“, erklärt Wilma Gier. Aber von dieser Herausforderung ließen sich die Darsteller nicht abschrecken. „Anfangs waren die Proben ein wenig holprig“, findet Leon Eckervogt. „Von Probe zu Probe konnte ich mich besser in die Rolle hineinversetzen.“

Wer sich seine eigene Meinung zum Stück bilden will, ist zur Premiere am Freitag, 5. Juli, um 18 Uhr in das Theater Brand, Freunder Heideweg 3, eingeladen. Weitere Aufführungstermine sind am 6., 7. und 13. Juli sowie am 14. Juli um jeweils 18 Uhr. Der Eintritt kostet neun Euro, ermäßigt sieben Euro.