Ehrenamtsbeauftragter der Städteregion: „Ehrenamt braucht Hauptamt“

Ehrenamtsbeauftragter der Städteregion : „Ehrenamt braucht Hauptamt“

Seit zehn Jahren gibt es bei der Städteregion das Amt des Ehrenamtsbeauftragten – „eine der ersten Entscheidungen des damaligen Städteregionsrates Helmut Etschenberg“, wie sich Amtsinhaber Theo Steinröx erinnert. Rauke Xenia Bornefeld sprach mit dem ehemaligen Bürgermeister von Monschau über seine Aufgaben und darüber, wie es mit der Stelle weitergeht, wenn er im nächsten Jahr aufhört.

Welche Aufgaben haben Sie als Ehrenamtsbeauftragter?

Theo Steinröx: Es ist ungemein vielfältig. Zum einen haben wir natürlich jede Menge Einzelanfragen von Vereinen und Einzelpersonen. Dafür biete ich hier im Städteregionshaus alle acht Wochen eine Sprechstunde an, so dass Ehrenamtliche einen direkten Draht zu mir haben können. Es gibt kein Durchwurschteln durch verschiedene vermeintlich zuständige Stellen. Per E-Mail oder Telefon bin ich direkt zu erreichen und erster Ansprechpartner für alle Belange von Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. Oft werde ich als Vertreter der Städteregion auch gefragt, ob wir finanziell helfen können. Wir kümmern uns also auch darum, Fördermöglichkeiten für berechtigte Institutionen zu erschließen und unterstützen bei der Antragstellung. Wichtig ist aber auch, eine Öffentlichkeit herzustellen, um neue Unterstützer und Mitstreiter zu finden. Und ich halte engen Kontakt mit allen Bürgermeistern der Mitgliedskommunen. Letztlich haben alle in Vereinen Engagierte einen hohen Erklärungsbedarf im Bereich Steuern, Satzung und Vereinsrecht. Oder denken Sie nur an die Datenschutzgrundverordnung. Deshalb organisieren wir regelmäßig Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Themen. Im Jahr kommen wir auf 300 bis 400 Anfragen.

Alle Kommunen der Städteregion kümmern sich irgendwie um das Thema Ehrenamt. Warum muss das die Städteregion auch noch tun?

Steinröx: Allen Kommunen ist bürgerschaftliches Engagement wichtig. Aber nicht jede Kommune kann oder will eine eigene Stelle für das Ehrenamt als Anlaufstelle schaffen oder gar wie die Stadt Aachen ein ganzes Amt vorhalten. Um den ehrenamtlich Engagierten aber eine einzige Anlaufstelle zu bieten, entschied Städteregionsrat Helmut Etschenberg bereits 2009, dass die Städteregion Aachen solch eine Stelle haben solle. Wie aber mit dem Thema Ehrenamt umgegangen werden soll, schreibt die Städteregion nicht vor, weil die Mitglieder das Thema dezentral für sich behandeln wollen.

Wenn alle so engagiert sind, sagen Sie mir doch bitte, was in Würselen los ist?

Steinröx: Würselen war und ist der Meinung, dass die bereits vor der Einführung der Ehrenamtskarte NRW bestehenden Wertschätzungs- und Unterstützungselemente ausreichen. Zudem gehört Würselen zu den Stärkungspakt-Kommunen, hat sich also auf haushalterisches Wohlverhalten festgelegt. Ehrenamt wird in Würselen wertgeschätzt, es gibt nur keine Ehrenamtskarte. Aber da sind wir im Gespräch. Aber letztlich entscheidet jeder Rat selbst, wie er bürgerschaftliches Engagement stärken will.

Im Moment ist die Stelle des Ehrenamtsbeauftragten ein Ehrenamt. Sollte es nicht ein Hauptamt sein?

Steinröx: Diese Entscheidung muss man aus dem Jahr 2009 heraus beurteilen. Vielen Kommunen ging es bereits vor der Finanzkrise nicht blendend, deshalb war die Städteregion bemüht, zunächst eine preisgünstige Lösung zu finden. Aber Sie haben Recht: Die Stelle ist in ihrer Fülle und Kompliziertheit an Aufgaben als Hauptamt zu sehen. Ehrenamt braucht Hauptamt. Wie der neue Städteregionsrat Tim Grüttemeier darüber entscheidet, wenn ich im nächsten Jahr aufhöre, obliegt ihm allein. Bereits in Stolberg hat Dr. Grüttemeier als Bürgermeister mit der Ehrenamtsbeauftragten Frau Nießen die Wertschätzung ehrenamtlichen Wirkens stark zum Ausdruck gebracht. Daher bin ich da ganz zuversichtlich.

Kontakt zu Theo Steinröx: Telefon 0241/5198-2166, E-Mail:  theo.steinroex@t-online.de.

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