Aachen: Altes Zollhaus brennt völlig aus

Whatsapp Freisteller

Ehemaliges Zollgebäude: Polizei schließt Brandstiftung nicht aus

Von: Heiner Hautermans und Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
15996941.jpg
Von dem ehemaligen Zollhäuschen an der Grenze in Vaals ist nach dem Brand am Dienstagabend nicht mehr viel übrig gelieben. Weil Messungen in der Nacht nicht ausschließen konnten, dass das Feuer Asbest freigesetzt habe, wurde der Brandort entsprechend abgesperrt. Zwar konnten die deutchen und niederländischen Wehrleute das Feuer unter Atemschutz erfolgreich bekämpfen, vor dem Gebäude geparkte Autos wurden durch die Hitze dennoch zum Teil schwer beschädigt. Foto: Ralf Roeger (4), Holger Richter (2)
15996943.jpg
© : dmp /// Heute Dienstag 09.Januar 2018 2018-01-08;Feuer im alten Zollhaus Baals. Zollhaus brennt ab. BF Aachen, Zug 3 Zug 1 und FF Laurensberg, Brandwehr Vaals. ASBEST wurde freigesetzt
15996947.jpg
Von dem ehemaligen Zollhäuschen an der Grenze in Vaals ist nach dem Brand am Dienstagabend nicht mehr viel übrig gelieben. Weil Messungen in der Nacht nicht ausschließen konnten, dass das Feuer Asbest freigesetzt habe, wurde der Brandort entsprechend abgesperrt. Zwar konnten die deutchen und niederländischen Wehrleute das Feuer unter Atemschutz erfolgreich bekämpfen, vor dem Gebäude geparkte Autos wurden durch die Hitze dennoch zum Teil schwer beschädigt. Foto: Ralf Roeger (4), Holger Richter (2)

Aachen/Vaals. Am Mittwochmorgen flatterte schwarz-gelbes Absperrband rund um das ehemalige Zollhaus an der Vaalser Straße, dessen Reste schwarz und verkohlt in den weißen Himmel ragen. Auf dem Flatterband steht das beunruhigende Wort „Asbest“.

„Da nicht auszuschließen ist, dass das Gebäude zu einer Zeit errichtet wurde, als Asbest verwendet wurde, haben wir den Bereich entsprechend abgesperrt“, hatte Einsatzleiter Martin Schniedermeister schon in der Nacht vor Ort berichtet, als das Häuschen noch in hellen Flammen stand. Nach Messungen von niederländischen Fachkräften in der Nacht konnte nicht ausgeschlossen werden, dass bei dem Brand tatsächlich Asbest freigesetzt worden war. Also rückte bei Tageslicht das städtische Umweltamt an, nachdem sich bereits in der Nacht ein Mitarbeiter des sogenannten Notdienstes des Fachbereichs Umwelt einen ersten Eindruck vor Ort gemacht hatte.

Am Mittwoch stellte dann sein Kollege von der Unteren Bodenschutzbehörde fest, dass in dem Gebäude tatsächlich Asbest als Dämmmaterial verbaut war. Nach Auskunft von Harald Beckers vom städtischen Presseamt gehe von den zu Boden gefallenen Platten aber keine Gefahr für Anwohner oder Passanten aus, weil sich der Stoff nicht in der Atemluft befinde. In Absprache mit dem Umweltamt werde der Besitzer des Gebäudes – die Nesseler-Grünzig-Gruppe, die das Gelände samt Gebäude erst im vergangenen September bei der Versteigerung des nahe gelegenen Guts Paffenbroich erworben hatte – den Brandort nun zusätzlich mit einem Bauzaun sichern, teilte Beckers mit. Anschließend wolle er einen Gutachter zurate ziehen, um das weitere Vorgehen zu beraten – natürlich ebenfalls in Absprache mit der Stadt, wie Beckers betonte.

Fenster schließen

Aus bisher noch ungeklärter Ursache war am Dienstagabend gegen 20.35 Uhr in dem ehemaligen Bürogebäude des Zolls ein Feuer ausgebrochen. Die 23 Wehrleute aus Vaals waren als erste zur Stelle, ihre Wache liegt schließlich nur etwa zwei Kilometer entfernt. Die Aachener, die mit 19 Kräften der Berufsfeuerwehr sowie 25 Wehrleuten des Löschzuges Laurensberg der Freiwilligen Feuerwehr anrückten, kamen kurz darauf. Bei ihrem Eintreffen schlugen die Flammen in den Himmel, große Mengen Rauch stiegen auf, so dass die Anwohner gebeten wurden, die Fenster zu schließen.

Das Gebäude wird seit Jahren nicht mehr genutzt. Es befindet sich unmittelbar an der Grens­straat, in deren Mitte sich die Grenze befindet, versteckt hinter einem Parkplatz und ist in der Vergangenheit mehrfach mit Hakenkreuzen besprüht worden.

Die Vaalser Straße wurde von den Einsatzfahrzeugen bis Mitternacht komplett in Anspruch genommen, die Polizei musste die Straße für Stunden komplett sperren. Der Verkehr wurde in Richtung Vaals über die Alte Vaalser Straße und die Püngeler Straße umgeleitet, in Richtung Aachen mussten die Verkehrsteilnehmer kehrtmachen und den weiten Weg über die Autobahn nehmen.

Die Zusammenarbeit zwischen den Brandbekämpfern klappte reibungslos – anders als in früheren Zeiten, in denen etwa die Schlauchverbindungen der Grenznachbarn nicht zusammenpassten. Ein Teil des Löschwassers kam von niederländischer Seite, der andere von deutschem Grund und Boden. Seit einer Reihe von Jahren wird das gemeinsame Vorgehen jährlich in von der Freiwilligen Feuerwehr Laurensberg initiierten Einsätzen geübt. Der letzte hatte erst vor einigen Tagen stattgefunden. Nicht zuletzt deshalb konnte ein Übergreifen auf andere Gebäude und auf davor geparkte Autos verhindert werden. Sie fingen zwar kein Feuer, sechs von ihnen wurden aber durch die Hitze schwer beschädigt, ihre Scheiben waren zum Teil geborsten, Kunststoff und Metall angekokelt, die Scheinwerfer weggeschmolzen.

Keine Verletzten

Im Gebäude selbst gingen die Wehrleute unter Atemschutz mit mehreren Rohren gegen das Feuer vor. Um auch weitere Glutnester zu finden, hat die Feuerwehr mit schwerem Gerät Teile der Fassade und des Daches geöffnet, so dass auch die letzten Brandherde gelöscht werden konnten. Gegen Mitternacht war der Einsatz für die Feuerwehr dann abgeschlossen. Verletzt wurde niemand.

Das, was anschließend vom vollständig zerstörten Gebäude noch übrig war, hat die Kriminalpolizei beschlagnahmt. Um die Brandursache zu ermitteln, würden die Beamten den Brandort sicher noch mehrere Male aufsuchen, teilte Andreas Müller von der Polizeipressestelle mit. Vorher könne er zu einer möglichen Brandursache keine Angaben machen. Nach Lage der Dinge liege es aber natürlich auf der Hand, so Müller, dass auch in Richtung Brandstiftung ermittelt werde. Den entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei auf mindestens 150.000 Euro.

Der Zustand des Grenzübergangs im Westen der Stadt ist seit Jahren den Verantwortlichen ein Dorn im Auge, sowohl auf Vaalser wie auf Aachener Seite. Von politischer Seite wird ein ansprechenderes Entree gewünscht, bislang gibt es aber nur Absichtserklärungen und keine konkreten Pläne. Abzuwarten bleibt, ob durch den jetzt notwendigen Abriss des einstigen Zollgebäudes Bewegung in die Sache kommt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert