Aachen: Ehemaliges „Lust for Life“ wird zur Plattform für Ausstellungen und mehr

Aachen : Ehemaliges „Lust for Life“ wird zur Plattform für Ausstellungen und mehr

„Lust for Life“ — Lust am Leben? Zurzeit, so könnte man den deprimierenden Befund zusammenfassen, kennzeichnet der bestens vertraute Anglizismus für die meisten Aachener allenfalls eine prominente Baubrache im Herzen der City. Die Marschroute zur künftigen Nutzung des Ex-Kaufhauses an der Komphausbadstraße ist derzeit allenfalls grob umrissen.

Aber: Lichtblicke am Horizont der Großbaustelle namens visionäre Stadtgestaltung zeichnen sich ab. Denn während die Zahl der leerstehenden Ladenlokale im Umfeld des Bädersteigs — etwa am benachbarten Dahmengraben — eher zu- als abnimmt, sind die Köpfe der Experten voller Ideen, wenn es darum geht, den Lebensraum Innenstadt neu zu denken, ihn neu zu entwickeln.

Nicht von ungefähr also hat der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Aachen das ehemalige Horten-Haus jetzt in Kooperation mit dem Verein „Aachen-Fenster“ sowie dem Bund Deutscher Baumeister (BDB) zur Plattform für seine nächste, umfängliche Ideenwerkstatt erkoren, die am Donnerstag mit zwei aufschlussreichen Präsentationen eröffnet wird.

„Baukultur im Lust for Life“ lautet der Titel der neuen Reihe mit Vorträgen, Dokumentationen und Diskussionen rund um gestalterische und mithin auch wirtschaftliche und soziale Perspektiven, die zugleich weit über die besagte „Location“ zwischen Altstadtquartier und Bushof hinausweisen sollen. „Wir wollen damit den nächsten gewichtigen Impuls in unserem aktuellen Workshop-Format ,denkwerk:stadt‘ setzen, indem wir namhafte Fachleute zu Wort kommen lassen, die sich kreativ und innovativ mit zukunftsweisenden Modellen zur Stadtgestaltung auseinandersetzen“, erklärt der Aachener BDA-Vorsitzende Klaus Klever.

Sein Credo: Tabus sind tabu — die berühmte Schere im Kopf soll eben nicht zum Instrumentarium von Technikern, Architekten oder Verkehrsplanern gehören. Das Erdgeschoss des Komplexes am Bäder-steig soll vielmehr reichlich Raum für Ideen, Visionen und Konzepte bieten, die aktuelle Herausforderungen angesichts von Digitalisierung, neuer Mobilität, Arbeits- und Wohnkultur umfassend beleuchten.

Klever erinnert in diesem Zusammenhang gern an Postulate berühmter Philosophen und Literaten wie Ernst Bloch („denken heißt überschreiten“) oder Robert Musil („das, was ist, nicht wichtiger nehmen als das, was nicht ist“).

Erste, konkretere Denkanstöße liefern dabei die beiden Ausstellungen, die am morgigen Donnerstag. 21. Juni, um 18 Uhr, eröffnet werden. Unter dem Titel „Zukunft der Vergangenheit“ wird eine Fotodokumentation der Wüstenrot-Stiftung gezeigt, die auf einem Architektenwettbewerb zur Neugestaltung exponierter Nachkriegsbauten basiert. Denn: „Natürlich ist die Auseinandersetzung mit Gebäuden dieser Epoche als Baudenkmale auch in Aachen eine drängende Aufgabe, für die angemessene und nachhaltige Lösungen gefunden werden müssen“, sagt Klever.

„What if?“ — was wäre, wenn? — fragt daher auch die zweite Schau, mit der bisherige Ergebnisse des Projekts „denkwerk:stadt“ in den Blick genommen werden. So werden Konzepte und Überlegungen zur städtebaulichen Neugestaltung im Umfeld des Kaiserplatzes, des Bushofs sowie des Kármán-Auditoriums dargelegt. In drei „Stadtgesprächen“ sollen zudem grundlegende Vorstellungen für eine dynamische Entwicklung diskutiert werden — keineswegs „nur“ in technischer Hinsicht.

Der Soziologe und Zukunftsforscher Dr. Gereon Uerz, Leiter des Bereichs „Foresight + Research + Innovation Europe“ beim international renommierten Ingenieurbüro ARUP, hält am 26. Juni einen Impulsvortrag zur „Notwendigkeit von Fantasie und querdenkerischer Vorstellungskraft“. Weitere Gespräche mit je acht Referenten — allesamt Kapazitäten bei der Entwicklung zukunftsfähiger Modelle für Verkehrs- und Einzelhandelskonzepte — finden am 28. Juni und am 12. Juli statt.

Und natürlich sollen die Perspektiven, die an diesen Abenden im „Lust for Life“ in Kurzvorträgen dargelegt werden, bereits in absehbarer Zeit wiederum zur Debatte gestellt werden. „Im Herbst möchten wir die Bürger noch einmal einladen, um die Ergebnisse der Workshops gemeinsam zu diskutieren“, verspricht Klaus Klever. Denn: „Wenn wir die Zukunft dieser Stadt konstruktiv gestalten und sie neu denken wollen, brauchen wir unkonventionelle Ansätze. Was wir auf keinen Fall gebrauchen können, sind Denkverbote.“

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