Aachen: Edle Seidenstoffe und comicartige Wesen in der Galerie 45

Aachen : Edle Seidenstoffe und comicartige Wesen in der Galerie 45

Rollbilder vom Feinsten, in bester handwerklicher Tradition in China hergestellt, präsentieren die Tuschezeichungen und anderen Arbeiten des Berliner Künstlers Henrik Schrat. Edel schimmern die Seidenstoffe, munter laden die fröhlichen Muster zum heiteren Betrachten ein.

Doch der Chic des Rollbild-Ambientes, das Schrat für den ersten Blick kreiert, passt nicht zum Inhalt der Zeichnungen. Comicartige Wesen erzählen bizarr-komplexe Geschichten zwischen Kolonisation und Krieg, Monstern und seltsamen Mächten, die mittels Tusche auf Reispapier gebracht wurden.

Was wie eine traditionell orientierte, hochseriös gemeinte Hommage an die asiatische Tuschemalerei wirkt, entpuppt sich als interkulturelles Werk eines kosmopolitischen Künstlers, der mehrfach an Hochschulen in China und Indien gelehrt hat und nun die westliche Kultur der Graphic Novels zwischen „creatures“ und „Raumschiff Enterprise“mit den poetischen Tuschen Asiens kombiniert.

Vordergründig geht es in der „Orangerie bei Nacht“ um Orangen. Mittels Inszenierung von Pracht und Reichtum wollen die Mächtigen ihren Sinn für Schönheit präsentieren und auch die Herzen der Unterworfenen gewinnen — mit verlockenden, köstlichen Orangen. Hintergründig erzählt Henrik Schrat jedoch keine Märchen, sondern illustriert auf seine Weise die Methodik der Kolonisation vom freundlichen Geschenke bringen bis hin zur tödlichen Bedrohung.

Vorsicht ist geboten bei dem schönen Schein des ersten Augenblicks, den Schrat in der hocheleganten Altbau-Galerie von Renate Hoffmann entfaltet. Von Säulen gerahmt und umgeben von hohen Bäumen vor den Fenstern wirken die Arbeiten still und kontemplativ, ehe sie ihr zerstörerisch-moralfreies Potential entfalten. Das Böse spricht aus den Bildern wie im Comic, nicht ganz ernst zu nehmen, aber leider doch irgendwie wahr.

Schrat erweist sich als Meister der Entzauberung und liefert einen künstlerisch-intellektuellen Hochgenuss, der lange nachwirkt. Zu sehen ist die Schau des schönen Scheins in der Galerie 45, Ludwigsallee 45, noch bis zum 22. Oktober 17. Geöffnet ist die Galerie freitags und samstags von 14 bis 19 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0241/4507885.

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