Aachen: Edle Helden und finstere Intrigen im Theater 99

Aachen: Edle Helden und finstere Intrigen im Theater 99

Wahrscheinlich gibt es längst auch ein Musical um den unverbrüchlichen Freundschaftsbund von edlen Rittern, durch Alexandre Dumas„ mehrbändigen Roman „Die drei Musketiere” unsterblich geworden.

Und unzählige Verfilmungen, sogar als Comic, künden von den tapferen Kämpfern unter König Ludwig XIII. und dem intriganten Kardinal und Politiker Richelieu.

Ein besonderer Höhepunkt dieser seriellen Abenteuerwelt im alten Frankreich ist allerdings die gewitzte und spannende Umsetzung im kleinen Theater 99. Dessen fantasievolle „Monumental-Inszenierungen” großer Stoffe - auf 30 Quadratmeter Bühnenraum - boten bereits so köstliche Kabinettstückchen wie „Der Kurier des Zaren” oder ein tollkühnes Karl May-Programm. Am Samstagabend war Premiere für die drei wackeren Musketiere, denen sich ein blutjunges Greenhorn aus der Gascogne anschließen will.

Um 1750 spielt nun die Geschichte, die um Ritterehre, Treue und Tapferkeit kreist. Ebenso wie um gefährliche Amouren und Intrigen, die meist vom tückischen Richelieu ausgehen - hier eine eher fiktive Figur, der Michael Kröhnert in tiefrotem Lackleder eine schön „schuftig-glatte” Aura verleiht.

Jutta Kröhnert - für Buch, Recherchen und Regie verantwortlich - hat den ironischen Dumas-Ton aufgenommen und witzig auf die Bühne übertragen. Sie spielt mit feinen Nuancen und Untertönen jene legendäre Lady de Winter, die nicht nur alle Männer betört, sondern auch ein finsteres Geheimnis mit sich trägt. So kann Richelieu sie erpressen und als seine Spionin einsetzen.

Die gestandenen Kämpen nimmt man Oliver Steinhauer als feinsinnigem Athos, Thomas von Gent als kraftvoll-gutmütigem Porthos und Daniel Dericum als aus der Bahn geworfenem Aramis buchstäblich auf Anhieb ab: die Degenkämpfe wirken sehr martialisch, dank des professionellen Kampftrainings mit Fechtmeister Helge Landmesser. Das unbekümmerte „Landei” D´Artagnan wird wunderbar unschuldsvoll von Niklas Nienaß verkörpert, als kesse Kitty, Zofe der Lady, präsentiert sich Silvia Möller mit Talent und Charme.

Gabi Thomas gefällt als Königin von Frankreich mit glänzend gespielten Allüren und dem Geschick, sich ihrer Haut zu wehren. In seiner ganz besonderen „Doppelrolle” als Kardinal und König macht der treffliche Michael Köhnert aus Ludwig XIII. eine Marionette, die beim Publikum besonders gut ankommt. Ricarda Schumann, auch für die schöne Musik zuständig, macht Freude als erfahrene Wirtin und gewitzte Vertraute der Lady. Thorsten Schumann gibt dem Herzog von Buckingham herrlich eitle und komische Züge.

Unübertroffen aber auch wieder die trickreichen Videoeinspielungen von Michael Kröhnert, der die Handlung so einfallsreich mit Hintergrund und Bühnenumbau „unterfüttert”. Traumhaft die prachtvollen Kostüme, die Ljuba Ivanowa zu verdanken sind und die jedem Auftritt ein sehr persönliches Flair verleihen.

Es gibt unzählige Höhepunkte voller Witz und Fantastik, im Gedächtnis bleiben sicher die „aus dem Beamer springenden Musketiere” oder Lady de Winter, die plötzlich gegen den Autor Dumas aufbegehrt und der Rolle eine völlig andere Richtung geben will. Was zu Gelächter und Beifallsstürmen der begeisterten Zuschauer führt.

Insgesamt ein herrliches Bühnenabenteuer mit bärbeißigen Helden, ein köstlicher Spaß um ein verrottetes Ancien régime mit Intrigen im und ums Königshaus. Und mit zwei glücklichen Paaren.

Weitere Vorstellungen von „Die drei Musketiere” nach Alexandre Dumas gibt es im Aachener Theater 99, Gasborn 9-11, am 10./11./12. Dezember und am 17./18./19. Dezember. Sie beginnen jeweils um 20 Uhr. Auch im Januar 2011 wird es noch Aufführungen geben. Karten-Telefon: 0241/27458.