Aachen: E-Sports in Aachen: Profis spielen bis zu acht Stunden täglich

Aachen : E-Sports in Aachen: Profis spielen bis zu acht Stunden täglich

Juneid El-Mahmoud lächelt nur müde. Soeben wurde der junge E-Sportler nach seiner Meinung zu Klischees über Gamer und andere von Videospielen begeisterten Menschen gefragt. „Nicht jeder Gamer ist dick, trägt eine Brille oder ist gar gewalttätig“, verneint er drei der größten Vorurteile, die vielen Computer- oder Konsolenspielern von Außenstehenden regelmäßig an den Kopf geworfen werden.

„Die Tatsache dass E-Sport in Europa zunehmend populärer wird und sich auch immer mehr ältere Leute an PC oder Konsole versuchen, gibt aber Hoffnung, dass diese Einstellung langsam aber sicher der Offenheit für unsere Sportart weicht“, fügt er hinzu.

El-Mahmoud ist einer von 32 Finalteilnehmern des Dr. Forstbach-Cups, ausgerichtet von der neuen E-Sport-Abteilung der Aachener Alemannia. Als Austragungsort für das Turnier, welches erstmals 1994 ausgetragen wurde, wählten die Veranstalter die Spielbank Aachen aus. „Dieser Ort ist natürlich ideal für ein Finale, die Spielbank stellt als unser Partner die Räumlichkeiten, die sich dazu noch unter einem Dach mit dem Tivoli befinden“, freut sich der 34-jährige Daniel Peters, Gründungsmitglied der neuen Vereinsabteilung.

Im weltbekannten Fußball-Simulatorspiel „Fifa 18“ konnten sich im Rahmen des Wettbewerbs in den letzten Wochen Spieler aus der Region, aber auch aus dem deutsch-sprachigen Ausland im 1-gegen-1-Duell mit ihren Gegnern messen. Die besten Spieler der Vorrunde, unter anderem im Aachener Klömpchensklub ausgetragen, wurden am Samstag zur Finalrunde eingeladen. Aufgrund des Finalaustragungsortes betrug das Mindestalter zur Teilnahme 18 Jahre. „Es ist aber geplant, in den nächsten Turnieren auch jüngere Spieler an den Start zu lassen“, erklärt Peters.

Ein Beitrag zur Stabilisierung der Alemannia

Mit der Gründung der Aachener E-Sport-Mannschaft, zu deren Bestätigung noch einige Dokumente fehlen, erhoffen sich er und Mitgründer Gregor Forst einen Beitrag zur Stabilisierung einer erfolgreichen Zukunft des Vereins leisten zu können. „Wir möchten hier etwas Nachhaltiges aufbauen, mittelfristig wollen wir auch andere Spiele wie Pro Evolution Soccer oder Hearthstone in unserer Mannschaft etablieren.“ Bei letzterem handelt es sich um ein Online-Sammelkartenspiel.

Um neue Spieler anzuwerben, ist der Dr. Forstbach-Cup optimal für die Veranstalter. „Neben einem Preisgeld von 150 Euro und einem Pokal bieten wir dem Sieger natürlich auch einen Platz in unserem Team an. Aber auch auf den Zweit- oder Drittplatzierten werfen wir ein Auge“, erläutert Peters. Vorwiegend nehmen bei dem Turnier Hobby-E-Sportler teil, jedoch erfordert es eine Menge Spielzeit, um ganz vorne mit dabei zu sein. „Man sollte schon jeden Tag ungefähr acht Stunden üben, um wirklich besser zu werden. Gerade, wenn man wie ich den Traum hat, später einmal Geld damit zu verdienen,“ stellt Juneid El-Mahmoud klar.

Dass dies möglich ist, zeigen Profi-Spieler wie etwa Niklas Raseck vom VfL Bochum oder Mo Aubameyang von Werder Bremen. Auch in Deutschland tritt die neue Sportart somit allmählich seinen Siegeszug an. Zudem soll sie in naher Zukunft olympisch werden.

„Leuten, die E-Sport nicht als richtigen Sport anerkennen, sage ich, dass Schach dann ebenso wenig als Sport zu bezeichnen wäre“, zeigt der belgische Teilnehmer Sven Mertens wenig Verständnis für Kritiker. Die Geldprämie gab es am Ende für Rabhi Musa, der sich im Finale deutlich mit 6:1 gegen seinen Kontrahenten Tobias Theiner durchsetzte.

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