Aachen: E-Bikes: Projekt „Velocity Aachen“ nimmt jetzt richtig Fahrt auf

Aachen: E-Bikes: Projekt „Velocity Aachen“ nimmt jetzt richtig Fahrt auf

Eine „große Begeisterung“ habe geherrscht, als man sich 2013 an das Projekt „Velocity Aachen“ herangewagt habe, blickt Professor Achim Kampker (RWTH-Lehrgebiet für E-Mobilität und Geschäftsführer der Streetscooter GmbH) zurück. Inzwischen sei das Projekt mit den elektrogetriebenen Leihfahrrädern auch auf einem guten Weg. Zwischenzeitlich sei das durchaus mal anders gewesen.

Denn der Weg, den das Projekt Velocity zunächst nahm, war uneben und etwas steinig. So mussten die beiden jungen Geschäftsführer der Velocity GmbH, Tobias Meurer und Dennis Brinckmann, einige Startschwierigkeiten überwinden und sich außerdem des Öfteren in den zuständigen städtischen Ausschüssen verantworten, so jüngst noch im Mobilitätsausschuss der Stadt. Der stellte fest, dass das Vorzeigeprojekt der vorgegebenen Planung hinterherhinke.

Pedelec-Station FH

„Es ist sicher so, dass wir etwas Zeit verloren haben“, gesteht E-Mobilitätsexperte Kampker. Aber der Ideengeber ist momentan guten Mutes und erinnert sich gerne an das Team „von 20 bis 30 völlig begeisterten Studierenden“, die sich damals im Jahr 2013 auf die Fahne geschrieben hatten, das Thema ausleihbare E-Bikes in Aachen so richtig nach vorne zu bringen. Man habe dann im Verlauf der Gründung die anstehenden bürokratischen und praktischen Hürden unterschätzt, auch technische Fragen hätten gelöst werden müssen, um den heutigen Stand zu erreichen.

Denn um ein klaglos funktionierendes öffentliches Leihsystem ans Laufen zu bringen, benötige man „bis zu 100 Standorte“ für die Leihfahrräder in der Stadt. Je mehr man habe, desto besser funktioniere das Leihsystem, um die Kunden zufriedenzustellen. „Am besten sieht man als Nutzer vielleicht alle 300 Meter eine Station“, sagt Kampker, dann sei der Kunde auch sicher, das geliehene Rad wieder in einem Ständer unterbringen zu können, psychologische Momente im Service spielen also auch eine gewichtige Rolle.

Der Ist-Stand sei momentan folgender: Sieben Stationen, eine ist etwa am Informatikcenter auf der Hörn zu besichtigen, sind inzwischen fertig, vier weitere konkret im Aufbau und neue sechs Standorte sind von der Verwaltung genehmigt. Das Genehmigungsprozedere war für die motivierten jungen Leute jedoch zunächst gewöhnungsbedürftig. So mussten beispielsweise Besitzverhältnisse für die Stromanlieferung im RWTH-Bereich, in dem die Hochschule Sonderrechte hat, vertraglich gelöst werden. Nicht jeder kann hier einfach an die Leitungen heran, um die Lade- und Servicestationen mit Energie zu versorgen.

Eine große Herausforderung sei auch die technische Ausstattung des Systems gewesen, berichtet Kampker. Doch die Lösung dieser Frage gilt jetzt als das große Plus der neuen Aachener Entwicklung, die an Investitionen rund vier Millionen Euro verschlingen wird. „Wir konnten auf dem gesamten Markt keine E-Fahrräder finden, die den Anforderungen standgehalten hätten“, erklärt der Professor die Lage. Also entwickelte man die Maschinen selbst. Sie wurden zum Teil in China gefertigt, ebenso wie die Ladestationen für die Bikes.

Das habe den schönen Effekt gehabt, dass inzwischen eine Menge Anfragen von Städten oder auch Institutionen, etwa Verkehrsbetrieben, nach dem Velocity-Projekt auf dem Tisch lägen, sogar Besucher kämen in die Kaiserstadt, um alles zu begutachten. Das seien gute Aussichten für einen weiteren Aachener Exportschlager aus dem Bereich der E-Mobilität neben dem Streetscooter.

Er halte weiter daran fest, versichert Kampker, dass man einen Pool von etwa 100 Stationen anstreben müsse. Weiter arbeite man selbstverständlich mit anderen Verleihsystemen wie Cambio oder eben der Aseag zusammen. „Damals betrieb die Bahn nur drei Fahrrad-Verleihstationen“, erinnert der Professor, das sei einfach zu wenig gewesen.

Nicht alleine auf die Hardware sind die Pedelec-Verleiher inzwischen stolz. Man habe ebenfalls zwangsläufig eine neue Verleih-Software für die Fahrradstationen entwickeln müssen. Das sei gelungen, nun könne man ein Komplettpaket anbieten. Mittlerweile braucht man nur ein internetfähiges Handy, um sich an jeder beliebigen Station ein Pedelec leihen zu können.

Die erste halbe Stunde für den Betrieb des geliehenen E-Drahtesels ist jeweils frei, das heißt, man könnte E-Bike-Hopping durch die ganze Stadt machen, wenn denn die Verleihstationen künftig flächendeckend in Aachen verteilt sind. Die Werkstatt für die Velocity-Zweiräder arbeitet jedenfalls schon fleißig und ist zentral nahe dem Ponttor untergebracht.

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