Aachen: Durchs Fenster in die Freiheit

Aachen: Durchs Fenster in die Freiheit

Es liegt wohl in der Familie: Auch der Bruder des Fassadenkletterers, der derzeit in Aachen vor Gericht steht, hat zahlreiche Einbrüche im Dreiländereck verübt und sich spektakulär der Haft entzogen.

Der 30-Jährige war Anfang Februar zum Beispiel bei einer Vernehmung im Eupener Justizgebäude durch ein geschlossenes Fenster fünf Meter in die Tiefe gesprungen und entkommen.

Knapp zwei Wochen später war er im Essener Rotlichtmilieu durch ein Sondereinsatzkommando verhaftet worden. Seitdem sitzt er in er in der Essener Justizvollzugsanstalt eine Reststrafe in der Gesamthöhe von zweieinhalb Jahren ab, in Aachen verhängt wegen diverser Einbrüche.

In der Halloween-Nacht war der 30-Jährige spektakulär in Aachen in Erscheinung getreten, bei einem Einbruch in einem Haus in Schmithof wurde unter anderem ein Waffenschrank aufgebrochen. Weil Zeugen einen Schuss hörten, setzte die Polizei einen Hubschrauber ein - ohne schnelles Ergebnis. Das hatte die belgische Polizei, die im Januar zwei Einbrecher fasste. Einer von ihnen packte aus und gestand unter anderem den Einbruch in Schmithof. Pistolen und Gewehre habe man in einem Weiher in Kelmis entsorgt, Taucher bargen die Schusswaffen denn auch wenig später.

Trotz Bewachung gelang es dem 30-Jährigen aus Montenegro, in Eupen aus dem Justizgebäude zu springen. In Essen wurde er schließlich festgenommen, ohne Widerstand zu leisten. Belgien hat inzwischen die Auslieferung beantragt, insgesamt werden dem Mann 30 Wohnungseinbrüche und Pkw-Aufbrüche zur Last gelegt. Verschiedene Behörden in Essen, Hamm und Aachen sind auf deutscher Seite mit dem Fall befasst, die Staatsanwaltschaft Aachen hat aufgrund der Erkenntnisse aus Eupen ein Strafverfahren eingeleitet, sagt Pressedezernent Robert Deller auf Anfrage.

Dem drei Jahre älteren Bruder, der vor einem Jahr im Ostviertel festgenommen worden war, wird vorgeworfen, bei 45 Einbrüchen im Grenzgebiet Beute in der Euregio gemacht zu haben. Er hatte sich an Feuerleitern oder Regenrinnen bis in die dritte Etage hochgehangelt, mit wenigen Schritten Anlauf eine drei Meter hohe Mauer übersprungen und war während einer wilden Autojagd mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 220 Stundenkilometern in den Niederlanden bei Tempo 60 aus einem fahrenden Wagen gesprungen.