Aachen: Durchgangsverkehr soll runter vom Inneren Ring

Aachen : Durchgangsverkehr soll runter vom Inneren Ring

Noch sind Autos das beherrschende Verkehrsmittel auf dem etwa 2500 Meter langen Grabenring, doch das soll sich ändern. Mit dem Ausbau der sogenannten Radvorrangrouten im Stadtgebiet wollen Politik und Verwaltung den inneren Grabenring zum neuen Verteilerring für den Radverkehr umfunktionieren.

Einen ersten Vorgeschmack auf dieses Projekt wollen Umwelt- und Verkehrsverbände am morgigen Samstag mit einer Demonstration „Grabenring fahrradfreundlich — Jetzt“ geben. Und politisch wollen nun auch die Grünen Nägel mit Köpfen machen.

Gerangel um den knappen Platz: Fahrradfahrer fühlen sich auf dem Grabenring, wie hier am Alexianergraben, oft unwohl. Das soll sich ändern, fordern Grüne und Umweltverbände. Zuletzt nahmen Radfahrer bei der Anti-Atomkundgebung „Tour Becquerel“ (kleines Bild) den Grabenring in Beschlag. Foto: Krömer/Steindl

Es sei zwar politischer Konsens, den Radverkehr im Stadtgebiet zu fördern und auch auf dem Grabenring sicherer zu machen, erklärte Grünen-Verkehrspolitiker Wilfried Fischer auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, noch aber wisse niemand, wie dies eigentlich geschehen soll.

Mit seinem doch eher knapp bemessenen Straßenraum ist der Grabenring für Radfahrer bislang alles andere als eine gemütliche Strecke. Angesichts der Vielzahl von Pkw, Bussen und Lieferwagen, die sich dort täglich durchs Stadtzentrum wälzen, machen es auch die bislang markierten Radspuren nicht besser, meint Fischer. Vom Flair her strahle der Grabenring aus, dass Radfahrer dort nur eine Randgruppe sind, findet er. „Das wollen wir ändern.“

Ein Workshop soll es richten

Die Grünen regen daher einen Workshop an, in dem sich möglichst schon ab Herbst die unterschiedlichsten Verkehrsfachleute aus Politik, Verwaltung und Verbänden mit der Umgestaltung des Grabenrings beschäftigen sollen. Ziel müsse es sein, den motorisierten Durchgangsverkehr möglichst vom Grabenring fernzuhalten. Einzig Busse und Radfahrer sollten ihn künftig noch auf voller Länge umrunden können.

Unterbrochen ist der Grabenring zurzeit für den normalen Pkw-Verkehr nur am Elisenbrunnen. Geplant war etwas ähnliches einst auch am Templergraben, doch dort fließt der Verkehr trotz der verkehrsberuhigend wirkenden Neupflasterung vor Super C und RWTH-Hauptgebäude im Grunde wie eh und je. Mit einer sogenannten Schleifenerschließung könne der Durchgangsverkehr vom Grabenring leicht verbannt werden, glauben die Grünen, die unter anderem im niederländischen Groningen auf diese Idee gestoßen wurden. Heißt: Vom Alleenring aus könnten Autofahrer künftig nur noch gezielt über bestimmte Stichstraßen ins Zentrum vorstoßen, sie würden aber dann auch schnell wieder über eine Schleife zum Alleenring zurückgeführt. Der Vorteil: Die Innenstadt bleibt für ortskundige Anwohner und Lieferanten mit Pkw überall erreichbar, vermeintlich schnelle Durchfahrten aber werden unterbunden.

Das verschaffe Radfahrern Luft und Sicherheit, sind die Grünen überzeugt. Und das sei nötig, wenn man den Radverkehrsanteil von derzeit mageren elf Prozent spürbar anheben will. Das Ziel von 30 Prozent hält Fischer für erreichbar, „wenn man daran arbeitet“.

Die „Schleifenerschließung“ ist freilich nur eine von vielen Überlegungen, die die Grünen ins Gespräch bringen. Sie halten auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung für nötig, wobei Radfahrer und Pkw etwa im gleichen Tempo gleichberechtigt unterwegs wären. Auch die Ampelphasen sollten auf Radfahrertempo abgestimmt werden. Abstände zu parkenden Fahrzeugen müssten vergrößert werden, teils müssten wohl auch Parkplätze geopfert werden — so etwa am Alexianergraben, wo es durch Querparker und hohe Geschwindigkeiten auf der Gefällstrecke immer wieder zu gefährlichen Situationen komme. Auch müsse der Grabenring deutlich als „Herzstück“ des Radvorrangroutennetzes gekennzeichnet werden.

Den Planern wolle man freilich nicht vorgreifen, betonen die Grünen, die aber von der Notwendigkeit der Umgestaltung überzeugt sind. „Es ist das Jahr der Radfahrer“, sagt Grünen-Referentin Relindis Becker, die damit auch auf die schlimmen Unfälle mit tödlichem Ausgang anspielt. Sie hätten noch einmal allen vor Augen geführt, dass mehr für den Schutz der Radfahrer getan werden müsse.

„Der Wille ist da, etwas zu ändern“, sagen die Grünen, die nun hoffen, dass ihr Antrag auch von der schwarz-roten Ratsmehrheit unterstützt wird. Wenn es in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause am 12. Juli das Okay gibt, könnte der Workshop bereits im Herbst einberufen werden. Im Idealfall könne die Umgestaltung des Grabenrings 2019 erfolgen.