Aachen: „Drei Steine“-Werkschau: Comics als Medium für schwierige Themen

Aachen : „Drei Steine“-Werkschau: Comics als Medium für schwierige Themen

„Ich sage meine Meinung gegen Nazis, das hätte mich fast umgebracht“, sagt Nils Oskamp. Der Illustrator erzählt in seiner autobiografischen Geschichte „Drei Steine“ über seine Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld, wo er Opfer rechter Gewalt wurde.

Er dokumentiert, wie die rechtsradikalen Jugendlichen damals fast ungestraft davonkamen und es bis in die Politik schafften. Sein Buch ist nun als ein mahnendes Werk gegen Rechtsradikalismus in der Ausstellung „Graphic Novel — Drei Steine“ in der Stadtbibliothek Aachen zu sehen.

Comiciade-Organisator Alexander Samsz weiß: Comics und sogenannte „Graphic Novels“ sind, nicht wie häufig angenommen, nur etwas für Kinder, sondern sie sind oft ein Ausdrucksmedium für schwierige Themen. Das trifft auch auf die Illustrationen von Nils Oskamp zu, der rechtsextreme Gewalt thematisiert.

Er selbst erlebte die Ohnmacht und Angst der Bevölkerung gegenüber den Gewaltübergriffen. Sichtlich ergriffen schildert er seine Geschichte. Als einer seiner Mitschüler in der Schulklasse den Holocaust verleugnete und weitere Nazi-Parolen propagierte, lehnte sich Oskamp dagegen auf und wurde so zur Zielscheibe der Neonazis. Ein Kampf ums Überleben begann.

In eindringlichen Bildern zeigt er im Comic, wie die Lehrer und die Polizei die Bedrohung nicht ernst nahmen und auch die Familie die Gefahr nicht erkannte. Mehrfach wurde er von Neonazis krankenhausreif geschlagen. Die Spirale der Gewalt eskalierte und gipfelte in zwei Mordanschlägen.

Heute liest Oskamp vor Schulklassen und an Holocaust-Gedenkstätten vor. „Diese Werkschau trifft unseren Wunsch nach Aufklärung und Information und gibt uns die Möglichkeit, als Bibliothek Position zu beziehen“, betont Manfred Sawallich, Leiter der Stadtbibliothek Aachen zur aktuellen Ausstellung.

Durch Unterstützung der Amadeu-Antonio-Stiftung ist „Drei Steine“ als spezielle Schulausgabe erhältlich. „Ein Comic ist das perfekte Medium, er holt die Schüler altersgerecht ab, so können sie ins Thema einsteigen“, betont Silke Peters, zuständig für das Programm „Miteinander gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ im Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion Aachen.

Seit dem Jahr 2000 fördert die Städteregion Aktivitäten, die das Miteinander stärken sollen. „Es ist wichtig, schon früh gegen den Rassismus im Alltag vorzugehen, Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen. Es geht um den Boden, auf den der Rechtsextremismus fällt. Und das passt auch zur aktuellen politischen Diskussion“, betont Silke Peters.

(krü)
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