Dr. Andreas Beitin zieht Bilanz als Leiter des Aachener Ludwig Forums

Bilanz zum Abgang von Andreas Beitin : Viele Schätze neu ins Licht gerückt

Wenn Dr. Andreas Beitin in diesen Tagen seine fast genau dreijährige Tätigkeit als Direktor des Ludwig Forums Revue passieren lässt, hat man durchaus nicht den Eindruck, dass der Blick zurück vornehmlich von Zorn geprägt wäre.

Auch wenn der Wechsel des 50-Jährigen an die Spitze des Kunstmuseums Wolfsburg zum 1. April nicht zuletzt von  zunehmenden „Reibungsverlusten“ mit der Verwaltung begleitet war.

Nachkarten indes ist Beitins Sache nicht. Zumal zahlreiche Kunstfans und -schaffende ihm seinerzeit mit leidenschaftlichen Lobreden zur Seite gesprungen sind. Und ihrerseits geharnischte Kritik am Umgang der städtischen Politik mit dem scheidenden Museumschef geübt haben.

Beitin betont allerdings, dass er seine Etats unterm Strich keineswegs überzogen habe. Und erinnert sich ansonsten lieber an so manchen kuratorischen Trumpf, den das Team von der Jülicher Straße unter seiner Leitung dank erfolgreicher Akquise und höchstkarätiger Sammlung erfolgreich ausgespielt hat. „Ich denke, ich kann eine sehr zufriedenstellende Bilanz aus meiner Arbeit in Aachen ziehen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei auch und gerade auf das außerordentliche Engagement seiner Mitarbeiter zurückzuführen.

Dreimal ausgezeichnet

Ein ziemlich bescheidenes Statement, wenn man bedenkt, dass Beitin respektive seinem Haus allein in den vergangenen beiden Jahren drei prominente Auszeichnungen zuteil wurden. Für die Präsentation über den gebürtigen Aachener Mies van der Rohe wurde er, gemeinsam mit seiner Vorgängerin und aktuellen Vorsitzenden der Peter- und Irene-Ludwig-Stiftung, Dr. Brigitte Franzen, sowie Lufo-Mitarbeiter Holger Otten mit dem Justus-Bier-Preis geehrt. Die 68er-Schau „Flashes of the Future“ wurde vom internationalen Kritikerverband AICA als Ausstellung des Jahres 2018 gewürdigt – und das Forum als solches sogar zum Museum des Jahres gekürt.

Auch seinem frühzeitig formulierten Anspruch, das Haus – apropos Forum – stärker für weniger „kunstaffine“ Menschen zu öffnen, habe er sehr wohl gerecht werden können, neue Formate in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Hochschulen entwickelt, Symposien und Vorträge organisiert, einen Geldgeber ins Boot geholt, um das Lufo donnerstags zum Nulltarif öffnen zu können. „Die Besucherzahlen sind durchaus gestiegen – allein im Jahr 2017 haben wir ein Plus von fast 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet“, stellt er fest. Mehr als zwei Millionen Euro habe er selbst über Sponsoren, Stiftungen und aus staatlichen Töpfen zusammengetragen. „Ohne diese Drittmittel würde es überhaupt nicht gehen“, betont Beitin.

Zumal auch die Finanzierung der – unabdingbaren – Werbemaßnahmen seit Jahr und Tag im Rahmen des ohnedies knapp bemessenen städtischen Budgets gestemmt werden müsse, wie auch Brigitte Franzen unterstreicht. „Zumindest für das Marketing müsste es einen eigenen Etat geben. Wenn wir etwa auf den ,City-Lights‘ in Köln präsent sind, steigt die Zahl der Besucher sofort“, weiß Franzen. Das aber sei allenfalls mit der Ausstellungstrias zum Karlsjahr oder den Präsentationen „Hyper Real“ im Forum und „Hans von Aachen“ im Suermondt-Ludwig-Museum der Fall gewesen. „Hier müsste noch viel mehr geschehen.“

Jüngste Bestrebungen der Ratsparteien, die Kunsthorte unter einem neuen gemeinsamen Dach, etwa in Gestalt eines Eigenbetriebs, zusammenzuführen, steht auch Franzen daher durchaus positiv gegenüber. Um einen frischen, kompetenten Kopf für das Lufo zu gewinnen, müssten die Arbeitsbedingungen in den Museen allerdings noch besser werden, glaubt sie. Ohnehin sei der Kulturbetrieb, dem die Museen zugeordnet sind, in den vergangenen Jahren mit etlichen weiteren Aufgaben betraut worden.

Allerdings halte sie es nicht für zielführend, eine Art Generalintendanten an deren Spitze zu stellen. „In jedem Haus muss es einen Experten geben, der den Hut auf hat.“ Es gebe aber viele Querschnittsaufgaben, die man gemeinsam angehen könne und sollte – gerade im kaufmännischen Bereich. Franzen plädiert deshalb vehement dafür, diese verwaltungstechnischen Verantwortlichkeiten für die Museen, deren Schätze in großen Teilen auf der Sammlung des Sammlerpaars Peter und Irene Ludwig basieren, in einer neuen Organisationsform außerhalb des Kulturbetriebs zu bündeln.

Im Übrigen garantiere das Vermächtnis von Irene Ludwig die Eigenständigkeit des Ludwig Forums ebenso wie die des Suermondt-Ludwig-Museums. Die gemeinsame Marschrichtung könnte vielmehr durch einen Vorstand bestimmt werden, dem alle Museumsleiter angehören. „Es ist gut, dass die Stadt jetzt externe Fachleute als Berater hinzuziehen will. Eine Neustrukturierung der Museumslandschaft ist auf jeden Fall nötig“, glaubt auch Beitin.

Denn: „Es kann eigentlich nicht wahr sein, dass das weltberühmte Sammlerpaar Ludwig im Allgemeinen immer noch eher mit Köln in Verbindung gebracht wird“, findet Franzen. Schließlich könne sich die Stadt mit ihren spektakulären Schätzen auch international noch weit besser profilieren – und so noch mehr Touristen locken. Selbst in China sei der Name Ludwig inzwischen bestens bekannt. „Da müsste es doch gelingen, zumindest alle drei Jahre einen großen, gemeinsamen Aufschlag zu inszenieren, wie es im Karlsjahr der Fall war oder demnächst auch bei den Dürer-Ausstellungen in drei städtischen Häusern zu erwarten ist.“

Andreas Beitin freilich hat sich in seinem neuen Wirkungskreis in Niedersachsen alsbald ganz anderen Herausforderungen zu stellen.