Aachen: Doppelte Premiere für „Die Wand“ im Theater Aachen

Aachen : Doppelte Premiere für „Die Wand“ im Theater Aachen

Wenn das nicht spannend wird. Die Theatermacher laden am Freitag gleich zweimal ein. Um 19 und um 21 Uhr öffnen sich die Türen in der Kammer des Theaters Aachen. Nach dem berühmten Roman „Die Wand“ der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970) bringt Regisseur Paul-Georg Dittrich in Aachen jetzt seine Fassung auf die Bühne.

Schon in „Orlando“ und „Der Auftrag“ hatte der Regisseur mutig seine eigene Handschrift gezeigt, auch durch Einbeziehung von audiovisuellen Medien und experimentellen Spielformen.

In dem fast apokalyptischen Roman „Die Wand“ nahm Marlen Haushofer 1963 bereits etliche „Freiheitsbestrebungen“ der späteren Frauenbewegung vorweg, so sieht es die Dramaturgin Inge Zeppenfeld. Auch der Film mit Martina Gedeck und die Wiener Burgtheater-Fassung zeigten schon „die assoziative Vieldeutung des Themas“, sagt Regisseur Dittrich. Ihn hat es sehr gereizt, „den Prosastoff zum Bühnenleben zu erwecken.“ Er will „keine Manierismen, sondern die Worte wie einen eigenen Film triggern.“

Urplötzlich allein

Die Handlung wirkt schlicht, fast spröde. Eine kleiner Wochenendausflug zu dritt sollte es werden in der Jagdhütte in den Bergen. Die namenlose Frau sieht sich jedoch urplötzlich völlig allein. Die Cousine und ihr Mann kommen von ihrem Dorfgang nicht zurück. Eine undurchdringliche Wand ist urplötzlich da und versperrt alle Wege.

Völlig zurückgeworfen auf sich selbst, muss die frau mit ihrer Situation fertig werden. Hund, Katze, eine Kuh und einige Essensvorräte sind da — die Natur hat jetzt das Sagen. „Ich fühlte weder Kummer noch Verzweiflung“, schreibt Haushofers namenlose Frau in ihr Logbuch. Auf Katja Zinsmeisters Auslotung dieses Menschen darf man gespannt sein.

Anders als bei den französischen Existenzialisten Camus oder Sartre denkt Haushofers Figur nicht an Selbstmord. Sie erlebt sogar „betörend schöne Momente“, auch im Herbst „mit röhrenden Hirschen“. Fast wie eine Befreiung und Selbstfindung erlebt dieser namenlose Mensch seine Situation.

85 Minuten dauert das Stück, in dem die Frau ihre Isolation fast auskostet. Die Handlung, wie gesagt, wirkt schlicht, fast spröde. Und bietet doch ganz andere Aspekte von Freiheit und Loslassen.

„Die Wand“ nach dem Roman von Marlen Haushofer feiert zweimal Premiere am kommenden Freitag, 23. September, einmal um 19 Uhr und nochmals um 21 Uhr. Besuch in der Kammer haben also die Auswahl.

Weitere Vorstellungen gibt es am 30. September sowie am 8., 12., 18. und 22. Oktober, außerdem am 4., 12., 19. und 25. November sowie am 4., 8., 11., 17. und 23. Dezember.

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