Aachen: Domsanierung vorübergehend abgeschlossen

Aachen : Domsanierung vorübergehend abgeschlossen

„Prächtig”, ist der erste Gedanke, wenn man den Aachener Dom betritt. Die Deckenmosaike glänzen um die Wette - kein Gerüst steht mehr im Weg, alles glänzt im strahlenden Licht der Installation von Stefan W. Knor, die seit der Kirchennacht noch ein paar Tage die Mosaike anleuchtet. Der Aachener Dom ist zu Recht das erste deutsche Unesco-Kulturwelterbe geworden.

Wer aber geglaubt hat, dass mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten am Dom die Handwerker demnächst arbeitslos sind, der hat sich geirrt. Denn im nächsten Jahr geht es weiter, obwohl endlich die Grundsanierung der Kathe­drale fertig ist. Immerhin, 25 Jahre sind seither vergangen.

Im Jahr 1986 wurde die Taufkapelle als erstes Objekt wiederhergestellt, seither sind 35 Millionen Euro in den Erhalt des geschichtsträchtigen Gotteshauses, in dem knapp 400 Jahre lang die deutschen Könige gekrönt wurden, geflossen. „Der Dom strahlt wieder, aber uns war in erster Linie die Substanzerhaltung wichtig”, sagt Helmut Maintz, der Dombaumeister.

Dafür sorgten Handwerker, die seit Beginn der Sanierungsarbeiten vor 25 Jahren insgesamt 84.000 Tage gearbeitet haben. So steht es zumindest im Bautagebuch, das mit seinen 3500 Seiten jeden Arbeitsschritt der Bauarbeiten dokumentiert. „Das sind wichtige Informationen für die nachfolgenden Generationen. Die wissen dann, wie wir vorgegangen sind und welche Materialien wir benutzt haben”, erklärt Maintz.

„Möglich gemacht haben die Sanierungsarbeiten drei Säulen”, weiß Roland Wentzler, der für das Domkapitel die Öffentlichkeitsarbeit macht. Diese drei Säulen setzten sich zu jeweils einem Drittel aus dem Karlsverein/Dombauverein, der Aktion „Der Aachener Dom braucht Hilfe!” und der Europäischen Stiftung für den Aachener Dom zusammen.

„Hilfe seit 160 Jahren”

Der Karlsverein/Dombauverein, 1847 gegründet, war eine der ersten Bürgerinitiativen von Aachen, 250.000 Euro steuert er jährlich für den Erhalt des Münsters bei. Mit eigenen Projekten und Spendenaufrufen setzt er seit mehr als 160 Jahren eigene Akzente. Mittlerweile zählt er 2400 Mitglieder. Die zweite Säule, „Der Aachener Dom braucht Hilfe!”, war eine Initiative vom legendären und unvergessenen Dompropst Hans Müllejans, den der Landesvater und nachmalige Bundespräsident Johannes Rau einmal einen „begnadeten Bettler” nannte.

Gestartet wurde die Initiative 1988, sie macht durch Konzerte, Turniere und Spiele auf sich aufmerksam. Müllejans verkaufte sogar auf dem Katschhof für seinen heißgeliebten Dom Puffele. Rund 8000 Spender sind im Verzeichnis und sorgen mit dafür, dass Aachens bedeutendstes Bauwerk in Schuss bleibt.

Als dritte Säule gründeten Dompropst Müllejans und sein Domkapitel 1995 die „Die Europäische Stiftung für den Aachener Dom”. Die Kuratoren und Ehrenkuratoren stammen aus verschiedensten Ländern. „Wir freuen uns natürlich sehr, dass die Menschen Geld für den Dom springen lassen”, beteuert Dompropst Helmut Poqué und verspricht, dass auch künftig kein Eintritt für den Dom verlangt wird. „Trotzdem”, meint Maintz, „wenn jeder der jährlich rund eine Million Besucher einen Euro stiften würde, wäre das eine enorme Hilfe”.

Vor allem, weil für die nächsten Jahre bereits weitere Baumaßnahmen geplant sind. Zuerst sind der Dachstuhl und die Dacheindichtung der Nikolauskapelle in den Jahren 2012/2013 dran. Eine Million Euro wird der Spaß kosten. Ein Gerüste wird voraussichtlich im März hochgezogen. Danach wird das Sechzehneck vorgenommen. Seine Bleieindeckung muss dringend erneuert werden, weil die Bleiplatten zu groß bemessen waren und sich das Metall bei Sonneneinstrahlung ausdehnt, wodurch Risse entstehen. Deshalb gibt es derzeit ein Pilotprojekt mit Spezialisten der RWTH, bei dem die Risse mit zugeklebt werden.

Auch an der Nordseite hat Dombaumeister Maintz eine potenzielle Gefahrenquelle entdeckt: „Da wächst Moos. Das zerstört die Fugen. Deshalb fühlen sich Tauben dort besonders wohl, weil sie sich gut festhalten können und einen Platz zum Ausruhen haben. Maintz: „Unser Ziel ist es in Zukunft, Schäden zu erkennen, bevor sie entstehen. Wir müssen immer einen Schritt voraus sein”, formuliert der Dombaumeister. „Es ist nötig, so viel originale Bausubstanz wie möglich zu erhalten.”

Das alles geht auch in Zukunft nicht ohne Geld. Vor allem, weil die Zuschüsse aus den öffentlichen Kassen immer kleiner würden, wie Maintz bekümmert feststellt. Deshalb bitten Poqué und Maintz auch nach dem Abschluss der großen Sanierungsarbeiten um Spenden für den Dom: Sparkasse Aachen, Kontonummer 1255, BLZ 390 500 00 und Pax-Bank Aachen, Kontonummer 1000 644 060, BLZ 370 601 93, Spendenkonto des Karlsvereins/Domvereins, Sparkasse Aachen, Kontonummer 128 561, BLZ 390 500 00.

Dankfeier des Domkapitels

Am kommenden Sonntag, 16. Oktober, beginnt um 10 Uhr im Aachener Dom ein festlicher Gottesdienst. An der Messe kann jeder teilnehmen. Während der Feier werden sogar die Kerzen am Barbarossaleuchter angezündet. Danach sind die Freunde und Förderer zu einer Stunde der Begegnung in das Quadrum und den Kreuzgang eingeladen.

Gegen 11.30 Uhr wird die Kathe­drale für alle offen sein. Kleine Konzerte werden geboten, zu jeder vollen Stunde wird ein Überblick über die Grundsanierung gegeben. Mit einer lateinischen Vesper klingt das Dankfest des Domkapitels aus.

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