Aachen: „DNA”: Turbulentes Stück über Gewalt im Theater-Jugendclub

Aachen: „DNA”: Turbulentes Stück über Gewalt im Theater-Jugendclub

Als der Zuschauer ins Geschehen einsteigt, ist das Unglück bereits passiert: „Irgendwie verarschen” wollten John und seine Freunde den Altersgenossen Adam. Prügel und Demütigungen gehören da natürlich dazu, nicht allerdings, dass der Junge im Wald in einen tiefen Schacht stürzt.

Jugendgewalt, Gruppenzwang, Mitläufertum: Mit seiner neuen Produktion „DNA” begibt sich der Jugendclub U21 des Aachener Theaters im Mörgens auf literarisch erschlossenes Terrain. Und hat sich mit dem Schauspiel des Engländers Dennis Kelly eine sehr junge Abhandlung der Themen ausgesucht. Was nicht nur zum „jungen Spielort” in der Mörgens-straße passt, sondern auch zu den Mitgliedern des Jugendclubs U21, die bei der Premiere am Donnerstag auf der Bühne standen.

„Tote Menschen gehören nicht zum Plan”, stellt einer aus Johns (Tarek Meyr) Gefolgschaft fest, nachdem das gemeinsame Opfer (Rainer Wissing) in den Schacht gestürzt ist. So ist plötzlich der Einfallsreichtum von Obernerd Phil (Philipp Andrzejewski) gefragt, der auch prompt einen Ausweg weiß. Der Verdacht soll auf einen Exhibitionisten in Postbotenuniform gelenkt werden. Besondere Merkmale: fett, ansetzende Glatze, schlechte Zähne.

Das klingt nur so lange hanebüchen, bis die Polizei tatsächlich einen Mann auftut, auf den das herbei phantasierte Täterprofil passt. Was auch Johns gewaltbereite Truppe nicht ahnt: Es gibt nicht nur den meuchelnden Briefträger nicht, sondern auch keine Leiche: Denn Adam ist zwar verschwunden, hat den Sturz in die Tiefe jedoch überlebt.

Philosophische Exkurse

18 Laiendarsteller zwischen 16 und 21 Jahren teilen sich im Mörgens die Bühne. Dass das Ensemble damit eigentlich überdimensioniert ist, schadet der Umsetzung des turbulenten Stoffs nicht. Die tatsächlichen Sprechrollen bleiben auf wenige Schultern verteilt, dafür, dass alle zum Zuge kommen ist auch mit kurzen philosophischen Exkursen gesorgt.

Und die professionellen Schauspielerinnen Katja Zinsmeister, Emilia Rosa de Fries und Nadine Kiesewalter, die den Jugendclub mit Unterstützung von Dramaturgin Katharina Rahn leiten, hatten offenbar auch bei den vorangegangenen Workshops und Proben keine zu großen Probleme gehabt, den theaterbegeisterten Schülern das kleine Einmaleins der Schauspielerei nahezubringen: Dass man Hemmungen haben darf, so lange man sie nicht zeigt, dass die Körpersprache zur Mimik und diese zum Gesagten passen muss, und dass immer auch der mitspielen muss, der gerade nicht im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

Und nicht zuletzt: Wie man nach guten 60 Minuten den Applaus des Publikums entgegennimmt.

Die weiteren Vorstellungen von DNA: Montag, 20. Juni, Freitag, 24. Juni, Donnerstag, 30. Juni, Samstag, 9. Juli, Sonntag, 10. Juli, und Donnerstag, 14. Juli. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Mörgens. Kartentelefon Tel. 0241/4784-244.