Aachen: Diskussion zur Antoniusstraße: Empörung über Hinhaltetaktik

Aachen : Diskussion zur Antoniusstraße: Empörung über Hinhaltetaktik

Ganz und gar wenig trägt die Verwaltung zur Förderung eines freudvolleren Verhältnisses der politischen Entscheider zum umstrittenen Standort des zentralen Aachener Bordellhauses in der Antoniusstraße bei. Mit wachsender Empörung lauschte man jetzt im Planungsausschuss unter Punkt 7 „Bebauungsplanverfahren Antoniusstraße/Mefferdatisstraße“ dem „Bericht über den aktuellen Sachstand“.

Den Bericht gab bei diesem wichtigen innerstädtischen Entwicklungsthema kein Geringerer als der zuständige Baudezernent Werner Wingenfeld.

Doch die Gesichter im Ausschuss wurden immer länger, als Wingenfeld von einem Anhörungstermin der Verwaltung mit der Polizei berichtete. Ein durchaus brisantes Thema, da Oberbürgermeister Marcel Philipp sich im Schulterschluss mit Polizeipräsident Dirk Weinspach gegen den Verbleib der Bordelle in der Antoniusstraße ausgesprochen und für eine Verlegung an den Stadtrand votiert hatte.

Dies geschah völlig konträr zu einem Ratsbeschluss, nach dem die heutige Bordellnutzung bei einer Neubebauung nach den städtebaulichen Plänen der Architekten Chapman und Taylor in einem sogenannten Laufhaus an Ort und Stelle konzentriert werden soll.

Plötzliche Einwände

Was — nach früheren gegenteiligen Bekundungen — ebenfalls Investor Helmut Falter (Seniorchef Mayer‘sche Buchhandlung) auf den Plan rief. Falter passt das Ganze nicht mehr, ihm (oder der Erbengemeinschaft) gehören Grundstücke entlang der Nikolausstraße und der anschließenden Ecke zur Antoniusstraße.

Investor Norbert Hermanns (Immobilie Lust for Life) sieht wohl gleichfalls lieber ein rotlichtfreies Innenstadtgebiet, ist sich aber wenigstens mit dem dritten im Bunde, mit Investor Gerd Sauren, einig, zu den beschlossenen städtebaulichen Plänen, wie sie der jetzt offengelegte Bebauungsplan vorsieht, zu stehen. Auf diesem Hintergrund kam die Ankündigung des Baudezernenten, mutmaßlich noch „ein halbes Jahr“ die frühzeitigen „Einwendungen und Eingaben“ der Bürger wie der „Träger öffentlicher Belange“ — darunter fällt die Polizei — prüfen zu wollen, gar nicht gut an.

Sowohl der planungspolitische Sprecher der SPD, Bürgermeister Norbert Plum, wie der Sprecher der Grünen, Architekt Michael Rau, rochen den Braten, Plum: „Wieso so lange? Es liegen der Verwaltung doch bereits alle Eingaben und Stellungnahmen vor“, schimpfte Plum und beantragte auf der Stelle, beim nächsten Ausschusstermin Mitte November die Sache entscheidungsreif vorgelegt zu bekommen. Rau dieses Mal einer Meinung mit Plum: „Ich verstehe es nicht, wir haben einen eindeutigen Ratsbeschluss!“

Auch war CDU-Ratsfrau Gaby Breuer anscheinend richtig empört: „Daran hat sich ja nun nichts geändert! Es liegen doch klare Verhältnisse vor!“ Anscheinend nicht. Denn OB Philipp war jüngst unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Standortsuche gegangen, was eine kritische Ratsanfrage der SPD provozierte, die seitens der Verwaltung nichtssagend beantwortet wurde.

Polizeipräsident Dirk Weins­pach erläuterte am Freitag den „Nachrichten“ erneut seine Haltung: „Ich habe im Rahmen des förmlichen Verfahrens die Gelegenheit genutzt, unsere Standpunkte noch einmal darzulegen und eingehend zu erläutern. In einem konstruktiven Gespräch haben wir uns ausgetauscht. Somit hat die Stadt die Möglichkeit der Prüfung. Wir halten an unserem Standpunkt fest.“ Und der ist: Weg mit einem geschlossenen Bordell in der Antoniusstraße.

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