1. Lokales
  2. Aachen

Clubszene: Diskothek Nox steht jetzt auf Babypuder

Clubszene : Diskothek Nox steht jetzt auf Babypuder

Seit März sind die Clubs dicht. Nachtschwärmer fluten stattdessen die Parkanlagen. Während das Ordnungsamt auch wegen der vielen Ruhestörungen zu später Stunde durchgreift, ist im Franz nun ein erstes Testkonzert geplant.

Wo vor Monaten noch hunderte Partygänger dicht gedrängt sorglos die Nächte durchtanzten, liegt jetzt Babypuder. Sonst nichts. In der Diskothek Nox an der Blondelstraße 9 (vormals B9 und Metropol) haben schon Generationen junger Menschen gefeiert. Vor allem an Wochenenden, zuletzt 180 Nächte pro Jahr. Seit dem 7. März ist die Party aus. Genauso wie in anderen Clubs, etwa dem Franz in der Franzstraße 74.

Dort ist seit dem Coronavirus-Lockdown keine einzige Live-Veranstaltung über die Bühne gegangen. Derweil überschwemmen junge Leute die Parks. Das Ordnungsamt registriert eine Vielzahl von Ruhestörungen zu später Stunde.

Die gerade aktualisierte Coronaschutzverordnung macht weder Nachtschwärmern noch Clubbetreibern Mut – Diskobetrieb bleibt verboten, die Besucherkapazitäten bleiben im Rahmen der Hygienerichtlinien extrem bescheiden. Nox-Chef Jörg Friedrich und sein Betriebsleiter Yannik Alexa schreiben seit sechs Monaten bereits etliche hunderttausend Euro Umsätze ab, 75 Minijobber sind derzeit ohne Job – und eine junge Generation verliert den größten Club Aachens.

Seit Monaten dicht: Im Franz wurden alle Veranstaltungen abgesagt; im Oktober ist ein erster Konzert-Testlauf geplant. Foto: Robert Esser

Das hat Folgen. „Unsere Umsätze sind tatsächlich um 98 Prozent abgestürzt. Wir suchen nach kreativen Möglichkeiten, die Räume zu nutzen, stehen individuellen Ideen total aufgeschlossen gegenüber“, sagt Friedrich. Soforthilfe und Überbrückungshilfe gleichen die Verluste bei weitem nicht aus. So konnte in enger Abstimmung mit den Ordnungsbehörden im Mai die Tanzschule „Dance Fusion“ im Nox wieder Kurse anbieten. Natürlich im kleinen Kreis. Getanzt wird in markierten Rechtecken, möglichst ohne Körperkontakt.

Der Babypuder auf dem Boden erleichtert das Rutschen der Schuhsohlen bei den Tanzfiguren. Und abends? „Wir sind für Hochzeiten und Jubiläen und andere Anlässe zu haben“, erklärt Friedrich. „Trauerfeiern werden wir im Nox wohl eher nicht ausrichten“, stellt er nüchtern fest. Eine Anspielung darauf, dass in Nordrhein-Westfalen auch Beerdigungen mit bis zu 150 Teilnehmern wieder erlaubt wurden. Nur wenn das Ordnungsamt grünes Licht gibt, lässt Friedrich private Veranstaltungen in seiner 736 Quadratmeter großen Diskothek zu.

Ein „herausragender Anlass“ muss laut Coronaschutzverordnung aber gegeben sein. Allein 400 Quadratmeter misst der Hauptraum mit Theken, Licht- und Soundsystem sowie riesiger Leinwand und Beamer. „Möglicherweise wäre das ja auch für die Hochschule interessant, hier Vorlesungen oder Seminare abzuhalten“, sagt der Disko-Chef. „Für Getränke können wir jedenfalls problemlos sorgen...“ Und die Studenten kennen den Weg.

Anderswo in Aachen, zum Beispiel im Pontviertel, hat das Aachener Ordnungsamt schon Partys aufgelöst. Ein besonders cleverer Zeitgenosse hatte öffentlich zu einer „Geburtstagsfeier“ geladen und Eintritt erhoben. „Da mussten wir natürlich eingreifen“, bestätigt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt. Sie betont zudem: „Der Außendienst des Ordnungsamts bestreift die Aachener Parkanlagen weiterhin intensiv. Es geht dabei weniger um Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung als vielmehr um nächtliche Ruhestörungen.“ Partys unter freiem Himmel gibt es regelmäßig, vor allem aber an den Wochenenden: im Hangeweiher, im Frankenberger Park, im Westpark, am Haarberg, auf dem Lousberg.

Junge Leute wollen feiern, aber wollen alle Kulturfreunde auch in die Locations zurück? Diese Frage treibt Axel Heusch vom Franz um. Vor Corona hat er fünf Veranstaltungen pro Woche verkauft, vom Konzert bis zum Comedy-Event. „Wir mussten alles absagen. Und ich weiß auch nicht, ob wir in den kommenden Wochen wirtschaftlich vor weniger Publikum wieder Veranstaltungen anbieten können“, sagt er.

Normalerweise zählt das Franz 240 Sitzplätze, unbestuhlt dürfen 400 Besucher rein. Und jetzt? „Wir wissen es noch nicht, wir arbeiten mit den Behörden daran. Am 8. Oktober wollen wir eigentlich mit dem Musikkabarett ,Kaiser & Plain’ testen, was geht.“ Neben wirtschaftlichen Sorgen beschäftigen ihn vor allem die Sorgen des Publikums. „Ich glaube, dass viele Leute zunächst noch ängstlich bleiben. Dabei versuchen wir wirklich alles, um sichere Events realisieren zu können“, erklärt Heusch. Tanzen, dicht gedrängt, bleibt dabei tabu.