Dioxin: Aachen nimmt Proben

Erneut Messungen : Dioxin an der Inde? Stadt nimmt Proben

Nachdem im Kreis Düren und in der Städteregion überhöhte Werte festgestellt wurden, wird auch in Aachen gemessen

Während man sich im Kreis Düren schon konkrete Gedanken über die Ursachenforschung macht und in der Städteregion jüngst weitere Messungen angekündigt wurden, steht man in der Stadt Aachen noch ganz am Anfang – und das relativ gelassen. Denn die erhöhten Dioxin- und Schwermetallwerte, die zunächst in Inden und später auch in Stolberg und Eschweiler festgestellt wurden, haben zwar Schlagzeilen gemacht, aber lösen in der Aachener Stadtverwaltung keine große Besorgnis aus. „Wir haben bisher keine akute Lage“, sagt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt und wiederholt diesen Satz im Gespräch in verschiedenen Variationen noch zwei, drei Mal: „Es herrscht aktuell überhaupt keine akute Gefahr.“ Soll heißen: Man geht eigentlich nicht davon aus, dass ähnlich hohe Werte festgestellt werden wie in den Nachbargemeinden. In der Städteregion hieß es beispielsweise zuletzt, 20 von 40 Proben seien „auffällig“ gewesen – ohne dass über die Höhe der Werte Auskunft gegeben wurde.

Trotzdem schaut man in Aachen jetzt doch einmal nach, ob sich in den hiesigen Überschwemmungsgebieten der Inde Giftstoffe in bedenklicher Höhe angesammelt haben könnten – eine „rein vorsorgliche Maßnahme“, wie es heißt. Entlang des Flüsschens, das von Belgien aus aufs Stadtgebiet fließt und sich südlich von Brand durchs Indetal in Richtung Stolberg schlängelt, hat man 15 Messpunkte festgelegt, an denen insgesamt 30 Bodenproben entnommen werden – an jeder Stelle zwei, eine in weniger als zehn Zentimetern Tiefe, die andere in zehn bis 30 Zentimeter Tiefe.

Beschlossen wurde dies bei einem Treffen im Düsseldorfer Umweltministerium in der vergangenen Woche, als mit Vertretern des Kreises Düren, der Städteregion und der Stadt Aachen das weitere Vorgehen besprochen wurde. Doch während beispielsweise im Kreis Düren schon Spielplätze und ein Kindergarten untersucht wurden und eine repräsentative Untersuchung der Böden in Wohngebieten an der Inde geplant ist, legt man in Aachen den Fokus erst einmal auf Weideflächen, die in den Überschwemmungsgebieten des Flüsschens liegen – mit einer Ausnahme: Auf dem kleinen Kinderspielplatz am Friesenrather Weg in Friesenrath, der in unmittelbarer Nähe der Inde liegt, nimmt man auch „rein vorsorglich“ zwei Proben.

Messpunkt Spielplatz: Auch diese Anlage am Friesenrather Weg wird untersucht – rein vorsorglich, wie die Stadt betont. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Dass man die ganze Sache in der Aachener Stadtverwaltung relativ gelassen betrachtet und „keine akute Gefahr im Verzug“ sieht, liegt vermutlich daran, dass man im Kreis Düren bereits erste Erkenntnisse über mögliche Ursachen für die Vergiftungen gewonnen hat. Dort geht man davon aus, dass die Belastungen über einen längeren Zeitraum vor 50 bis über 100 Jahren entstanden sind und ihren Ursprung in der Erzaufbereitung und im Bergbau im Aachener und Stolberger Raum haben. Wobei sich die Schadstoffe dann mit dem Lauf der Inde von Aachen wegbewegt haben dürften.

Ob diese Theorie zutrifft, sollen nun die Untersuchungen zeigen. „Wir wollen belastbare Zahlen dafür haben, dass kein Grund zur Sorge besteht“, sagt Herrmann. Bis diese vorliegen, wird es allerdings noch etwas dauern. Denn zunächst müssen die Messungen extern ausgeschrieben und ein zertifiziertes Labor und ein Bodensachverständiger beauftragt werden. Die Stadtverwaltung kalkuliert für diese Maßnahme Kosten in Höhe von rund 15.000 Euro ein, die Ergebnisse der Messungen sollen bis Anfang nächsten Jahres vorliegen und dann auch öffentlich gemacht werden. Dann wird sich zeigen, ob man wie in Stolberg, Eschweiler und Inden noch deutlich genauer hinschauen muss oder ob man das Kapitel „Dioxin an der Inde“ in Aachen wieder zuklappen kann.

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