Aachen: DIG ehrt Jürgen Linden: „Jüdisches Leben in Aachen unterstützt”

Aachen: DIG ehrt Jürgen Linden: „Jüdisches Leben in Aachen unterstützt”

Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, war voll des Lobes über den ehemaligen Oberbürgermeister. Linden wurde am Montag mit dem Ehrenpreis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen (DIG) ausgezeichnet.

„Wegen seiner Verdienste um die deutsch-israelische Verständigung und seines Einsatzes gegen den Antisemitismus”, wie DIG-Vorsitzender Axel H. Holst begründete. Als Laudatorin hatte er Charlotte Knobloch gewinnen können.

„Ich bin Jürgen Linden von Herzen dankbar. Er hat sich verdient gemacht um den Neubau der Synagoge, für ihn war sein Amt nicht nur Amt, sondern eine Aufgabe. Er hat Rückgrat und Mut. Er hat stets das jüdische Leben in Aachen unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.”

Demokratie verteidigen

Sie hob hervor, dass Nazis keineswegs harmlose Marktschreier seien, im Gegenteil, sie beanspruchten die Vorteile des Rechtsstaates für sich, um sie dann gegen die demokratische Grundordnung zu richten. „Es ist schwierig, demokratische Rechte zu verteidigen, was auch Herr Linden immer wusste. Er ist immer für eine gerechte, demokratische Gesellschaft eingetreten.”

Feierlich war der Festakt im Ballsaal des Alten Kurhauses, musikalische Einlagen und ein kleines Buffet mit Canapees rundeten den späten Vormittag ab.

Oberbürgermeister Marcel Philipp war zur Preisverleihung erschienen ebenso wie Bürgermeisterin Hilde Scheidt, die ein Grußwort des vorjährigen Preisträgers Jürgen Rüttgers verlas. Philipp ließ es sich nicht nehmen, ein paar eigene Worte beizusteuern: „Das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel wird immer ein besonderes sein. In Deutschland müssen alle demokratischen Politiker mithelfen, dass Israel in gesicherten Grenzen leben kann.”

Zu Preisträger Linden sagte er: „Sie haben sich für das Projekt "Wege gegen das Vergessen" stark gemacht. Jetzt zeugen 40 Bronzetafeln in der Stadt, was alles geschehen ist und niemals wieder geschehen darf.” Hilde Scheidt stellte nach der Grußwortverlesung in Richtung Linden fest: „Unsere Stadt braucht Menschen wie Sie. Vorbilder, die auf die Straße gehen, wenn Nazis aufmarschieren.”

„Auf Augenhöhe”

Charlotte Knobloch zeigte sich stolz darüber, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder sichtbar sei. „Da ist die Integration der zu uns gekommenen Juden über das Erlernen der deutschen Sprache Pflicht. Nur wer in einer Sprache auf Augenhöhe spricht, kann sich integrieren.”

Allerdings: „In Deutschland ist der Antisemitismus allgegenwärtig”, zog die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Bilanz. Braunes Gedankengut sei längst wieder in alle Breiche des Lebens gesickert. Dagegen helfe nur Aufklärung.

„Lassen wir uns unsere Kinder zu wahren Demokraten erziehen, mit Toleranz und Respekt gegenüber den anderen, die auch Traditionen und Religionen gelten lassen.” Linden sprach von der Normalität des jüdischen Lebens in Aachen. „Juden sind Sparkassenangestellte, Techniker, Arbeiter. Sie sind überall anzutreffen. Auch wieder im Karneval.”