DIG Aachen blickt wieder optimistisch in die Zukunft

Deutsch-Israelische Gesellschaft Aachen : Der Neustart ist allem Anschein nach gelungen

Der Neustart scheint gelungen: Der Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen (DIG), der vor zwei Jahren unter denkbar schwierigen Bedingungen sein Amt angetreten hat, blickt wieder optimistisch in die Zukunft.

Der Verein, dessen Fortbestand noch bis vor wenigen Monaten am seidenen Faden hing, kann wieder als finanziell gefestigt gelten und hat allem Anschein nach auch die politischen Turbulenzen vergangener Tage überwunden.

Zu verdanken sei dies in erster Linie dem heutigen Vorsitzenden Jörg Lindemann, sind viele Mitglieder und auch dessen Mitstreiter im Vorstand überzeugt. Als echter Teamplayer habe er die DIG inzwischen viel breiter aufgestellt, als es jemals unter dem Vorgänger Axel Holst denkbar gewesen ist, der den Verein mit seinen rund 160 Mitgliedern über beinahe vier Jahrzehnte hinweg einigermaßen selbstherrlich geführt hat. „Die DIG war ja ziemlich auf eine Person zugeschnitten, heute ist sie viel offener“, ist auch Lindemanns Stellvertreter Alexander Weyermann überzeugt.

Holst hatte vor zwei Jahren seinen Rücktritt erklärt, nachdem finanzielle Unregelmäßigkeiten bekannt geworden sind, die zuvor bereits zum Rücktritt des Schatzmeisters geführt haben. Über mehrere Jahre hinweg soll Letzterer mindestens 21.000 Euro aus der Vereinskasse in private Taschen umgelenkt haben, in der Folge drohte der DIG Aachen die Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Mit viel Überzeugungsarbeit und einer grundlegend überarbeiteten Vereinsstruktur konnte dies nunmehr abgewendet werden, wie Lindemann kürzlich mitteilte.

Der damalige Schaden sei wieder weitgehend gutgemacht worden, sagt Lindemann. Zudem wurden die Auflagen des Finanzamts erfüllt, um die Gemeinnützigkeit des Vereins zu erhalten. Barkassen gibt es nicht mehr, und auch der Zugriff einzelner auf die Konten wurde unterbunden. Dafür wurden Kontrollen nach dem „Sechsaugenprinzip“ eingeführt. Alle Belege werden von mindestens zwei Personen unterschrieben.

Für diese neue Struktur stehen insbesondere Lindemann, Weyermann und der neue Kassenwart Eyüp Özgün gerade. Und sie haben auch dafür gesorgt, dass die damaligen rechten Hetzer aus Reihen der AfD und Burschenschaften die DIG Aachen inzwischen verlassen haben oder dort zumindest kein Forum mehr finden.

Sichergestellt werden soll dies nicht zuletzt durch ein vom neuen DIG-Vorstand und –Beirat verabschiedetes Memorandum, in dem nicht nur die Zielsetzungen der DIG Aachen festgeschrieben sind, sondern auch die „Überzeugungsgrundsätze“ der Mitglieder. Dazu gehört unter anderem das „Bekenntnis zum Ideal einer toleranten, freien und offenen Gesellschaft ohne Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung“, das Lindemann besonders wichtig war. Jedes neue Mitglied müsse sich auf dieses Memorandum verpflichten, betont er und fügt hinzu: „Wer am extremen Rand stehe, hat in der DIG nichts verloren. Wir stehen auf dem Boden des Grundgesetzes.“

All dies habe dazu geführt, dass sich zunehmend neue Leute in der DIG engagieren. Rund zwei Drittel der Aktiven seien neu dabei, schätzt Lindemann, der für die CDU auch im Stadtrat sitzt. Auch seine beiden engeren Mitstreiter sind in der CDU aktiv, zugleich aber habe er die DIG nicht nur politisch breiter aufgestellt – indem er neue Mitglieder aus Reihen der SPD, Grünen und FDP angeworben hat -, sondern Kontakte zu weiteren Organisationen und Verbänden hergestellt. „Es gibt eine ganz andere Kultur des Miteinanders und des Diskutierens“, schwärmen Weyermann und Özgün, die auf einen multikulturellen Vorstand aus vier Herkunftsländern verweisen, in dem Christen, Juden und Muslime vertreten sind.

Obwohl die Neupositionierung der DIG viel Kraft gekostet habe, habe man die Vereinsarbeit nicht ruhen lassen, betont Lindemann. Eingestellt worden ist inzwischen allerdings die Vergabe des „Ehrenpreises“, mit dem seit 2005 Prominente ausgezeichnet wurden, die sich in besonderer Weise für Israel und gegen Antisemitismus eingesetzt haben. Im Zuge der Querelen um rechtsextreme Mitglieder und die finanziellen Unregelmäßigkeiten hatte sich der Hauptsponsor zurückgezogen.

Lindemann will diesen Preis nicht mehr aufleben lassen, er setzt stattdessen auf andere Aktionen und neue Kooperationen. Die Volkshochschule ist so ein Partner, mit dem zwischenzeitlich neue und auch gutbesuchte Veranstaltungsreihen entwickelt werden konnten. Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Staates Israel konnte eine Vortragsreihe aufgelegt werden, zu der teils 100 Zuhörer und mehr gekommen sind. Derzeit läuft eine weitere Reihe zum Thema Antisemitismus.

Ein weiterer wichtiger Partner ist auch Eurotürk, mit dem man unter anderem das Multikultifest im Kennedypark organisiert. Gerade dort haben sich in der Vergangenheit auch immer wieder die spannendsten und interessantesten Gespräche etwa mit jungen Flüchtlingen oder Palästinensern ergeben, sagt Weyermann. „Für mich sind das Sternstunden, wie friedlich man dort ins Gespräch kommen kann.“

Aber auch den Israeltag, den die DIG Aachen alljährlich anlässlich der Gründung des Staats Israel am 14. Mai 1948 am Elisenbrunnen begeht, will Lindemann künftig gerne mit weiteren Partnern feiern. Schließlich gebe es neben der Geschichte und Politik des Staates viele weitere Aspekte, die man darstellen könnte – Kultur, Sport, Religion oder auch Tourismus.

Und gerne will die DIG Aachen auch wieder den Jugendaustausch mit Israel aufleben lassen. Die Frage sei allerdings, ob man die Leute finden kann, die genügend Zeit haben, solche Reisen zu organisieren, sagt Lindemann. Nach dem allem Anschein nach gelungenen Neustart der DIG bleibt somit immer noch genug zu tun.