Aachen: Dieter Spillner sagt Tschüss

Aachen: Dieter Spillner sagt Tschüss

Am Tag vor den großen Ferien hat Dieter Spillner seinen letzten Schultag - den allerletzten. Nach 34 Jahren im Schuldienst und 17 Jahren als Schulleiter des Einhard-Gymnasiums sagt der Fachlehrer für Chemie und Geografie endgültig Tschüss.

Für den 61-Jährigen beginnt dann die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit. Gut eine Woche später, mit Beginn des neuen Schuljahrs am 1. August, nimmt an der Robert-Schuman-Straße der Neue die Zügel in die Hand. Ralf Gablik soll den Schulleiterposten am Einhard übernehmen. Die Schulkonferenz hat ihn bereits gewählt, Schulausschuss und Bezirksregierung müssen noch zustimmen. Gablik ist derzeit Lehrer am Kaiser-Karls-Gymnasium, außerdem ist er am Studienseminar Aachen in der Lehrerausbildung tätig, als Fachleiter für Kunst und als Hauptseminarleiter.

Dieter Spillner wählt einen leisen Abgang. Auf eine offizielle und feierliche Verabschiedung möchte er verzichten. Dabei gibt sein Berufsleben reichlich Stoff her für einen Rückblick. Viel Positives habe er über die Jahre erlebt, sagt Spillner im „Nachrichten”-Gespräch, viel methodische und inhaltliche Weiterentwicklung im Unterricht. Manche politisch gewünschte Neuerung sei dagegen „nicht immer glücklich” gewesen. Beispiel G8: „Gegen die achtjährige Gymnasialzeit spricht grundsätzlich nichts”, sagt Spillner. „Aber wenn die letzten Lehrpläne erst fertig sind, wenn die der erste Jahrgang in die Oberstufe kommt, dann ist das handwerklich schlecht gemacht.”

Oder das leidige Thema Kopfnoten: „Erst gab es sechs, dann gab es drei, und dann waren sie ganz weg.” Da ärgert sich der Pädagoge im Rückblick auch über die „Arbeitszeit, die man verbrät, um etwas umzusetzen, das nur eine so kurze Halbwertzeit hat”. Gegen zwei Kopfnoten - für Leistungsbereitschaft und Sozialverhalten - hätte er nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil: „Das wäre ein Ansporn für die Schüler.”

Mehr Ruhe bei Reformen

Veränderung sei wichtig, bilanziert Spillner, aber Reformen sollten mit Ruhe angegangen und zunächst an Pilotschulen getestet werden. „Und warum fragt man nicht öfter mal die Basis?”

Das Zentralabitur findet grundsätzlich Spillners Zustimmung - auch wenn die vielen Fehler in den Aufgaben ihm ein Ärgernis sind. Im Sinne einer echten Vergleichbarkeit von Abschlüssen plädiert er sogar für ein bundesweit einheitliches Abitur „mit hundertprozentiger Fremdkorrektur”.

Auf die Schulen werde in Zukunft manche Herausforderung zukommen, prophezeit Spillner, auch mit Blick auf die digitale Computer-Welt, in der Kinder heute unterwegs sind. „Die Ressourcen, die die Schüler zu Hause nutzen, müssen wir in den Unterricht einbauen und sinnvoll verzahnen.” Das klassische Schulbuch habe weiter seine Existenzberechtigung - „aber es muss ergänzt werden”.

Stichwort individuelle Förderung: Kleinere Klassen wären aus Sicht des Lehrers mehr als wünschenswert. Leider seien auch heute bis zu 30 Kinder in einer Lerngruppe keine Ausnahme.

Dieter Spillner hinterlässt eine Schule, die gut mit Lehrern versorgt ist. „Da hat die Landesregierung ihr Versprechen umgesetzt, die Lehrerversorgung ist erkennbar besser geworden.” Den gut 1100 Schülerinnen und Schülern wünscht er, dass sie sich weiter wohlfühlen am Einhard und gerne zur Schule gehen, „auch wenn es nicht immer Spaß macht”. Dem knapp 100-köpfigen Kollegium wünscht er, dass altgediente und jungen Kollegen zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

Den vielen Verwaltungskram werde er im Ruhestand wohl nicht vermissen, gesteht Dieter Spillner. Wohl aber die Arbeit in den Klassen. „Ich habe immer gerne unterrichtet. Und es ist schon ein Einschnitt, das nicht mehr zu dürfen. Die Schüler werden mir fehlen.”

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