Aachen: Dieser Mann versteht die Sprache der Pferde

Aachen : Dieser Mann versteht die Sprache der Pferde

Beim Reittherapiezentrum „Abenteuerland” in Grüne Eiche erwartet man am Mittwochnachmittag besonderen Besuch. Der von weither angereiste Gast verspätet sich etwas, und so herrscht eine Weile Nervosität rings um Reithalle und Ställe, bis der Wagen endlich vorfährt. Dem entsteigt Monty Roberts, der durch Roman und Film als „Pferdeflüsterer” berühmt Gewordene.

Er ist ein eher unscheinbarer, älterer Mann, gekleidet in saloppe braune Jacke, auf dem Kopf eine grüne Schirmmütze. Zuerst einmal wird er von den Leuten des Abenteuerland-Vereins herumgeführt, schaut sich die Pferde an, die hier arbeiten.

Seit drei Jahren sind die Tiere und sieben Therapeutinnen zuständig für Kinder mit und ohne Behinderung, denen der Umgang mit Pferden gut tut. Deshalb zeigen einige von ihnen mit ein paar von den 120 Kindern, die jede Woche hierherkommen, dem amerikanischen Besucher, was in Sachen Reittherapie, Reitpädagogik und Voltigieren hier geschieht.

Mit ruhiger Hand

Und dann zeigt er seine Kunst mit den Pferden. Zuerst wird eine junge Stute hereingeführt, die noch nicht eingeritten ist, die noch nie Decke oder Sattel, geschweige denn Menschen auf ihrem Rücken hatte. Schnell wird klar, dass Monty Roberts mit ruhiger Hand, wie beiläufig, das Tier dazu bringt, genau das zu tun, was er möchte.

Er schnalzt dabei nur leicht mit der Zunge oder schlägt leicht mit dem zusammengerollten Lederzügel auf sein eigenes Bein. Das Pferd läuft im Kreis, dreht um, kommt näher zu ihm, senkt den Kopf, so wie er es voraussagt. „Überall auf der Welt sprechen die Pferde dieselbe Sprache”, sagt der Pferdeflüsterer, der hier nur wenige Stunden mit Pferden zusammenarbeitet, die er zum ersten Mal sieht. Er kommuniziert mit ihnen, er kennt und versteht ihr Verhalten.

Unruhiger Hengst

Die Stute Sari ist ein sanftmütiges Tier, dennoch ist es erstaunlich, wie sie sich ohne jeden Widerstand Decke und Sattel auflegen und festzurren lässt. Roberts hat mit den Händen über ihr Fell gestrichen, auf beiden Seiten des Leibes. Er hat ihr Zeit gegeben, voller Ruhe agiert. So dauert es nur wenige Minuten, bis Gabriel, ein Reiter aus Roberts Team, zuerst nur sekundenlang mit seinem Gewicht auf dem Sattel liegend und schließlich aufrecht auf dem Pferd reiten kann.

Ein anderes Pferd kommt herein, Umero, von dem die Besitzer sagen, dass es schwierig sei, weil es nicht ohne andere Pferde sein möchte, sich wehrt und manchmal aufsteigt. Das Publikum sieht einen unruhigen, etwas widerspenstigen Hengst. Der Laie denkt: „Vielleicht hat es Angst, ist gestresst oder verunsichert.”

Doch der Pferdeflüsterer nimmt das Tier nur kurz am Zügel und weiß: „Dieses Pferd weiß, wie es Menschen kontrollieren kann, indem es sie umrennt.” Nun muss es lernen, den Abstand zu wahren, es muss lernen, stehenzubleiben und nur zu gehen, wenn auch der Mensch geht. Wieder grenzt es an Zauberei, wie Monty Roberts das Pferd zu ruhigem Gehorsam ermutigt. Zuschauende Kinder und Eltern, die zu dieser internen Veranstaltung des Therapiezentrums eingeladen sind, zeigen ihre Begeisterung mit viel Applaus.

Monty Roberts ist auf Einladung von ALRV-Präsident Klaus Pavel für drei Tage in Aachen. Er zeigt seine Kunst noch am Donnerstag sowie am Freitag, 17. April, in der Albert-Vahle-Halle, jeweils um 20 Uhr.

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