Diese Meldungen machten am 8. August 1969 in Aachen Schlagzeilen

50 Jahre zurückgeblättert : Ärger um Rabauken mit weiblichem Anhang

Die Tageszeitung wirft einen Blick zurück. Welche Meldungen machten vor 50 Jahren Schlagzeilen? Am 8. August 1969 ging es in der Tageszeitung in Aachen um Folgendes: Ruhestörung in der Wirichsbongardstraße, Karls Heizung und Make-up für den Busen.

Dass auf dem Aachener Markt das sprichwörtliche rege Treiben herrscht, darf anno 2019 als gesetzt gelten. Aber ein Blick 50 Jahre zurück (unser großes Bild rechts) offenbart auch eine ganz andere Perspektive: Autos auf dem Markt. Und davon jede Menge. Schauen Sie einmal auf die Einmündung der Pontstraße zwischen Karlsapotheke und (noch nicht renoviertem) Haus Löwenstein. Gerade biegt ein VW-Bulli nach rechts auf den Markt ab, dahinter ein Käfer nach links. Völlig normal. Übrigens: Autofrei wurde der Markt erst – nach teils mächtigem Protest – Ende der 1980er Jahre. Am 9. September 1989 wurde der „neue Markt“ mit einem großen Fest eingeweiht.

Und auch die Polizeimeldung, die am 8. August 1969 auf der 1. Lokalseite der Aachener Volkszeitung steht, kann sich 50 Jahre später nicht wiederholen: „Vorfahrt der Straßenbahn missachtet“, heißt es da. Nicht, dass man sich heutzutage derartige Unfälle wünschen würde. Aber in Zeiten der Klimadiskussion wünschen sich nicht wenige wieder einen schienengebundenen ÖPNV. Die letzte Bahn fuhr übrigens 1974 ins Depot – in dem sich heute ein Kulturzentrum befindet. Man wäre fast versucht zu sagen: Wie sich die Zeiten ändern ...

Und sie tun es in der Tat, wobei es viele Parallelen gibt, Wiederkehrendes. Wie das Problem Ruhestörung durch heftig Feiernde. Heutzutage verortet man dies eher in die Pontstraße. Am 8. August 1969 macht eine Anwohnerin der Wirichsbongardstraße in der AVZ Ruhestörung zum Thema. Als sie 1954 dorthin gezogen sei, schreibt die Dame, sei die Wirichsbongardstraße eine „anständige Gegend“ gewesen. „Was aber jetzt dort geschieht, spottet jeder Beschreibung: eine Wirtschaft neben der anderen.“ Was dort an Gästen verkehre, sei „die Höhe“. „Bis um zwei Uhr jeden Abend“ würden „Rabauken mit ihrem weiblichen Anhang“ Mopedrennen veranstalten. Das Problem sei, dass die Polizei sich nicht zuständig fühle – und das Ordnungsamt nicht reagiere.

Apropos Verkehr: Das Amtsgericht verhandelt 1969 eine Bußgeldsache gegen einen 63-jährigen Kaufmann, der in eine Polizeikontrolle an der Einmündung Mariahilfstraße (heute auch verkehrsberuhigter Bereich) in die Monheimsallee geriet. Geschickt eingefädelt hatten dies die Ordnungshüter. An der Einmündung – Achtung: Stoppstraße! – hatte sich ein Beamter postiert, der den Kollegen per Funk Verstöße gegen das Stopp-Gebot meldete. Die standen wenige Meter weiter in der Monheimsallee und harrten der Sünder. Der Kaufmann fand einen gnädigen Richter, statt 60 Mark waren nur 20 fällig, schreibt die AVZ am 8. August 1969.

Aus der AVZ vom 8.8.1969 über Sanierungsarbeiten am Rathaus: Stadtkonservator und Dombaumeister Dr. Leo Hugot (im Bild) entdeckte die Kaminzüge im karolingischen Mauerwerk des Granusturms. Foto: Hein Call

Stellt man sich Leben im Mittelalter vor, so scheint Komfort eher untergeordnet gewesen zu sein. Wirklich? Dass Kaiser Karl in seiner Bude im Granusturm ein eigenes stilles Örtchen hatte, war Forschern seit längerem bekannt, im August 1969 schließlich wurden bei Sicherungsarbeiten des historischen Gemäuers Reste einer Art „Zentralheizung“ entdeckt. „Mit heutigen Augen betrachtet“, so schreibt der Chronist vor 50 Jahren, „mag des Kaisers Schlafkammer im Turminneren recht bescheiden aussehen. Indes – zu seiner Zeit war ein gewölbter steinerner Raum eine nur sehr hohen Herren vorbehaltene seltene Ausnahme.“

Alles andere als grenzenlos ging es in der Region zu. Und daher gibt es auch genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen die Grenzübergangsstellen in Horbach, Vaals, Bildchen oder Köpfchen passierten. Von „Rekordverkehr“ berichtet die AVZ. Im Juli 1969 sollen mehr als 8,8 Millionen Menschen die Grenzen (in beiden Richtungen) passiert haben. Das waren rund 1,8 Millionen mehr als im Juni 1969.

Auch das bleibt gleich: Die Welt der Schönen und Reichen schreibt ihre eigenen Schlagzeilen. Die AN stellen den „letzten Schrei für die Frau von Welt“ vor: das Busen-Make-up. Da die „Dame von Welt in diesen Tagen“ (man darf annehmen, dass damit der heiße Sommer gemeint war) „noch mehr zeigt als ohnehin schon üblich, muss sie gerade auch diese Stellen besonders kosmetisch präsentieren“. Zur Beruhigung: Auch die AN pflegen ein ganz sittsames Frauenbild in jeden Zeiten. Auf der 2. Lokalseite befinden sich die beliebten „Tipps für die Hausfrau“. Da ist die Welt doch wieder in Ordnung ...

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