Aachen: Die Zahl der Gewalttaten gegen Wohnungslose steigt

Aachen : Die Zahl der Gewalttaten gegen Wohnungslose steigt

Die Zahl der gewalttätigen Übergriffe auf wohnungslose Menschen in Aachen ist 2016 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Dies geht aus einer Antwort der Polizei auf eine Anfrage der „Nachrichten“ hervor.

Während im gesamten Jahr 2015 rund ein Dutzend Raub- und Körperverletzungsdelikte gegen wohnungslose Menschen angezeigt wurden, weist die Statistik alleine für die ersten drei Quartale 2016 bereits 16 Fälle auf. Die Zahlen für das letzte Quartal liegen noch nicht vor. Somit ist auch der schwere Messerangriff auf einen Obdachlosen am Veltmanplatz einen Tag vor Heiligabend in dieser Statistik noch nicht berücksichtigt.

Insbesondere diese Attacke, die von der Staatsanwaltschaft als Tötungsdelikt eingestuft wird, ist nun auch Auslöser für eine Anfrage der Linken. Sie will wissen, wie viele Gewalttaten gegen Wohnungslose den Aachener Behörden im vergangenen Jahr insgesamt bekannt geworden sind und in wie vielen Fällen Wohnungslose zugleich auch die Täter waren. Auskunft will sie auch über die Zahl der Übergriffe in städtischen Einrichtungen und über die mögliche Dunkelziffer haben.

Letzteres dürfte am schwierigsten zu beantworten sein, wie auch eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Einschätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zeigt. Bekannt würden demnach oftmals nur die schwersten Fälle.

Viele Opfer würden aus Angst vor den Tätern und aus mangelndem Vertrauen in die Behörden die Gewalt gegen sich gar nicht erst anzeigen.

Bundesweit 17 Todesfälle

Die BAGW verzeichnet für das Jahr bundesweit 17 Todesfälle durch Gewalt und mindestens 128 Fälle von Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Raubüberfällen und bewaffneten Drohungen gegen Wohnungslose. Opfer seien in der Regel einzelne Männer im mittleren oder höheren Alter, die oft erkennbar schutzlos sind. Wohnungslose Frauen erleiden häufig auch sexuelle Gewalt.

Der beste Schutz gegen diese Gewaltformen seien eigene Wohnungen, meint die BAGW. In Unterkünften müsste zudem ausreichend Privatsphäre und der Schutz vor Diebstählen gewährleistet sein. Bei den Gewalttaten wohnungsloser Menschen untereinander spielten häufig Alkohol- und Drogenkonsum eine wichtige Rolle. Viele Angriffe erfolgen nach Erkenntnissen der BAGW aber auch aus Tätergruppen mit „menschenverachtenden und rechtsextremen Motiven“.

Bei der Suche nach dem Angreifer vom Veltmanplatz tappen die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft derweil immer noch im Dunkeln. Zeugenhinweise gibt es bislang nicht.

Ein Unbekannter hatte dort am Freitag vor Heiligabend gegen 4.15 Uhr in der Früh auf einen 32-jährigen Slowaken eingestochen, der auf einer Parkbank schlief. Der schwer verletzte Mann mit Stichwunden an Oberkörper und Extremitäten musste in die Uniklinik eingeliefert und konnte gerettet werden.

(gei)
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