Aachen: Die Welt zwischen Verfall und Glanz: Emil Sorge mit neuen Arbeiten

Aachen: Die Welt zwischen Verfall und Glanz: Emil Sorge mit neuen Arbeiten

„12 Monde“ nennt der Breiniger Künstler Emil Sorge seine Ausstellung im Raum für Kunst in der Elisengalerie, und exakt zwölf Gouachen mit vor allem urbanen Ansichten aus aller Welt bilden den Blickfang direkt am Eingang. Schon auf den zweiten Blick wird das expressiv gehaltene, bunte, südländisch anmutende Treiben zur Abbildung von meist Armut, Not und Verfall.

Es sind Motive aus dem Alltag, die Emil Sorge aus den Medien übernimmt und künstlerisch verarbeitet. Es sind Momentaufnahmen, Impulse von außen, die Sorge beschäftigen — eine Abkehr von seiner bisherigen Arbeit, die sich aus seinem Innenleben speiste.

Doch Sorge bildet die Welt, wie sie sich ihm darstellt, nicht nur ab, sondern leistet eine gewaltige Transformationsarbeit. Zwei mal zwölf Arbeiten — zwölf kleinere, zwölf Großformate — zeigen seine Art der Weltaneignung mittels Malerei, großformatigem, teils gelöchertem Holzschnitt und großformatigem Druck. Slums und Favelas etwa sind paarweise als farbige Holzschnitte und Druck/Malerei zu sehen, aber auch Ausschnitte aus dem Pergamon-Altar.

Mit souveräner Eleganz porträtiert Sorge die Welt zwischen Verfall und Glanz, frei von Beschönigung oder Kritik. Illusionslos nimmt er die Wirklichkeit, wie sie ist, steht aber deutlich zu seiner künstlerischen Heimat des „rheinischen Informel“ und zelebriert dessen alten Widerspruchs- und Aufbruchsgeist nicht schroff-brüskierend, sondern lässig, abgeklärt und cool, aber niemals kalt.

Auch die Hängung der Arbeiten in dem schwierigen, langgezogenen Raum mit den Fenstern zur Elisengalerie ist überaus gelungen — eine großartige Ausstellung mit nachhaltiger Wirkung.

Sie hängt und steht noch bis zum 7. Juni in der Elisengalerie und kann dienstags, donnerstags und samstags von 12 bis 17 Uhr oder auch nach Absprache unter Telefon 0241/454 4510 besichtigt werden.

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