Aachen: Die Welt steht Kopf, doch der Kopf kann nicht laufen

Aachen: Die Welt steht Kopf, doch der Kopf kann nicht laufen

Ein toller Erfolg wurde die erste Zusammenarbeit von Das Da-Theater und Ludwig-Forum - mit einem jungen Tanzensemble, das eine großartige, berührende Performance im „space” bot.

Forumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen freute sich gemeinsam mit dem Das Da Theater über die mutige Kooperation. Die feinnervige und einfallsreiche Choreografie von Heike Sievert (Das Da Theater) griff geschickt Motive aus Olivers Sacks Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte” auf.

Der berühmte britische Neurologe und Autor beschreibt darin ganz verschiedene Wahrnehmungsstörungen, die vom Gehirn ausgehen. „Schräglagen” - so der Titel der Performance - offenbart tänzerisch jeweils ureigene Systeme, wie Menschen mit ihren Störungen und Tics umgehen, um wieder „ins Lot” zu kommen.

Die junge ausgebildete Tanztruppe (vier Frauen, ein Mann) überzeugte von Anfang an mit Talent und inspirierendem Körpereinsatz. Das Da-Theaterchef Tom Hirtz, hier auch zuständig fürs Lichtdesign, hatte die in Aachen lebenden Tänzerinnen und Tänzer entdeckt, als die Das Da-Choreografin Heike Sievert bereits die Idee hatte, auch Tanztheater ins Programm zu nehmen.

Vom Kopf und Hirn geht alles aus, was auch in der fesselnden Darbietung offenbar wird. Frank Rommerskirchen, der unverzichtbare Das Da-Bühnenzauberer, hatte bereits einen LuFo-Work­shop künstlerisch begleitet, gemeinsam mit der Modedesignerin Petra Kather.

So entstanden auch die fantastischen Kostüme des Tanzensembles durch Teilnehmerinnen des Workshops im Forum.

Faszinierende Tanz-Szenen und Projektionen wie auch Musikeinspielungen machten den Abend zum Genuss. Abwechslungsreiches, oft auch witziges Körpertheater zeigte verschiedene Bewegungsstörungen und den Kampf dagegen, ebenso wie daraus entstehende neue Bewegungsvarianten.

Das Tourette-Syndrom mit Zuckungen und lästigen Tics wird hier glorreich „verwandelt” in etwas, das neue Qualitäten und Möglichkeiten schafft. Auch das Gefühl, ein drittes Bein zu haben, kann ganz neue Bewegungsabläufe erbringen. Später steht die Welt buchstäblich Kopf, doch der Kopf kann nicht laufen.

Tolle Szenen

Neue Orientierungen und Bewegungsmuster vermögen vieles. Tolle Szenen und immer neue „Schräglagen” begeistern eine Stunde lang das am Ende jubelnd applaudierende Publikum.

Das neue Tanzensemble mit Cora Kehren, Anna Pavlova, Keara Lindert-Knoeppel, Filana Löblich und Benedict Offermanns wird regelrecht gefeiert, ebenso die Choreografin. Fortsetzung erwünscht, heißt das natürlich, Fortsetzung einer gelungenen Zusammenarbeit.

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