Aachen: „Die Welle“: Auf geht's in die geistige Sklaverei

Aachen : „Die Welle“: Auf geht's in die geistige Sklaverei

Die Aktualität des Stückes hat die Schauspieler des „chaOS­Theaters“ fasziniert. Denn die Flüchtlingsthematik, Pegida und AfD geben dem Stück „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue ihrer Meinung eine nach ganz neue Bedeutung.

„Niemand denkt mehr selbstständig, und ihr bemerkt es nicht einmal“, meint die Schülerin Lory in dem Stück. Doch längst ist es zu spät. Keiner will ihre Kritik hören.

„Die Welle“ erzählt die Geschichte eines Experiments, bei dem ein Lehrer seinen Schülern zeigen will, wie es zum Nationalsozialismus und seinen schlimmen Folgen kommen konnte. Er sorgt dafür, dass aus der chaotischen Klasse eine Gemeinschaft wird, die sich vor allem an bedingungsloser Disziplin und Gehorsam orientiert — ohne Rücksicht auf Andersdenkende. „Ich habe euch gezeigt, dass ihr durch Disziplin an Stärke gewinnt“, sagt der Lehrer an einer Stelle. Und der Chor der Schüler wiederholt immer und immer wieder: „Stärke durch Gemeinschaft. Stärke durch Disziplin.“

Hetze und Gehirnwäsche

Es war kein Zufall, dass Reza Jafari gerade dieses Stück gewählt hat, um es mit dem „chaOSTheater“ auf die Bühne zu bringen. „Faschismus, Diktatur und Gehirnwäsche sind meine bevorzugten Themen“, sagt er. Und er verweist auf die Situation in Syrien, im Irak oder Afghanistan und meint: „Diese Länder sind nicht weit weg. Wir müssen sie hören.“

Die Proben zum Stück haben auch die jungen Schauspieler sensibler gemacht. „In Deutschland kocht viel am rechten Rand“, sagt eine Darstellerin. Und mit Blick auf die oft hetzerischen Kommentare auf Facebook: „Ich habe keine Worte für das, was da passiert.“ Es brauche nicht viel, um einen Menschen zu manipulieren, meint der Lehrer Mr. Ross in der „Welle“. Dass in dem Stück auch die schweigende Mehrheit sehr gut dargestellt wird, hat den Schauspielern besonders gut gefallen.

„Faschismus ist geistige Sklaverei. Viele klatschen Beifall. Viele schauen weg. So hat es damals auch angefangen“, meint Reza Jafari mit Blick auf die Anfänge des Nationalsozialismus. Um die Hintergründe deutlich zu machen, hat er dem Stück einen Erzähler hinzugefügt. Regisseur und Ensemble wollen mit ihrer Inszenierung vor allem eine kritische Reflexion zur Frage eröffnen, wie Gewalt, Hass, Ressentiments gegen Flüchtlinge und Feindseligkeiten in der Gesellschaft, auch in Aachen, verhindert und bekämpft werden können.

„Die Welle“ ist die 14. Inszenierung des Regisseurs Reza Jafari am „chaOSTheater“. Er greift auch diesmal wieder auf die musikalische Unterstützung des Gitarristen Pascal Fricke zurück. Außerdem singt Lucy Schröder. Die Schauspieler sind zum Teil Besucher der Offenen Tür (OT) Josefshaus. Einige sind schon seit Jahren dabei, andere dagegen geben jetzt ihr Debüt. Das Theater wurde als Jugendtheater der OT Josefshaus gegründet, hat sich aber im Laufe der Jahre längst zu einem freien Theater der Aachener Szene entwickelt.

Zum ersten Mal führt das „chaOSTheater“ sein Stück in der Mehrzweckhalle der OT Josefshaus am Kirberichshofer Weg auf. Geprobt wird derweil aus Platzmangel noch in der Kirche St. Fronleichnam. Am Freitag, 4. März, um 19.30 Uhr ist die Premiere in der Mehrzweckhalle.

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