Aachen: Die Vision des Bildhauers: eine Markthalle am Büchel

Aachen: Die Vision des Bildhauers: eine Markthalle am Büchel

Genau das hat Aachen noch gefehlt: „Diese Markthalle ist mein Traum“, sagt der Bildhauer Albert Sous. Und weil er „als Künstler von Dom und Rathaus immer noch fasziniert“ ist, gehört das von ihm entworfene Bauwerk nach seiner Ansicht auch an eine zentrale Stelle in der Innenstadt.

Den Büchel hat Sous auserkoren. Das dortige Parkhaus kann der Künstler so drastisch beschreiben, dass man es förmlich riechen kann. Aber schlechtreden muss er es gar nicht, der Abriss ist seit gefühlten Ewigkeiten beschlossene Sache. Pläne für das Areal zwischen Büchel und Antoniusstraße gab es reichlich, auch eine Markthalle war schon einmal dabei. Die Idee konnte sich damals nicht durchsetzen.

Dabei ist es für Sous genau das, was die Stadt noch braucht. „Junge Menschen wollen frische Lebensmittel einkaufen“, sagt er, „auch direkt vom Erzeuger.“ Das können sie bislang zwar auch auf dem Wochenmarkt, aber die Soussche Markthalle soll mehr sein: Der orientalisch anmutende Entwurf sieht einen geräumigen Innenbereich vor, auf dem sich das klassische Marktgeschehen mit den Ständen für Frischware abspielen könnte. Umrahmt würde er von über 30 Ladenlokalen, in denen die übrigen Einkäufe erledigt werden könnten. Supermärkte will der Künstler dort nicht sehen, er stellt sich kleinere Geschäfte vor. „Auch ein Schuster könnte dort einziehen.“ Und weil sich das alles über zwei Etagen erstreckt, wäre auch noch Platz zum Beispiel für Restaurants. Selbst für das Dach hat Sous Ideen, dort könnten Kinder auf kleinen Terrassen Gärten anlegen.

Denn dem Bildhauer geht es um mehr als bloß Einkaufsmöglichkeiten. Der Bau soll allerhand Nutzungen ermöglichen, etwa auch kulturelle Veranstaltungen. „In einer Markthalle kann man alles machen“, schwärmt Sous, „lachen und lieben, riechen und schmecken.“ Und das alles vom frühen Morgen bis spät in die Nacht.

Mit so einer Markthalle hätte die Stadt nach seiner Ansicht ein „Alleinstellungsmerkmal“. Vergleichbares gebe es nicht in Maastricht, Lüttich oder Eupen. Er erwartet faszinierte Besucher: „Wer das gesehen hat, kommt wieder.“

Nun müsste es halt nur gebaut werden: „Das muss von Architekten umgesetzt werden“, sagt der Bildhauer. Und bezahlen muss es auch jemand. Bislang gab es Investoren mit eigenen Ideen für diesen zentralen Bereich der Aachener Innenstadt. Die zuletzt virulenten Konzepte namens „Trendbox“ oder „Bel Etage“ sahen eher hippe Geschäfte vor, von Obst und Gemüse war weniger die Rede. Dafür allerdings auch von Wohnungen.

„Der Rat hat keine Macht mehr“, konstatiert Sous, er überlasse die Entwicklung den Investoren. Dabei sieht Horst Schnitzler, Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft, in dem Entwurf des Bildhauers „auch ein Geschenk an die Stadt“. Entsprechend will die UWG die Werbetrommel dafür rühren. Überzeugen muss sie dabei die Projektentwickler Gerd Sauren und Norbert Hermanns, die inzwischen in die Fußstapfen der bis vor einem halben Jahr dort aktiven Strabag Reals Estate getreten sind. Gesprochen habe man mit ihnen noch nicht, räumt Schnitzler ein. Urban Stricker, der diesen Part für die UWG übernehmen soll, sieht gute Argumente auf seiner Seite: Bei einem Workshop hätten gleich zwei Experten zu einer Markthalle geraten.

(wb)
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