Aachen: Die Subkulturen in Aachen aufleben lassen

Aachen : Die Subkulturen in Aachen aufleben lassen

Sie soll immer noch da sein. Etwas versteckt, weniger laut. Doch verschwunden ist sie keineswegs: Die Subkultur in Aachen. Was vor rund 35 Jahren in der Kaiserstadt boomte, kommt inzwischen vielleicht etwas verhaltener daher.

„Die 80er und 90er Jahre waren der Höhepunkt“, sagt Alen Micuglian, Mitglied der Punk-Elektro-Rockband Komplikations. Doch all das sei noch da — und soll wieder zurück in die Köpfe der Menschen.

Daher widmet das Centre Charlemagne den Subkulturen eine eigene Ausstellung. Und veranstaltet dazu passend ein musikalisches Rahmenprogramm im Musikbunker — für Punker, die Hip-Hop-Szene und alle, die Lust auf „gute Musik“ haben, wie Micuglian sagt.

Mit „Uns gehört die Stadt! Kids, Kunst und Krawall in Aachen“ möchte Myriam Kroll, Kuratorin der Ausstellung im Centre Charlemagne, die Sub- und Jugendkulturen beleuchten. „Die meisten Besucher des Museums sind um die 50 oder 60 Jahre alt. Schulklassen kommen zwar auch, werden aber eher im Rahmen des Schulprogramms hierher gebracht. Kinder und Jugendliche finden sonst eher selten den Weg zu uns“, sagt sie. Und das soll die neueste Projektausstellung mit umfassendem Rahmenprogramm nun ändern.

Die Aachener Allstars

Beleuchtet wird unter anderem, welche Jugendkulturen es überhaupt gab. Das beginnt bei der Hitler-Jugend, dem Bund deutscher Mädel und geht über zu den Punks, Skatern, Hippies und Hip-Hoppern. Zudem wird es verschiedene Workshops geben, beispielsweise zum Thema Graffiti oder zur Gestaltung von Jacken.

Doch auch für Erwachsene soll das Programm ansprechend sein. Schließlich waren die heute etwa 45-Jährigen damals Teil dieser Kulturen. Daher gibt es im Musikbunker am Freitag, 8. Juni, ab 23 Uhr Hip-Hop-Jam mit den Aachener Allstars. Im großen Raum spielen Skrabble, Small Axe Sound, Wise, Der Mann mit der Todeskralle und Twizm Hip Hop, Oldschool Rap, Reggae und Dancehall.

Das Besondere daran: „Das sind alles Gruppierungen, die es schon seit circa 20 Jahren gibt. Sie waren mal mehr, mal weniger präsent, aber sie haben die Szene geprägt“, sagt Michael Gerst, Projekt-Koordinator und Kenner der Aachener Hip-Hop- und Graffiti-Szene. In zwei Räumen wird Musik gespielt. Im großen eher älterer Hip-Hop, im kleineren die neuesten Hits. Dort treten mit den Brudicatdolls, Lolosace und Felweezy die neueren Spielarten mit New School, Hip-Hop, Trap und Jersey Club auf.

Wer jedoch lieber Punk hören möchte, der dürfte auch fündig werden. Denn am Samstag, 9. Juni, dreht sich ab 21 Uhr alles um Post-Punk und Elektro. Hauptact wird an dem Tag die französische Band „Frustration“ sein. Sie spielen brutalen Post-Punk-Sound. Auch mit dabei sind Alen Micuglians Band Komplikations, die aus dem Bereich Punk-Elektro-Rock kommt, und die Post-Punk-Band The Lost Tapes ( siehe Infobox).

Die Zusammenstellung des gesamten Programms haben Micuglian und Gerst gemeinsam mit Christian Schmalohr, Mitglied der Post-Punk-Band The Lost Tapes und Myriam Kroll besprochen. So trafen Szenekenner auf Kuratorin — für Kroll eine super Kombination. „Ich habe keinen Bankberater, sondern einen Punkberater“, sagt sie.

Denn ohne Menschen, die sich in den Subkulturen auskennen, wäre so ein Programm vielleicht nicht möglich gewesen. Micuglian hat seine Kontakte für Ausstellungsstücke spielen lassen. Da Aachen als kleinere Stadt mit Grenznähe eine sehr ausgeprägte Szene hatte, sei da einiges spannendes dabei. Was, werde natürlich noch nicht verraten.

Dass sich die Szene verändert habe, spiele auch eine Rolle. „Heute sind viele der Läden von damals zu. Es ist etwas enger geworden“, sagt Micuglian. Die Zeiten, in denen sich die Jugendlichen auf dem Markt und in Szeneclubs getroffen haben, seien vorbei. Heute liefe viel über das Internet. Umso mehr freuen sich alle Beteiligten auf den Rückblick.

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