Aachen: Die Stärke des Journalismus liegt in der Recherche

Aachen : Die Stärke des Journalismus liegt in der Recherche

Wer diese Zeilen auf Papier liest, gehört vielleicht bald schon zu einer Minderheit unter den Medienkonsumenten. Besonders bei den jungen Lesern greift kaum noch jemand zur gedruckten Zeitung, sondern eher zur elektronischen Version oder auf Nachrichtenwebseiten zu.

Für die Verlage ist dieser Wandel die zentrale Herausforderung der Zukunft. Und vor allem stellt sich die Frage, wie sich qualitativ hochwertiger Journalismus im Internetzeitalter finanzieren lässt. Bei einer Podiumsdiskussion im Internationalen Zeitungsmuseum suchten Vertreter aus Politik, Medien und Forschung nach Antworten auf die Frage: Wie beeinflusst der Medienwandel die Demokratie?

„Wenn wir die Medien als Teil unserer Demokratie sehen, müssen wir uns auch fragen, was uns die Medien wert sind“, formulierte Alexander Vogt gleich zu Beginn eine fundamentale Überlegung. Der medienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion sitzt selbst im Rundfunkrat des WDR und muss sich zwangsläufig immer wieder mit Fragen zur Legitimation der gebührenfinanzierten Programme auseinandersetzen.

Das ist im Internet etwas komplizierter. Seit Jahren versuchen die Verlage dort mit unterschiedlichen Methoden herauszufinden, was den Lesern Online-Artikel wert sind — und wie viel sie folglich bereit sind, dafür zu bezahlen. Dieser „Umerziehungsprozess“ sei sehr schwierig, wenn man den Lesern sagen müsse, dass sie für die einst kostenlosen Inhalte nun plötzlich bezahlen sollen, sagte Tom Thelen, stellvertretender Chefredakteur der „Aachener Nachrichten“.

Trotz des wachsenden wirtschaftlichen Drucks, der sich letztlich auch auf die Arbeit in den Redaktionen niederschlägt, sieht er die Stärke des Journalismus in der ausführlichen Recherche. „Es stellt sich aber die Frage, wie viel Zeit wir unseren Redakteuren dafür geben können.“ In diesem Zusammenhang kamen auch die Glaubwürdigkeit und der Wahrheitsgehalt von Nachrichten zur Sprache.

Der Aachener Blogger Christian Scholz forderte etwa, dass insbesondere Schüler — aber ebenso Erwachsene — nicht bloß über die Risiken im Umgang mit Smartphones und dem Internet aufgeklärt werden. „Die Menschen müssen auch lernen, Nachrichten zu überprüfen, zu hinterfragen, und sich ein breiteres Bild zu machen.“ Zu oft werde das, was gerade auf den Bildschirmen erscheine, einfach als wahr hingenommen und verbreitet, mahnte er.

Neben vielen Möglichkeiten der Information bietet das Internet auch Partizipation — und das sollte doch eigentlich den demokratischen Gedanken der Gleichheit fördern. Andreas Düspohl, Leiter des Zeitungsmuseums, dämpfte diese Erwartung: „Die Idee, dass die weltweite Erreichbarkeit die Verbreitung der Demokratie überallhin ermöglicht, gab es schon mit der Einführung des Telegrafen.“ Und auch heute sei es eher so, dass sich die Menschen in den sozialen Netzwerken mit Gleichgesinnten austauschen würden, als dass es konstruktive Diskurse zwischen unterschiedlichen Meinungsgruppen gebe.

Gute Erzähler

Ebenso wenig gebe es einen funktionierenden Dialog zwischen den Bürgern und der Politik. „Hier mangelt es an Transparenz, wie man am Beispiel der TTIP-Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten sieht“, sagte er. Und für die Zeitungsmacher hatte Düspohl zum Schluss eine Erkenntnis parat, die zum Nachdenken anregt: „Guten Erzählern hört man immer zu, darum lesen die Leute ja auch noch Bücher.“