Aachen: Die Stadt soll fit für die digitale Zukunft werden

Aachen : Die Stadt soll fit für die digitale Zukunft werden

Die Möglichkeit, mit dem Smartphone Tickets für das Theater zu kaufen und gleichzeitig zwei Plätze im nahe gelegenen Parkhaus zu reservieren, oder Sensoren, die an der Unterseite von Bussen angebracht werden, um die Verkehrssituation und die Straßenqualität zu messen, sind im Moment noch Zukunftsvisionen für die Stadt.

Doch das könnte sich bald ändern, denn der Rat wird noch vor den Sommerferien das neue Strategiepapier zur Digitalisierung der Stadt Aachen beschließen. Und die SPD macht Druck, damit die Strategie möglichst zügig umgesetzt wird.

Etwa 16 bis 20 Millionen Euro erhält Aachen als „Digitale Modellkommune“ in den kommenden drei Jahren vom Land NRW. Wie dieses Geld genutzt werden soll, wurde in der Strategie „Aachen digitalisiert!“ nun ausgearbeitet: Alle Bereiche, die in die Zuständigkeit der Stadt fallen, sollen für das Zeitalter der Digitalisierung fit gemacht werden. Darunter fallen die Themen Bildung und Mobilität ebenso wie Stadtentwicklung, Handel und Infrastruktur.

Die Abläufe in der Stadtverwaltung sollen ebenfalls digitalisiert werden, damit die Vorgänge einerseits für Bürger transparenter werden und andererseits auch bequemer, denn bis 2020 soll die Anzahl der Dienstleistungsangebote im Online-Portal der Stadt verdoppelt werden und alle Fachbereiche der Verwaltung mit Hilfe sogenannter digitaler Scouts optimiert werden.

Thema in die Gesellschaft tragen

Für Michael Servos, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt, ist die Digitalisierung das drängendste Thema in der Kommunalpolitik, „obwohl es dort bisher eher ein Schattendasein führt“, sagt Servos. Den Grund dafür sieht er darin, dass das Thema in der Gesellschaft weniger Anklang findet als Wohnungsnot oder der öffentliche Nahverkehr. „Ein Mentalitätswechsel ist immer schwer“, sagt Servos. Aber genau diesen brauche es nun in der Bevölkerung. „Das muss interessieren. Nicht mehr als das Thema Wohnen, aber mindestens genauso sehr.“, sagt Servos. Denn: Die Digitalisierung wird das Leben aller Menschen nachhaltig beeinflussen. Wie das aussehen könnte, zeigten die Ideen der Start-Ups und die Forschung der Hochschulen.

Doch während die Experten die Digitalisierung in Aachen immer weiter nach vorne peitschen, stößt die Entwicklung in anderen Teilen der Gesellschaft auf Widerstand. Der Einzelhandel sieht sich in Konkurrenz zum Online-Angebot, Erzieher wollen in erster Linie mit Menschen arbeiten, nicht mit Computern. Die Aufgabe der Politik sei es nun, die Vorteile der Digitalisierung aufzuzeigen und sicherzustellen, dass ethische Fragen, die mit den zunehmenden Fähigkeiten unter anderem von künstlicher Intelligenz einhergehen, zu klären.

„Wir befinden uns in einem historischen Wandel. Die Frage ist, wie packen wir ihn an? Wir können uns der Entwicklung nicht entziehen“, sagt Karl Schultheis (SPD), der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft. Aachen solle den Vorteil, den es als Forschungsstandort habe, ausnutzen. Gemäß der Digital-Strategie soll sich die Stadt im Jahr 2025 bundesweit unter den Top 10 der ‚Smart Cities‘ etabliert haben. „Wir müssen an der ein oder anderen Stelle dicke Bretter bohren, um die Stadt zukunftsfähig zu machen. Entweder man zieht mit — möglichst weit vorne — oder man wird abgehängt“, sagt Schultheis. Damit die Bürger diesen Prozess mitgestalten können, hat die SPD ein Online-Portal entwickelt.

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